Montag, 23. Oktober 2006

Nebenwirkungen der Sturm-Insolvenz: 45 Dienstnehmer von Konkursantrag betroffen

  • Verbindlichkeiten laut Schätzung rund 8,6 Mio. Euro
  • Höhe der Finanzamtsschulden hingegen noch strittig

Von der Insolvenz des T-Mobile Fußball-Bundesligisten SK Puntigamer Sturm Graz sind 45 Dienstnehmer betroffen, davon 27 Spieler, 13 Angestellte und fünf Arbeiter. Die Verbindlichkeiten dürften sich nach vorläufiger Schätzung des Alpenländischen Kreditorenverbandes (AKV) und des Kreditschutzverbandes von 1870 (KSV) auf rund 8,6 Mio. Euro belaufen, worin laut AKV Verbindlichkeiten bei der Finanz von 3,2 Mio. Euro aufgenommen wurden. Der Antrag auf Eröffnung des Konkursverfahrens wurde vom Sturm-Anwalt Muhri eingebracht.

Gleichzeitig mit dem Konkursantrag wurde von Muhri ein 20-prozentiger Zwangsausgleich beantragt. Der 1909 gegründete Verein bestand zuletzt aus 1.875 Mitgliedern, wovon 562 stimmberechtigt sein dürften, so die Kreditschützer. Kopf des Vereins ist ein Vorstand mit acht Mitgliedern, dessen Präsident seit 1992 Hannes Kartnig (54) ist.

Über die Höhe der Verbindlichkeiten besteht seit Monaten Unklarheit. Dem vom Verein vorgelegten Vermögensstatus zu Folge sind auf der Passiva-Seite Bankverbindlichkeiten von 1,018 Mio. Euro, bei der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse (GKK) 137.111 Euro, bei Lieferanten 630.573 Euro. Dazu kommen sonstige Forderungen - darunter vom Magistrat Graz - von 2,402 Mio. Euro, wovon laut AKV und KSV allerdings 1,194 Mio. Euro noch nicht verrechnet seien.

Ein eigenes Kapitel sind die Forderungen der Finanz an Sturm, wegen denen ja die Finanzprokuratur schließlich den Konkursantrag gegen den Verein einbrachte. Hier sind 1,246 Mio. Euro unstrittig, d.h. sowohl vom Verein als auch der Finanz anerkannt. Rund 3,2 Mio. Euro seien laut AKV als "strittige Finanzamtverbindlichkeiten vorläufig" aufgenommen worden, wobei der Klub selbst diese Verbindlichkeiten bestreitet. Die Summe der Passiva beläuft sich - inklusive der strittigen 3,2 Mio. Euro - auf 8,635 Mio. Euro.

Die 3,2 Mio. Euro seien jedoch vorläufig vom Verein selbst in den Status aufgenommen worden, da im Falle einer Anmeldung der Forderung des Finanzamtes im Konkursverfahren und im Falle einer Berufung des Masseverwalters die Forderung vorerst dennoch sicherzustellen wäre, so der AKV.

An Aktiva hat Sturm Liegenschaften (Gebäude auf fremden Grund) im Wert von 723.856 Euro, Geschäftseinrichtungen im Wert von 46.914 Euro, Fahrzeuge im Wert von 98.762 Euro, nicht abgerechnete Leistungen von 159.500 Euro sowie einbringlich-zedierte Außenstände von 890.185 Euro vorzuweisen.

Dazu kommen noch Beteiligungen von 49.495 Euro, Wertpapiere (allerdings bereits verpfändet) in Höhe von 238.718 Euro sowie sonstige Forderungen - verpfändete Lebensversicherungen, Depotzahlungen - von 922.436 und Bankguthaben von 297.379 Euro. Dies ergebe AKV und KSV zu Folge eine Summe von 3,427 Mio. Euro und somit eine Überschuldung von 5,207 Mio. Euro.

Einige Forderungen sind noch immer strittig
Die seit Monaten bekannte prekäre wirtschaftliche Situation beim SK Sturm habe sich bereits in Punkteabzügen im Rahmen der Lizenzvergabe gezeigt. Das finanzielle Lage habe laut AKV und KSV auch den Konkursantrag des Ex-Spielers David Mujiri zur Folge gehabt, der durch eine Zahlung noch abgewehrt wurde.

In weiterer Folge war Sturm dann mit der Bezahlung öffentlicher Abgaben in Verzug geraten, so dass die Finanzprokuratur Wien - als Vertreter des Finanzamtes Graz - wegen offener Rückstände von rund 1,2 Mio. Euro die Konkurseröffnung beantragte.

Bei den strittigen Finanzamts-Verbindlichkeiten in der Höhe von rund 3,2 Mio. Euro dreht es sich um die Frage, ob und in welchem Umfang Sachleistungen an die Spieler steuerpflichtig seien, wobei es sich in erster Linie um finanzierte Lebensversicherungen im Zuge eines "Versicherungsmodells" handeln dürfte, so die Kreditschützer.

Bei den sonstigen Verbindlichkeiten dürfte es sich um eine Verrechnungsforderung in der Höhe von rund 650.000 Euro gegenüber einer GmbH handeln, an welche das Marketing ausgegliedert wurde. Zudem sollen Rückstellungen in der Höhe von rund 1,2 Mio. Euro auf der Passivseite zu berücksichtigen sein.

Im Hinblick auf die offenen Fragen im Bereich der Lohnsteuer werde es zudem auch strittig sein, in welcher Höhe Kommunalsteuern gegenüber dem Magistrat Graz anfallen. Der Vermögensstatus sei daher noch mit zahlreichen Unsicherheitsfaktoren belastet. Bei den Dienstnehmern und Spielern soll es hingegen keine Rückstände geben.

Bei den Außenständen handelt es sich in erster Linie um offene Forderungen gegenüber Sponsoren, welche an die Hausbank abgetreten sein sollen. Dies sei erst im Mai 2006 erfolgt, so dass diese Zession anfechtbar sein dürfte, was auch Zahlungen an den früheren Spieler Mujiri betreffe.

(apa/red)

23.10.2006 11:19