Dienstag, 24. Oktober 2006

'Würde nur Hardliner bestärken': IAEO-Chef
warnt vor Sanktionen vs. Iran & Nordkorea

  • ElBaradei: Müssen mit diesen Ländern endlich reden!
  • Aber: Iran wolle Urananreicherung beschleunigen

Der Chef der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO/IAEA), Mohammed ElBaradei, hat vor Sanktionen gegen den Iran und Nordkorea gewarnt. Sie könnten die Vertreter einer harten Linie in beiden Ländern stärken, sagte ElBaradei in einer Rede an der Georgetown-Universität in Washington.

Er sei noch nicht überzeugt, dass der Iran Atomwaffen entwickle, und er glaube, dass eine Vereinbarung mit Nordkorea über dessen Atomprogramm möglich sei. ElBaradei war in der US-Hauptstadt auch mit US-Außenministerin Condoleezza Rice zusammengetroffen.

"Wenn man einmal mit dem Verhängen von Strafen anfängt, bringt es die Vertreter einer harten Linie ans Ruder", sagte ElBaradei. Er äußerte zudem generelle Zweifel, dass Sanktionen funktionieren. Wenn dieses Instrument aber in die Hand genommen werde, dann "muss dies maßvoll getan werden, um eine Verhaltensänderung zu bewirken".

Zugleich müsse es mit dem Bemühen verbunden werden, die beiden Staaten in einen Dialog einzubinden. "In allen diesen Angelegenheiten ist ein Dialog unverzichtbar", sagte ElBaradei.

Nordkoreas Atomtest als "Hilferuf"
Den von Nordkorea verkündeten Atomtest charakterisierte ElBaradei als Hilferuf, weil Nordkorea keine substanziellen Sicherheitsgarantien von den USA erhalten habe. Die Internationale Gemeinschaft müsse alte Herangehensweisen hinter sich lassen und müsse herausfinden "wie wir die Herzen und das Denken" jener Länder verändern können, die darauf erpicht sind, die sensitive Atomtechnik zu entwickeln.

Zum Iran sagte ElBaradei, es sei noch kein klares Urteil gefällt, ob der Iran Atomwaffen entwickle. Außerdem habe der Fall Libyen gezeigt, dass ein Land solche Ambitionen auch aufgeben könne. Es gebe beim Iran noch Zeit und Möglichkeiten für Verhandlungen.

IAEO-Direktor: Iran will Urananreicherung beschleunigen
Der Iran testet nach Angaben der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO/IAEA) technische Ausrüstung zur Beschleunigung seiner Urananreicherung. Seit Februar, als Teheran einen Durchbruch bei der Urananreicherung feierte, habe der Iran nur mit einer so genannten Kaskade von 164 Zentrifugen gearbeitet, berichtet die "New York Times".

Das Blatt zitiert IAEO-Direktor Mohamed ElBaradei mit den Worten: "Nach unseren jüngsten Inspektionen ist die zweite Zentrifugen-Kaskade fertig und einsatzbereit." Noch sei kein Uran in das neue System geleitet worden, doch dies könnte bereits in der nächsten Woche geschehen. Allerdings würde es dem Zeitungsbericht zufolge auch mit zwei Kaskaden Jahre dauern, bis der Iran genug angereichertes Uran für eine Atombombe hätte.

(apa/red)

24.10.2006 08:20