Mittwoch, 18. Oktober 2006

Geheimakte Starmania

Exklusiv. Der geheime Starmania-Vertrag im O-Ton: Wie viel der ORF wirklich abcasht, womit die Kandidaten abgespeist werden, unter welchem Druck sie stehen. Inszenierte Heiterkeit: Im Vordergrund läuft die große TV-Party. Doch im Hintergrund laufen dicke Geschäfte.

Das hochbrisante Konvolut umfasst 14 dicht bedruckte Seiten, ist fein säuberlich in 15 Hauptpunkte gegliedert und wird von den ORF-Granden ausschließlich in fest versperrbaren Schubladen gebunkert. Es trägt den unscheinbaren Titel „Vereinbarung“. Doch renommierte Juristen, denen NEWS das Geheimpapier vorlegte, sind weit weniger zurückhaltend: „Es handelt sich um einen Knebelvertrag, der teilweise sogar sittenwidrig ist.“

Diesen Freitag geht die dritte Staffel des öffentlich-rechtlichen Karaoke-Contests „Starmania“ in die vierte Runde. Exakt drei Tage davor wurde NEWS jenes mythenumrankte Vertragswerk zugespielt, das sämtliche 18 Kandidaten vor dem Start unterschreiben mussten.

Es regelt penibel, wie viel der Staatsfunk an jedem seiner potenziellen Popstars (in den O-Tönen aus dem Vertrag „Vertragspartner“ genannt) kassiert. Es dokumentiert, welch drakonische Strafen drohen, falls es eines der Nachwuchstalente wagen sollte, sich vom ORF (genauer der im Vertrag auftretenden Tochterfirma ORF-Enterprise) loszusagen. Und es verdeutlicht, unter welch enormem Druck die pubertierenden Hauptabendunterhalter trotz zur Schau geträllerter Leichtigkeit tat-sächlich stehen.

Wie viel kassiert der ORF wirklich? „Der Vertragspartner verpflichtet sich, innerhalb der gesamten Vertragslaufzeit von allen seinen Leistungen künstlerischer oder schauspielerischer Natur, beinhaltend auch Talkshows, Interviews, Präsentationen, Gesangsdarbietungen und Werbeaktivitäten jeglicher Art, eine Provision von 30 Prozent an die ORF-Enterprise (…) zu entrichten“, heißt es wortwörtlich im Starmania-Kontrakt.

Dazu Topanwalt Farid Rifaat: „Das ist viel zu viel, ein normaler Manager nimmt 15 bis 20 Prozent, bringt dafür aber entscheidend mehr Leistungen als der ORF.“

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18.10.2006 17:20