Samstag, 28. Oktober 2006

Nach blutigen Auseinandersetzungen:
Sri Lanka-Friedensverhandlungen in Genf

  • Rebellen und Regierung sitzen an einem Tisch
  • Ein Toter und sechs Verletzte bei Anschlägen

Die Regierung Sri Lankas und die tamilischen Rebellen sind erstmals seit acht Monaten wieder zu Friedensverhandlungen zusammengekommen. Zum Auftakt der zweitägigen Gespräche in Genf betonte der norwegische Vermittler Erik Solheim, es sei an der Zeit, Fortschritte zu erzielen, da sowohl der srilankischen Bevölkerung als auch der internationalen Gemeinschaft langsam die Geduld ausgehe. Bei neuen Anschlägen vor Ort waren kurz zuvor ein Soldat erschossen und sechs Polizisten verwundet worden.

"Das Ziel dieser Gespräche ist, Wege zu finden, die Gewalt zu reduzieren und sie dann zu stoppen", sagte Solheim. Der norwegische Minister für internationale Entwicklung, appellierte an beide Seiten, sich intensiv um eine Einigung zu bemühen. Andernfalls könnte sich das Interesse der Weltgemeinschaft auf andere Krisenregionen verlagern. Sri Lanka könnte dann völlig isoliert dastehen.

Die Positionen sind aber so weit auseinander, dass sich die beiden Seiten nicht einmal auf eine Tagesordnung verständigen konnten. Die Tamilen-Rebellen haben kurz zuvor mit dem Abbruch jeglicher Verhandlungen gedroht, sollte die Regierung am Wochenende in Genf nicht die Öffnung der wichtigsten Schnellstraße in eine von Tamilen dominierte Region zusichern. Viele Beobachter hielten es vor diesem Hintergrund für einen Erfolg, wenn sich die Parteien am Ende des zweitägigen Treffens auf weitere Gespräche einigen könnten.

An einem Kontrollpunkt der Streitkräfte in Batticaloa im Osten Sri Lankas wurde ein Soldat von mutmaßlichen Aufständischen erschossen. Die Angreifer seien geflohen, teilte das Verteidigungsministerium mit. Zuvor waren bereits zwei Bombenanschläge verübt worden, bei denen sechs Polizisten verwundet wurden. Drei Verletzte gab es beim Angriff auf eine Eliteeinheit der Sicherheitskräfte im Bezirk Batticaloa. Im weiter nördlich gelegenen Bezirk Vavuniya traf ein Sprengsatz eine Polizeipatrouille, wobei drei weitere Beamte Verletzungen erlitten.

Bei den Gesprächen in Genf sollte es darum gehen, den faktisch zusammengebrochenen Waffenstillstand von 2002 zu retten. Die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) kämpfen seit 1972 für einen eigenen tamilischen Staat im Norden und Osten der Insel Ceylon, wo die Tamilen die Mehrheitsbevölkerung stellen. Sie argumentieren, die Mehrheit der Singhalesen diskriminiere die Tamilen. In dem Konflikt wurden bisher etwa 65.000 Menschen getötet. Heuer hat die Gewalt schon rund 2.000 Menschen das Leben gekostet. Seit dem Sommer kommt es beinahe täglich zu Kämpfen. (apa/red)

28.10.2006 14:22