Samstag, 28. Oktober 2006

Neuerliche Milde im Calcio-Skandal: Italien zieht Schluss-Strich unter Fußball-Affäre

  • Weniger Punkteabzug für Juve, Lazio und Fiorentina
    Klubs sind mit neuer Punktereduktion zufrieden
  • AC Milan bleibt auf seinen acht Minuspunkten sitzen

Mit Milde hat das Nationale Olympische Komitee Italiens (CONI) die Strafen gegen Juventus Turin, Lazio Rom und den AC Fiorentina abgeschwächt. Damit zog das CONI-Schiedsgericht einen Schlussstrich unter den größten Fußball-Skandal in der Geschichte des Landes. "Ich hoffe, dass damit alles erledigt ist", sagte der Kommissarische Präsident des italienischen Fußballverbands (FIGC), Luca Pancalli. Die Klubs äußerten sich weitgehend zufrieden und werden nicht mehr vor das Verwaltungsgericht ziehen.

Dem zum Zwangsabstieg in die Serie B verurteilten Rekordmeister "Juve" wurden acht Strafpunkte erlassen. Damit erscheint der direkte Wiederaufstieg in die erste Liga so gut wie sicher, der finanzielle Verlust für die Turiner hielte sich in Grenzen. Vom drittletzten Platz der Serie B klettert Juventus durch den Strafnachlass mit nun zehn Punkten auf Platz zwölf. Damit trennen den Traditionsverein nur noch vier Punkte von einem Aufstiegsplatz.

Aufarbeitung bei Juve
"Unser Einsatz und unsere Opferbereitschaft sind zumindest teilweise gewürdigt worden. Das Urteil ist für uns in Ordnung", sagte Juve-Präsident Giovanni Cobolli Gigli. Tatsächlich hatte Juve mehr als andere Klubs aktiv an der Aufarbeitung der jahrelangen Liga-und Schiedsrichter-Manipulationen durch seinen Ex-Manager Luciano Moggi und Ex-Geschäftsführer Antonio Giraudo mitgearbeitet.

Durch die Entfernung der Drahtzieher der Manipulationen aus dem Klub und einer völligen Neuordnung des Vorstands hatte Juve tief greifende Konsequenzen aus dem Skandal gezogen, während die Verurteilten in anderen Vereinen weiter in Amt und Würden sind. "Juve hat viel zu viel zahlen müssen", meinte deshalb Fiat-Präsident Luca di Montezemolo. Wie Fiat ist auch Juventus zum Großteil im Besitz der Agnelli-Familie.

"Hätten freigesprochen werden müssen"
Ebenso wie Juve erhielt auch Lazio Rom acht Strafpunkte erlassen und klettert damit in der Serie A vom drittletzten auf den 13. Platz. "Wir haben keinerlei Normen verletzt. Eigentlich hätten wir freigesprochen werden müssen, aber jetzt kommt die Wahrheit wenigstens langsam ans Licht und das ist okay für uns", bekräftigte Lazio-Präsident Claudio Lotito.

Fiorentina will neuerliche Reduktion der Strafpunkte
Der AC Fiorentina überlegt gegen die Entscheidung des Nationalen Olympischen Komitees, die Strafe nach dem Korruptionsskandal von 19 auf 15 Minuspunkte zu reduzieren, noch einmal Einspruch zu erheben. "Es ist noch nicht beendet. Am Montag werden ich und mein Bruder Diego über die Angelegenheit sprechen", sagte Präsident Andrea Della Valle am Samstag. Die Brüder führen die Geschicke des Klubs aus der Toskana.

Andrea Della Valle beklagte vor allem, dass die Reduzierung ihrer Strafe im Gegensatz zu den anderen in den Fall involvierten Klubs eher gering ausfiel. "Wir werden für den Klub und die Stadt kämpfen", versicherte der Präsident. Fiorentina bleibt nun aber nur mehr der Gang zum Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne (CAS).

Keine weitere Milde für Milan
Der schon vom Fußballverbandsgericht nur milde bestrafte AC Milan bekam keine weitere Strafreduktion. "Ein Kommentar zum Urteil erübrigt sich", meinte Milan Vize-Präsident Adriano Galliani. Die Mailänder hatten ohnehin nicht mehr mit einer Strafreduktion rechnen können und als einziger Klub schon die Urteile des Sportgerichts widerspruchslos akzeptiert.

(apa/red)

28.10.2006 22:40