Vor Papst-Besuch Schüsse in Istanbul:
"Soll sehen, was hier mit ihm passiert"
- Aufregung: Kein Treffen Benedikts mit Erdogan
In Istanbul hat ein Moslem mit Schüssen vor dem italienischen Konsulat gegen den bevorstehenden Türkei-Besuch von Papst Benedikt protestiert. "Ich habe getan, was jeder Moslem tun sollte", sagte der 26-jährige, der festgenommen wurde, nachdem er mehrfach in die Luft gefeuert hatte. "So Gott will, wird der Papst nicht in die Türkei kommen. Kommt er doch, wird er sehen, was hier mit ihm passiert", sagte er der Nachrichtenagentur DHA in einem Polizeiwagen sitzend.
Benedikt will Ende November in das von Moslems dominierte Land reisen, wo ihm aber auch Ablehnung entgegenschlägt. Vor allem nach einer Rede im September, bei der der Papst nach Meinung vieler Moslems den Propheten Mohammed verunglimpft hatte, sind Forderungen nach einem Verzicht auf den Besuch laut geworden. In dieses Bild passt die jüngste Entscheidung des türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan, sich bei dem Besuch nicht mit Benedikt zu treffen. Als Grund dafür wurde ein voller Terminkalender genannt.
Bei den Schüssen des 26-jährigen Ibrahim Ak vor dem Konsulat wurde niemand verletzt. Ein Sprecher der italienischen Botschaft in Ankara erklärte, ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes habe den Mann "etwas über seine moslemische Identität" sagen hören. Seine Waffe warf der Mann dem Sender CNN Türk zufolge vor seiner Festnahme auf das Konsulats-Gelände. Ein Sprecher des Vatikans erklärte, es handle sich wohl um einen Einzelfall, der nichts an den Vorbereitungen für die Papstreise ändern werde.
Benedikt will vom 28. November bis 1. Dezember in die Türkei reisen. Dabei will er als Gast des türkischen Staatspräsidenten Ahmet Necdet Sezer Ankara Istanbul und die historische Stadt Ephesus besuchen.
Die Entscheidung Erdogans, sich nicht mit dem Papst zu treffen, sorgte bei italienischen Medien für Empörung. Dies sei eine Brüskierung und zeuge von schlechtem Benehmen, hieß es. Die Zeitung "La Stampa" schrieb, dies werfe einen weiteren Schatten auf die Papst-Reise. Vatikan-Experten zufolge ist es sehr selten, dass das Oberhaupt der Katholischen Kirche ein Land besucht, ohne den Regierungschef zu treffen.
Erdogans Büro hatte erklärt, der Ministerpräsident nehme zunächst am NATO-Gipfel in Lettland teil. Auch danach sei der Terminkalender bereits voll. "Wenn es eine Möglichkeit für ein Treffen gegeben hätte, hätte der Ministerpräsident den Papst getroffen", sagte ein Regierungssprecher. Erdogan hatte zuletzt zu den Kritikern gehört, die sich mit den Entschuldigungen des Papstes zu der umstrittenen Vortrags-Passage nicht völlig zufrieden gezeigt hatten.
Benedikt hatte in einem Vortrag über Religion und Vernunft während seiner Deutschlandreise im September einen byzantinischen Kaiser aus dem 14. Jahrhundert mit den Worten zitiert, der moslemische Religionsstifter Mohammed habe nur Schlechtes gebracht und seinen Glauben mit dem Schwert verbreiten wollen. Die Rede hatte in mehreren moslemischen Ländern zu gewaltsamen Protesten geführt. Benedikt hat sein Bedauern darüber zum Ausdruck gebracht, sich aber nicht eindeutig entschuldigt. Dies hatten viele Moslems aber verlangt.
Anfang Oktober hatte der Vatikan den Vortrag mit Fußnoten ins Internet gestellt. Darin schrieb der Papst, der umstrittene Satz drücke nicht seine eigene Haltung zum Koran aus. Das Zitat sei in der moslemischen Welt aber als Ausdruck seiner Position aufgefasst worden, was "begreiflicherweise Empörung hervorgerufen" habe. (apa/red)
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