FORMAT: Das schwere Erbe des Generals! Stoss-Abgang: Machtvakuum bei Generali
- Bis Ende November soll Nachfolge geklärt werden
- Alles über die Hauptakteure im Nachfolge-Karussell

Seit dem angekündigten Abgang von Karl Stoss herrscht bei der Generali Versicherung ein Machtvakuum. Bis Ende November soll die Nachfolgefrage geklärt sein.
Ich hatte mich eigentlich auf eine ruhige Pension gefreut", seufzt Dietrich Karner. "Aber in einer besonderen Lage wie dieser ist der Aufsichtsratspräsident natürlich gefordert." Tatsächlich ist die Situation, die dem ehemaligen Generaldirektor und heutigen Chefaufseher der Generali Österreich den Ruhestand verdirbt, außergewöhnlich: Denn Österreichs drittgrößter Versicherer steht seit kurzem de facto ohne Chef da. Karl Stoss, erst vor rund eineinhalb Jahren von Karner höchstselbst zu dessen Nachfolger auserkoren, nimmt überraschend den Hut, um neuer Generaldirektor der Casinos Austria zu werden. Karner, merklich enttäuscht: "Stoss hätte als Star in die Geschichte der Generali eingehen können. So aber hat die Zeit kaum ausgereicht, um sich zu profilieren."
Zahlreiche ungelöste Probleme
Der plötzliche Abgang von Karl Stoss bedeutet aber mehr als nur einen Makel in den Firmenannalen. Der scheidende General hinterlässt eine ganze Reihe ungelöster Probleme: Die strategische Ausrichtung des Unternehmens ist, besonders in Hinblick auf die Osteuropa-Aktivitäten, unklar. Die Österreicher werden von der Zentrale in Italien zunehmend in ihren Entscheidungskompetenzen beschnitten. Dazu kommen die anhaltenden und wenig imageförderlichen Proteste der Belegschaft gegen angekündigte Sparmaßnahmen.
Eine Situation also, die vom Generali-Management Maßnahmen verlangen würde - Maßnahmen, die derzeit niemand treffen kann. Denn obwohl Stoss bis zur Installation seines Nachfolgers formal im Amt bleibt, hat er in diesen letzten Wochen nur mehr begrenzte faktische Befehlsgewalt. Gleichzeitig ist der neue starke Mann noch nicht in Sicht. Die Folge: Bei der Generali herrscht ein Machtvakuum, wichtige Entscheidungen werden nicht getroffen. Zentralbetriebsratschef Jürgen Köppl über die aktuelle Situation: "Ein scheidender Vorstandschef kann keine Zusagen machen, die in die Zukunft gerichtet sind. Wir haben derzeit kein echtes handlungsfähiges Gegenüber bei den Verhandlungen."
Viele Gründe also, um zu der "raschen Lösung" zu kommen, die sich Aufsichtsratschef Karner im FORMAT-Gespräch wünscht. "Wir hoffen, bereits nach der nächsten regulären Aufsichtsratssitzung Ende November den neuen Chef präsentieren zu können", so Karner.
Freilich: Auch wenn es formal der Wiener Aufsichtsrat sein mag, der die Entscheidung über die Stoss-Nachfolge trifft, die wahren Königsmacher sitzen doch Hunderte Kilometer entfernt in Triest. Konzernboss Antoine Bernheim soll dabei durchaus mit der Idee liebäugeln, einen von politischen Farbenspielen unbelasteten Italiener ins künftig wohl wieder großkoalitionär geprägte Österreich zu entsenden - wenigstens für die nächsten zwei Jahre. Der neue Italo-Manager könnte in dieser Zeit, so Bernheims Kalkül, den begonnenen Sparkurs leichter durchsetzen und die Unternehmensstruktur profitabler gestalten. Zudem würde sich Bernheim damit auch den direkten Zugriff auf die Ostgeschäfte der Generali sichern.
Ein Szenario, das Dietrich Karner verhindern will, wie aus Unternehmenskreisen zu hören ist. Er wünscht sich einen Nachfolger aus Stoss' engstem Wiener Umfeld und argumentiert das in Italien mit der Notwendigkeit von "Kontinuität". Karner, erklärter Liebling der Italiener, dürfte sich durchsetzen - auch wenn sein Standing durch den verfrühten Abgang des ebenfalls von ihm nominierten Karl Stoss aus Sicht von Bernheim und Co ein wenig gelitten haben dürfte.
Lassen sich die Italiener tatsächlich überzeugen, aus dem runden Dutzend Kandidaten wieder einen Österreicher zum König der Generali-Löwen zu machen, hat Burkhard Gantenbein mit Abstand die besten Chancen. Der 43-Jährige, derzeit im Vorstand für Lebens-, Kranken- und Unfallversicherungen zuständig, wäre zudem ein Signal für einen Generationswechsel an der Unternehmensspitze.
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