Donnerstag, 2. November 2006

Bei Großmanöver: Iran testet für nukleare Sprengköpfe geeignete Mittelstreckenrakete

  • TV: Geschosse könnten Israel und Südeuropa treffen
  • Westliche Experten zweifeln an Angaben zu Reichweite

Ungeachtet internationaler Kritik an seinem Atomprogramm hat der Iran ein groß angelegtes Militärmanöver gestartet und dabei mehrere für Atomsprengköpfe geeignete Raketen abgefeuert. Wie der iranische Fernsehsender Al Alam berichtete, wurden aus der Wüste nahe der Stadt Kom mehrere ballistische Raketen vom Typ Shahab-3 mit einer Reichweite von rund 2000 Kilometern abgeschossen. Die mit Streumunition bestückten Raketen könnten demnach US-Stützpunkte in der Golfregion, Israel und Ziele in Südeuropa erreichen. Das Manöver ist der Auftakt einer Serie von Übungen der iranischen Armee in den kommenden zehn Tagen in 14 Landesprovinzen.

Nach Informationen von Al Alam feuerte die Armee Dutzende Raketen ab, darunter neben den Shahab-3 auch die 500 Kilometer weit reichende Shahab-2 sowie Raketen vom Typ Scud-B, Fateh-110, Selsal und Solfahar. Die Shahab-Typen sind mit Streumunition bestückt und explodieren vor der Berührung mit dem Boden; dabei streuen sie in einem weiten Umkreis "Mini-Bomben mit großer Zerstörungskraft", wie der TV-Sender weiter berichtete.

Es war das erste Mal, dass die Shahab-3 während eines Manövers zum Einsatz kam. Die Raketen können auch größere nukleare Sprengköpfe tragen. Westliche Experten schenken den iranischen Angaben zur Reichweite allerdings wenig Glauben und gehen von einer Reichweite von 1500 Kilometern aus.

Nach Einschätzung Moskaus verfügt Teheran nicht über die technischen Mittel, ballistische Interkontinentalraketen zu bauen. Der russische Generalstabschef Juri Balujewski sagte der Nachrichtenagentur ITAR-TASS, dem Iran mangle es am Know-how zum Bau von Raketen mit einer Reichweite von 5000 Kilometern. Auf jeden Fall beobachteten Moskaus Geheimdienste die Entwicklung im Iran, betonte er.

General Jahja Rahim Zafawi von den Revolutionsgarden im Iran sagte, das Manöver "Großer Prophet II" solle "Kraft und Willen" des Irans demonstrieren, sich gegen Bedrohungen zu verteidigen. Im Konflikt um das iranische Atomprogramm hat Washington den Einsatz militärischer Mittel gegen Teheran nicht ausgeschlossen. Vor allem die USA vermuten, dass Teheran an der Atombombe baut. Der Iran betont dagegen, sein Atomprogramm diene ausschließlich zivilen Zwecken. Wegen Teherans Weigerung, die Urananreicherung auszusetzen, bemühen sich die fünf Vetomächte im UN-Sicherheitsrat und Deutschland derzeit um die Verständigung auf einen Resolutionsentwurf mit Sanktionen gegen den Iran.

Parallel zu den iranischen Manövern halten die USA, Frankreich, Italien, Großbritannien und Australien ein gemeinsames Seemanöver im Persischen Golf ab. Ziel der Übung ist die Verhinderung der Weiterverbreitung von Atomwaffen. Einige der 14 Provinzen, in denen die iranische Armee übt, grenzen an den Golf. Die Stadt Kom liegt in einer Wüstenregion rund 120 Kilometer südlich von Teheran. (apa/red)

2.11.2006 17:22