"I did it my way": Schumachers Abschied überstrahlte auch Alonsos Weltmeistertitel
- Doch kein "achtes Weltwunder" für Deutschen Champ
- Massa feiert ersten Heimsieg in Interlagos seit Senna
·Fernando Alonso ist erneut Weltmeister!
Massa holt Brasilien-GP. Schumi mit tollem Kampf.
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"Schumi cum Laude"
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Fernando Alonso ist der jüngste Formel-1-Doppelweltmeister der Geschichte. Doch die neuerliche Krönung des 25-jährigen Spaniers wurde in Brasilien klar von der grandiosen Abschiedsgala Michael Schumachers überstrahlt. Die weltmeisterliche Aufholjagd des siebenfachen Weltmeisters aus Deutschland riss die internationalen Medien am Tag danach zu Begeisterungsstürmen hin.
Schumacher selbst gab nach dem grandiosen Schlussakt, der ihn beim 250. und letzten GP-Auftritt auf der Rennstrecke vom letzten noch auf den vierten Platz gebracht hatte und der in Deutschland zur Spitzenzeit von fast 15 Mio. Menschen im TV (RTL) verfolgt wurde, auch auf der anschließenden Party noch einmal Vollgas. Bei reichlich Caipirinha feierte die Ferrari-Familie und der Schumacher-Clan an einem geheim gehaltenen Ort bis tief in die Nacht.
Kein "achtes Weltwunder" für "Schumi"
Zwar hat der 37-Jährige seine Karriere doch nicht mit dem "Achten Weltwunder" gekrönt, doch gewann er zum Abschluss Respekt, Bewunderung und Anerkennung zurück. "Michael Schumacher steht in einer Reihe mit den anderen ganz Großen des deutschen Sports", würdigte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Superstar. "Michael Schumacher hat seine Sportart, so glaube ich, durch einen Hauch Genialität bereichert." Franz Beckenbauer bedauerte in der "Bild": "Unser größter Fahrer aller Zeiten hätte noch ein paar Jährchen vorne weg brausen können."
Schumacher selbst schloss seine Grand-Prix-Ära mit ein bisschen Wehmut, aber ohne Tränen ab. "Ich bin jetzt nicht traurig, sonst hätte ich diese Entscheidung nicht getroffen", versicherte der Rekordchampion. Er wirkte fast schon erleichtert: "Es gibt keinen Formel-1-Fahrer Michael Schumacher mehr."
Mit seinem vierten Platz nach Reifenplatzer und furioser Aufholjagd hatte Schumacher noch einmal seine Ausnahmekönnen bewiesen. Die Presse im Ferrari-Land Italien schwang nach dem letzten Arbeitstag ihres "Michele" zwischen Abschiedsschmerz und Begeisterung. "Schumi verabschiedet sich wie ein König. Der Roboter, der uns nicht gefiel, hat es geschafft, uns mitzureißen", schrieb "La Repubblica. Der französische "Le Figaro" verabschiedete Schumacher auf Deutsch: "Auf Wiedersehen, Schumi...".
Schumacher selbst haderte mit dem großen Pech an seinem letzten GP-Wochenende nicht. Ohne die defekte Benzinpumpe im Qualifying und den nach einem Überholmanöver schon in der 9. Rennrunde ruinierten Reifen hätte der wie besessen fahrende Ferrari-Star seinen Ausstand mit dem 92. GP-Sieg krönen können. "Wir hatten ein Wahnsinns-Auto. Vom Speed her hätten wir heute sicher alle überrunden können", schwärmte er von seinem F1 248.
Massa feiert ersten Heimsieg in Interlagos seit Senna
Statt Schumacher durfte Teamkollege Felipe Massa den ersten Heimsieg eines Brasilianers seit Ayrton Senna 1993 bejubeln. Statt Ferrari feierte Renault erneut den Gewinn der Konstrukteurs-WM. Und Alonso reichte Platz zwei zum erneuten Gewinn der Fahrer-WM, was in Spanien auch die Rekordzahl von 9 Mio. Menschen vor die TV-Schirme trieb. Sogar der Liga-Fußball wurde in Spanien wegen Alonso verschoben, anschließend gratulierte König Juan Carlos per Telefon. El Mundo schrieb am Montag: "Alonso tritt das Erbe des besten Formel-1-Fahrers aller Zeiten an."
Dem ab 2007 für McLaren-Mercedes fahrenden Spanier gehört - vielleicht - die Zukunft. Was bleibt, ist die einmalige und beeindruckende Schumacher-Bilanz von sieben WM-Titeln, 91 Grand-Prix-Siegen, 74 schnellsten Rennrunden, 68 Pole-Positionen, 1.369 Punkten, 13 Saisonsiegen und dem schnellsten Titelgewinn nach 11 von 17 Läufen, um nur die bedeutendsten Bestmarken aufzulisten.
Ob diese Rekorde Schumachers je gebrochen werden, erscheint unwahrscheinlich. Alonso traut sich dies trotz seiner erst 25 Jahre jedenfalls nicht zu. "Ich glaube nicht, dass ich sieben Mal Weltmeister werden kann, weil ich nicht so lange in der Formel 1 bleiben will", sagte der Spanier, der erst seine fünfte Saison bestritt.
Schumacher formulierte am Ende nochmals seine Gründe für den Rückzug. "Es kann nur mein Ziel sein, auf diesem Niveau zu fahren, nicht auf einem anderen, und diese Kraft sehe ich nicht mehr. Ich stelle das in Frage, daher ist es besser, man hört auf, wenn man das Gefühl hat, dass es nicht mehr so gut werden könnte." Auf die Frage, ob er etwas in seiner Karriere bedauere, verwies Schumacher auf Frank Sinatras Welthit "I did it my way": "So habe ich es auch gemacht." Er sei auch seinen Weg gegangen.
(apa/red)
