Dienstag, 24. Oktober 2006

Tickende Bomben

  • Die Bomben sind gefährlicher als je zuvor. 15.000 scharfe Bomben lagern unter Österreichs Städten.

Schicksal: Wer eine Bombe im Garten hat, zahlt ein Vermögen.

Viel kann Carmen Kronberger nicht erkennen, als sie in den Schacht hinunterblickt, nur schmutziges, vom Zement grau gefärbtes Wasser. „Dort unten liegt meine Altersversorgung“, sagt die 59-jährige Salzburgerin betroffen, „alles, womit ich meinen Lebensabend finanzieren wollte.“

Dort unten, in etwa sechs Meter Tiefe, ist nicht etwa ein wertvoller Schatz verborgen. Vielmehr lagern auf Kronbergers 744 Quadratmeter großem Grundstück mitten im Salzburger Stadtteil Schallmoos 130 Kilo Sprengstoff, die nie explodierten. Eine amerikanische Fliegerbombe, abgeworfen vor mehr als sechzig Jahren, als der Luftkrieg über der damaligen Ostmark tobte. Es ist eine von 400.000 Bomben, die die Alliierten während des Zweiten Weltkriegs auf das Land niedergehen ließen.

Leben auf der Bombe. Militärhistoriker schätzen, dass es sich bei 15 Prozent der tödlichen Last um Blindgänger handelte. Von diesen 55.000 Stück wurden geschätzte 40.000 während des Kriegs oder unmittelbar danach geborgen – immerhin 15.000 Bomben „schlummern“ aber nach wie vor in Österreichs Böden und sind heute gefährlicher als je zuvor.

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24.10.2006 16:59