Donnerstag, 26. Oktober 2006

Schröder wäre gerne Kanzler geblieben: Ex-Staatsmann stellt seine Memoiren vor

  • Deutscher präsentiert seine Erinnerungen in Berlin
  • Buch ist bereits im deutschen Handel erhältlich

Der frühere deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder wäre "gerne nicht für allzu lange Zeit" noch Regierungschef geblieben. Das sagte er bei der offiziellen Vorstellung seiner Memoiren in Berlin. Schröder war vor einem Jahr ausgeschieden, nachdem es nach der vorgezogenen Bundestagswahl zu einer großen Koalition von Union und SPD gekommen war. Da die Unionsfraktion aus CDU und CSU stärker als die SPD war, hatte sie Anspruch auf das Regierungsamt und setzte nach längeren Verhandlungen die CDU-Vorsitzende Angela Merkel als Kanzlerin durch.

Schröder sagte, ohne den Willen, das Kanzleramt anzustreben, wäre es ihm nicht möglich gewesen, so wie im letzten Jahr einen Wahlkampf zu führen. Angesichts des Rückstandes der SPD zu Beginn des Wahlkampfs frage er sich, wer der eigentliche Gewinner gewesen sei. Der frühere SPD-Kanzler wollte sich bei der Präsentation seines Buches nicht äußern, ob seine Nachfolgerin Merkel ihre Lehrzeit als Kanzlerin beendet habe.

Schröders Erinnerungen sind unter dem Titel "Entscheidungen" in einer ersten Auflage von 160.000 Exemplaren erscheinen. Schröder hat bestritten, Kenntnis von umstrittenen Aktivitäten des US-Geheimdienstes CIA im Zuge des Anti-Terror-Kampfes gehabt zu haben. Die Praktiken, über die gegenwärtig berichtet werde, "kenne ich nicht oder kannte ich nicht", sagte Schröder. Der SPD-Politiker kündigte an, sich zu dem Themenkomplex auch künftig nicht weiter äußern zu wollen. Er verlasse sich auf die Aufklärung durch die dazu eingesetzten Untersuchungsausschüsse des deutschen Bundestags.

Während der Amtszeit der von Schröder geführten rot-grünen Regierung hat der US-Geheimdienst Geheimgefängnisse für Terrorverdächtige unterhalten, von denen einige auch in Europa gelegen sein sollen. Zudem sollen zahlreiche heimliche Gefangenentransporte auch über Deutschland stattgefunden haben.

Erst vor wenigen Wochen waren nach US-Angaben alle in Geheimgefängnissen ohne formelle Anklage und der Möglichkeit zur Verteidigung untergebrachten Verdächtigen in das US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba gebracht worden. Auch mit der Verschleppung des Deutsch-Libanesen Khaled al-Masri durch die CIA befasst sich ein Untersuchungsausschuss. Der damaligen rot-grünen Regierung wird vorgeworfen, frühzeitig von der Verschleppung erfahren zu haben und nicht auf die Freilassung gedrängt zu haben. (apa/red)

26.10.2006 17:42