Nicaraguas Präsidentenwahl endet ein- deutig: Ex-Revolutionsführer Ortega gewinnt
- Rivale Montealegre räumte seine Niederlage ein
- Castro und Chavez unter den ersten Gratulanten

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·Porträt: Ortega ist zurück an der Macht!
Ex-Sandinistenchef war schon 1979-90 Präsident
Der frühere Guerilla-Kommandant Daniel Ortega ist offiziell zum Sieger der Präsidentschaftswahl in Nicaragua erklärt worden. Auf Ortega entfielen 38,1 Prozent der Stimmen, wie die Wahlkommission nach Auszählung von 91,5 Prozent der Wahllokale mitteilte. Ortegas Gegenkandidat, der konservative Bankier Eduardo Montealegre, erkannte dessen Sieg an. Ortega versprach nach der Bekanntgabe der Ergebnisse eine "neue politische Kultur" und einen "konstruktiven Geist".
Der 60-Jährige kündigte zudem an, die Armut im zweitärmsten Land Lateinamerikas bekämpfen und das Vertrauen von Investoren gewinnen zu wollen. "Wir zeigen dem Land, dass die Lage stabil ist", so Ortega.
Der rechtsgerichtete Bankier Montealegre erhielt nach den zuletzt verfügbaren Auszählungsergebnissen 29 Prozent der Stimmen. Er erkannte den Sieg Ortegas an, fügte aber hinzu: "Er ist demokratisch gewählt worden und muss nun auch so regieren." Seinen Sieg in der ersten Wahlrunde verdankt der Sandinist Ortega vor allem der Spaltung der Rechten. Der ebenfalls konservative Kandidat Jose Rizo von der Liberalen Verfassungspartei erreichte 26,2 Prozent der Stimmen.
In seiner Siegesrede erklärte der ehemalige und zukünftige Staatschef Ortega, die "Bedingungen in unserem Land sprechen für eine neue politische Kultur, die uns zu einem neuen konstruktiven Geist ohne Feindschaft und Streit führen wird". An erste Stelle müssten nun "Nicaragua und die Armen" gesetzt werden. Zuvor hatte der unterlegene Kandidat Montealegre den Führer der Sandinistischen Befreiungsfront (FSLN) besucht. Diese Geste wertete Ortega als "deutliches Zeichen, dass wir als Nicaraguaner für das Wohl unseres Landes zusammenarbeiten müssen".
USA fürchten Partnerschaft mit Chavez
Die USA hatten in den 80er Jahren die Contra-Rebellen in dem mittelamerikanischen Land und damit den Kampf gegen die Sandisten unterstützt. Washington befürchtet, dass Ortega nach seinem Wahlsieg eine enge Partnerschaft mit dem linksgerichteten venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez eingehen könnte. Die Wahl des ehemaligen Rebellenführers wird nun als deutliche Schlappe für die Vereinigten Staaten gewertet, die im Wahlkampf offen für Montealegre eingetreten waren. Für den Fall eines Wahlsieges Ortegas hatten die USA mit wirtschaftlichen Sanktionen gedroht.
Inzwischen sind die Töne in Washington leiser geworden. US-Außenministerin Condoleezza Rice stellte nach Angaben von Ex-Präsident Jimmy Carter "respektvolle und unterstützende Zusammenarbeit" in Aussicht, wenn sich Ortega dementsprechend verhalte. "Ich denke, es gibt keine Zweifel, dass sich die Beziehungen zwischen den USA und Nicaragua verbessern werden", fügte Carter in einem Interview mit dem US-Nachrichtensender CNN hinzu.
Freude über den Erfolg Ortegas herrschte bei den linksgerichteten Präsidenten in Lateinamerika. Kubas Staatspräsident Fidel Castro gratulierte dem Sandinisten zu seinem "grandiosen Sieg". Venezuelas Präsident Chavez, der Nicaragua im Falle eines Wahlsieges Ortegas billiges Öl versprochen hatte, gratulierte ihm nun telefonisch und lud ihn ein, sich Venezuela beim "Aufbau der zukünftigen sozialistischen Bruderschaft des 21. Jahrhunderts" anzuschließen.
Die Wahl vom Sonntag war Ortegas dritter Anlauf zur Rückkehr in das Präsidentenamt seit dem Ausscheiden 1990: In zwei früheren Wahlen konnte der Sandinist die Bürger nicht davon überzeugen, dass mit dem Kalten Krieg auch seine revolutionäre Vergangenheit abgeschlossen ist.
(apa/red)
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