Donnerstag, 2. November 2006

November beginnt mit Turbulenzen: Herbst- sturm in Deutschland bringt ersten Schnee

  • Mehrere Schiffe geraten in Nordsee in Seenot
  • Norwegen: Ölplattform treibt auf offener See

Sturm über Norddeutschland, Hochwasser in Hamburg und Schnee in den Mittelgebirgen: Der November hat in Deutschland mit heftigen Wetter-Turbulenzen begonnen. In der Nordsee gerieten Schiffe in Not. Vor der norwegischen Küste trieb eine Bohrplattform mit 75 Menschen im aufgewühlten Meer.

Insgesamt hat der erste schwere Herbststurm mit Windgeschwindigkeiten bis 144 Kilometern pro Stunde aber deutlich geringere Schäden angerichtet als zunächst befürchtet. Der Wasserstand im Hamburger Hafen blieb mit 2,58 Metern über dem mittleren Hochwasser unter den Erwartungen. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) gab eine Sturmflutwarnung für die Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns heraus.

Im Hamburger Hafen hat sich ein Containerschiff losgerissen. Es konnte mit Hilfe eines Schleppers aber wieder gesichert werden, wie die Feuerwehr berichtete. Niedrig gelegene Teile des Fischmarktes in Hamburg-Altona wurden überflutet.

Fähren in Niedersachsen stellten ihren Betrieb ein. Im Landkreis Friesland fiel die Schule aus. Im Harz fiel am Morgen der erste Schnee. "Es sind bereits drei Zentimeter", sagte ein Polizeisprecher.

Die schwere Sturmflut hat an der niedersächsischen Nordseeküste zu den höchsten jemals gemessenen Wasserständen geführt. In der Emsmündung registrierte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) 3,90 Meter über Mittlerem Tidehochwasser am Emssperrwerk bei Gandersum und 3,60 Meter bei Emden.

Auf Borkum stieg das Hochwasser 2,70 Meter höher als im Durchschnitt und erreichte damit exakt die Pegelmarke der großen Sturmflut von 1962. Für den Ort Bensersiel bedeuten die gemessenen 2,91 Meter über der durchschnittlichen Flut den dritthöchsten Wasserstand nach 1906 und 1962. "Damit zählt die abgelaufene Sturmflut zu den schwersten der letzten 100 Jahre an der niedersächsischen Nordseeküste", sagte NLWKN-Pressesprecher Achim Stolz in Norden.

Vor der norwegischen Küste riss sich in der Nacht eine Bohrplattform mit 75 Menschen an Bord von mehreren Schleppern los. Es bestehe keine Gefahr für die Besatzung, teilte die Rettungszentrale bei Stavanger mit. In Südschweden fiel die Stromversorgung für 55.000 Haushalte aus. Im Bezirk Norrland verbrachten tausend Passagiere im Schnee stecken gebliebener Züge die Nacht in ihren Abteilen.

In Dänemark wurde die 20 Kilometer lange Brücke über den Großen Belt für Autos gesperrt. Die wichtigste dänische Verkehrsverbindung zwischen dem Festland und der Hauptstadt Kopenhagen konnte auch von Zügen nur auf einer Spur genutzt werden. (apa/red)

2.11.2006 07:40