Probebohrungen in der Lobau gestoppt: Umweltschützer gegen Nordost-Umfahrung
- Zwei Bohrmaschinen blockiert, dritte abgezogen
- Dilemma für Asfinag: Aktivisten im Gefahrenbereich
·Stichwort: Wiener
Nordost-Umfahrung
Schnellstraße unter Lobau
& Donau kostet 1,6 Mrd

Die Autobahngesellschaft Asfinag hat den Versuch unternommen, in der Lobau mit den Probebohrungen für die Wiener Nordost-Umfahrung zu beginnen. Der überraschend angesetzte Baubeginn wurde jedoch von Umweltschützern noch vor dem Einsatz der Bohrköpfe blockiert. Die Aktivisten campieren seit 1. November in einem nahe liegenden Zeltlager, um die Arbeiten im Nationalpark zu verhindern. Die Asfinag kündigte an, das Gespräch mit den Demonstranten zu suchen.
Die drei Bohrmaschinen der Asfinag waren gegen 7.30 Uhr an drei verschiedenen Stellen in die Lobau eingefahren, wo sie von den Umweltaktivisten bemerkt wurden. Bei den beiden südlichen Bohrpunkten in der Nähe des Ölhafens Lobau konnten die Aktivisten zwar nicht das Aufstellen der auf Lkws montierten Bohrer verhindern, blockierten jedoch den Arbeitsbeginn. Da sie sich im Gefahrenbereich um die Maschinen aufhielten, konnte der Bohrer nicht mit seinem Einsatz beginnen.
Bei der dritten Maschine, die von Norden in die Lobau einzufahren versuchte, gelang es den postierten Wächtern der Umweltschützer, den Lastwagen an der Einfahrt in den Nationalpark zu hindern. Als "Zeichen des guten Willens" zog sich der Lkw hier für kurze Zeit zurück, so Asfinag-Projektleiter Christian Honeger. Dabei zeigte er sich bemüht, keinen Zweifel an der Entschlossenheit seines Unternehmens aufkommen zu lassen: "Unser Anliegen ist, dass wir heute wirklich mit den Arbeiten beginnen können."
Dies wollten die Umweltaktivisten nach Möglichkeit verhindern. Man werde sich im legalen Rahmen bewegen und sich nicht an die Maschinen ketten, unterstrich Andreas Pruner von der Bürgerinitiative "Rettet die Lobau" gegenüber der APA. Heinz Högelsberger von "Global 2000" betonte, dass es vielmehr darum gehe, durchgängig Wache bei den Maschinen zu stehen.
Asfinag sucht Gespräch
Die Asfinag kündigte deshalb an, am Nachmittag das Gespräch mit den Aktivisten zu suchen. "Ich appelliere an die Vernunft aller", so Asfinag-Direktor Mathias Reichold. Diese stellten allerdings bereits im Vorfeld klar, dass sie nicht umzustimmen seien - gelte es doch, den Bau der Autobahn zu verhindern, so Höglsberger.
Grüner fordert gewaltfreien Widerstand
Auch der Umweltsprecher der Wiener Grünen, Rüdiger Maresch, rief Sympathisanten auf, sich am gewaltfreien Widerstand im Nationalpark zu beteiligen: "Es ist wichtig, jetzt in die Lobau zu kommen."
SPÖ, ÖVP & FPÖ für Straßenbau
Die übrigen Rathausparteien sprachen sich hingegen einhellig für den Bau der Nordost-Umfahrung in der geplanten Form aus. Die SPÖ betonte, dass alle Umweltauflagen eingehalten würden, während die ÖVP Bürgermeister Michael Häupl zu vermittelnden Gesprächen aufrief, damit die Bauarbeiten zügig wieder aufgenommen werden könnten. Die FPÖ erregte sich über die "15 Camper", die 150.000 Menschen mit ihrer Aktion in Geiselhaft nehmen würden.
Insgesamt will die Asfinag für das Projekt Nordost-Umfahrung 18 Bohrungen im Nationalparkgebiet vornehmen, um den Untergrund zu erkunden. Die eigentlichen Bauarbeiten für das Projekt sollen ab 2009 in Angriff genommen werden - wobei bis 2015 rund 8,5 Kilometer als Tunnel unter der Donau und der Lobau errichtet werden sollen. (apa/red)
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