Geheimdienstchef, Revolutionsrichter, Vize: Die weiteren Angeklagten in Bagdad!
- Mussten sich wegen Schiiten-Massaker verantworten
Ein Sondertribunal in Bagdad hat den ehemaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein und zwei weitere Exponenten des 2003 durch die US-Militärintervention gestürzten Baath-Regimes am Sonntag zum Tode verurteilt.
Drei weitere Mitangeklagte im Prozess um das Massaker an 148 schiitischen Dorfbewohnern in Dujail im Jahr 1982 erhielten Haftstraften. Die wichtigsten Verurteilten:
SADDAM HUSSEIN
Seit der Machtübernahme der panarabischen sozialistischen Baath-Partei 1968 war er der starke Mann im Irak und übernahm 1979 die Präsidentschaft von General Ahmed Hassan al-Bakr. Während des achtjährigen Kriegs (1980-88) gegen das Nachbarland Iran betrachteten ihn die USA als ihren Verbündeten. Seit dem irakischen Einmarsch in Kuwait 1990 wandelte sich ihr Verhältnis und sie wurden Feinde. US-geführte Truppen befreiten Kuwait, und der Irak wurde unter internationale Sanktionen gestellt. Nach dem Einmarsch britischer und US-Truppen im März 2003 hielt sich Saddam Hussein versteckt. Er wurde am 13. Dezember 2003 in der Nähe seiner Heimatstadt Tikrit im Norden des Landes gefasst. Das Gericht verurteilte ihn am Sonntag zum Tod durch den Strang.
BARZAN IBRAHIM AL-TIKRITI
Einer der drei jüngeren Halbbrüder Saddam Husseins. Er war der Chef des berüchtigten Geheimdienstes Mukhabarat und ein Berater des Präsidenten. Auf der US-Fahndungsliste stand er an 38. Stelle und wurde im April 2003 gefasst. Er ist angeklagt, Massenmord und Folter befohlen und persönlich Menschenrechtsverbrechen verübt zu haben, darunter die Zerstörung von Dörfern. US-Vertreter beschreiben ihn als Mitglied des "Schmutzigen Dutzend", einer Gruppe um Saddam. Auch ihn verurteilte das Gericht am Sonntag zum Tod durch Erhängen.
AWAD HAMED AL-BANDAR
Der ehemalige Vorsitzende des Revolutionsgerichts war angeklagt, Schauprozesse geführt zu haben, die häufig zu summarisch ausgesprochenen Todesurteilen führten. Bandar verhängte auch die Todesurteile gegen zahlreiche Schiiten aus dem Dorf Dujail, die von Saddams Schergen nach einem Anschlag auf den Autokonvoi des Präsidenten in dem Ort bei Bagdad im Juli 1982 verfolgt wurden. Er wurde ebenfalls zum Tode verurteilt.
TAHA YASSIN RAMADAN
Er gehörte zur Baath-Spitze und war seit 1991 Vizepräsident. Die Nummer 20 auf der 55 Namen umfassenden Fahndungsliste der USA wurde im August 2003 in der nordirakischen Stadt Mossul von kurdischen Untergrundkämpfern gefangen genommen. Das Sondertribunal verurteilte ihn am Sonntag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, 1991 einen schiitischen Aufstand im Süden des Landes brutal niedergeschlagen zu haben und 1988 für die Ermordung von tausenden Kurden im Norden verantwortlich gewesen zu sein. (APA/red)
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