Donnerstag, 26. Oktober 2006

Nationalfeiertag als Publikumshit: Tausende
bei Heeresschau und Tag der Offenen Tür

  • Österreichs Politiker bekennen sich zur Neutralität
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Die Republik rief zum Feiern auf und das Volk folgte. Allein am Wiener Heldenplatz hatten am Nationalfeiertag schon zu Mittag über eine halbe Million Menschen die traditionelle Leistungsschau des Bundesheeres besucht. Tausende Neugierige stürmten auch das Parlament und den Rathausplatz. Etwas getrübt wurde der Feiertag nicht nur vom anfänglichen Nebel, es schwebte auch der Eurofighter-Streit in der Luft.

Die Feierlichkeiten begannen am frühen Vormittag mit Kranzniederlegungen durch Bundespräsident Heinz Fischer und die Bundesregierung in der Krypta am Burgtor. Danach kam die Regierung zu einem Sonderministerrat im Kanzleramt zusammen, bei dem Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) indirekt auch die Eurofighter ansprach. Er erklärte, dass die Regierung die Pflicht habe, "unser Land zu Land und in der Luft zu verteidigen".

Schüssel mahnt Nachfolger
Von seinem Nachfolger forderte Schüssel Verantwortungsbewusstsein ein: "Wer auch immer in Zukunft an diesem Ministerratstisch Platz nehmen wird", müsse die Gesamtinteressen "den Einzelinteressen mancher Gruppen" immer voranstellen. Der Kanzler zeigte sich gleichzeitig überzeugt, der nächsten Regierung "ein gutes Land" zu hinterlassen. Österreich sei es "noch nie so gut gegangen wie heute", so Schüssel.

Platter plädiert für Luftraumsicherung
Zur Verteidigung der Abfangjäger rückte dann auch Verteidigungsminister Günther Platter (V) bei der Angelobung von 900 Soldaten am Heldenplatz aus. Die Luftraumsicherung sei "nicht das Hobby eines Verteidigungsministers", sondern seine Pflicht. "Sie können sich zu hundert Prozent auf das Bundesheer verlassen, aber auch das Bundesheer muss sich auf Sie verlassen können", so der Ressortchef in Richtung SPÖ, die gemeinsam mit den Grünen und der FPÖ einen Untersuchungsausschuss in Sachen Eurofighter-Beschaffung beantragen will.

Gusenbauer wirbt für Große Koalition
SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer, der ebenfalls an der Angelobung teilnahm, warb wiederum für die Große Koalition. SPÖ und ÖVP sollten möglichst bald zu einem gemeinsamen Regierungsprogramm kommen, "das für Österreich gut ist, weil es das Beste aus unseren jeweiligen Vorschlägen und Konzepten enthält", so Gusenbauer.

Zu Wort meldeten sich auch die anderen Parteien. Während Grünen-Chef Alexander Van der Bellen für "Weltoffenheit und Solidarität gegenüber Flüchtlingen" appellierte, plädierte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache nach den "aufreibenden schwarz-orangen Chaosjahren" für Stabilität - und für eine rot-schwarze Regierung. BZÖ-Chef Peter Westenthaler nutzte den Nationalfeiertag, um noch einmal die Arbeit der scheidenden Regierung zu loben. Friedlich ging es unter den Politikern beim "Konzert für Österreich" in der Staatsoper zu.

Hunderttausende am Heldenplatz & im Parlament
Das Volk ließ sich von den politischen Zwistigkeiten den Feiertag nicht verderben. Hunderttausende strömten zum Heldenplatz, um dort die Panzer und Hubschrauber des Bundesheeres zu bestaunen. Zu sehen bekamen sich u.a. ein Modell des Zankapfels Eurofighter. Regen Zulaufs erfreuen konnten sich auch der scheidende Nationalratspräsident Andreas Khol (V) und seine Nachfolgerin Barbara Prammer (S). Bis Mittag besuchten mehr als 6.200 Neugierige aus dem In- und Ausland das Hohe Haus am Ring und das Palais Epstein. Die Hilfs- und Einsatzorganisationen am Rathaus und am Heldenplatz zählten zu Mittag rund 650.000 Besucher. Auch in den Bundesländern wurde der Nationalfeiertag mit diversen Festakten begangen.

(APA/red)

26.10.2006 19:47