Dienstag, 24. Oktober 2006

Verschwörung, Betrug und Insider-Handel:
Ex-Enron-Chef Skilling fasst 24 Jahre Haft aus

  • In 19 von 29 Anklagepunkten für schuldig befunden

Für seine Rolle in der Skandal-Pleite des US-Energiekonzerns Enron ist der frühere Firmenchef Jeffrey Skilling zu mehr als 24 Jahren Haft verurteilt worden. "Verbrechen dieser Größenordnung verdienen eine harte Strafe", sagte Richter Sim Lake bei der Verkündung des Strafmaßes in Houston. Insgesamt muss Skilling für 292 Monate ins Gefängnis. Er hatte zuvor noch einmal seine Unschuld beteuert.

Bei dem Richterspruch ging es nur noch um die Festlegung des Strafmaßes. Bereits im Mai hatte eine Geschworenenjury den Ex-Unternehmer des Betrugs, des Insiderhandels und der Verschwörung in 19 Fällen schuldig gesprochen. Das Gericht hätte dafür eine Haftstrafe von maximal 185 Jahren verhängen können.

Der Enron-Bankrott Ende 2001 war der bis dahin größte Konkurs in der Geschichte der USA. Erst kurz vor dem Zusammenbruch des Energieriesen war ans Licht gekommen, dass das Unternehmen Schulden in Höhe von schätzungsweise 40 Milliarden Dollar (31,9 Mrd Euro) verschleiert hatte. Durch die Pleite verloren tausende Beschäftigte ihren Job und viele zudem ihre in Firmenaktien angelegte Altersversorgung. Hinzu kamen Schäden für Börsenanleger in Milliardenhöhe. Der 53-jährige Skilling beteuerte, dass ihm die Folgen des Konkurses sehr leid täten.

Bereits im Mai war das Geschworenengremium in Houston zu dem Schluss gekommen, dass sich Skilling selbst bereichert und nach außen hin den Schuldenberg des Unternehmens verborgen hatte. Der gemeinsam mit Skilling verurteilte Ko-Firmenchef Kenneth Lay starb wenige Wochen nach dem Urteilsspruch vom Mai. Lay und Skilling hatten in dem Prozess ihre Unschuld beteuert und den früheren Finanzchef Andrew Fastow als Hauptschuldigen hingestellt.

Fastow wurde im September zu sechs Jahren Haft verurteilt. Er hatte mit ausgeklügelten Bilanzmanipulationen wesentlichen Anteil daran, dass der Energieriese Enron seine marode Finanzlage bis kurz vor dem Konkurs verschleiern konnte. Als Kronzeuge in dem Prozess um die Tricksereien trug er auch zu Skillings Verurteilung bei.

Der Schuldspruch gegen den verstorbenen Lay war in der vergangenen Woche posthum aufgehoben worden. Ein Bundesrichter in Houston begründete seine Entscheidung damit, dass Lay nicht mehr die Gelegenheit zu einer Berufung gehabt habe und vor seinem Tod auch noch kein Strafmaß verkündet worden sei. Die Aufhebung hat Folgen für Lays Erben: Sie bedeutet, dass aus dem Vermögen des Enron-Gründers nicht dutzende Millionen Dollar abgezogen werden müssen, die dieser laut dem Urteil vom Ende Mai unrechtmäßig erworben hatte.

Nach der Mega-Pleite wurde der Name Enron in den USA zum Inbegriff für Missmanagement von Unternehmen und skrupellose Bereicherung von Firmenchefs. Der Skandal war einer der Auslöser für strengere gesetzliche Bestimmungen zur Firmenaufsicht in den USA. Ein seit zwei Jahren gültiges Gesetz, der so genannte Sarbanes Oxley Act, sieht unter anderem eine persönliche Verantwortung von Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsräten für Firmenbilanzen vor.
(apa/red)

24.10.2006 08:08