Dienstag, 24. Oktober 2006

Gustostückerln aus Omas Kuchlkredenz

Kochbuchboom. Nach Jamie Oliver & Co feiern nun auch Kulinarklassiker wie die gute alte Prato ein Comeback.

"Ja, das ist Wollust am Schmecken!", sagte Dreisternekoch Dieter Müller, und seine beiden Kollegen Jean-Claude Bourgueil und Hans Haas nickten verklärt. „Es ist nicht nur Wollust am Schmecken, sondern auch Wollust am Erzählen“, mischte sich der Dichter Robert Menasse ein. Ungefähr so muss die Jurysitzung des Deutschen Instituts für Koch- und Lebenskunst abgelaufen sein – und schon war das Urteil ausformuliert und „Das große Wörterbuch der Kochkunst“ zum „Kochbuch des Jahres 2006“ gewählt worden.

Das ist insofern erstaunlich, als sein Autor weder Jamie Oliver noch Tim Mälzer und nicht einmal Alain Ducasse heißt, sondern Alexandre Dumas, seines Zeichens Schöpfer der Abenteuerschmöker „Die drei Musketiere“ und „Der Graf von Monte Christo“. Noch erstaunlicher ist freilich die Tatsache, dass das 1868 erstmals erschienene und heute weithin unbekannte Werk auf annähernd 500 Seiten über kein einziges Rezeptfoto verfügt. Stattdessen scheint in Zeiten von Designerküche und Food-Styling heimelige Küchennostalgie aus der „guten alten Zeit“ wieder mehr denn je gefragt zu sein.

Fledermäuse vom Mandelbaum. Der Wiener Verleger Michael Baiculescu, der 2002 mit seiner dreibändigen Dumas-Ausgabe einen völlig unerwarteten Kochbuch-Seller gelandet hatte und soeben eine – um etliche Illustrationen und Stiche erweiterte – einbändige Ausgabe auf den Markt brachte, ist mit seiner Mandelbaum-Edition mittlerweile so etwas wie ein Zentrum bibliophiler Großmutter-Kochbuchliteratur geworden.

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24.10.2006 17:14