Mittwoch, 18. Oktober 2006

‚Wolfgang, es hat sich ausgetrickst‘

Interview. Der wortgewaltige ehemalige VP-General Michael Graff fordert als erste einflussreiche VP-Stimme den sofortigen Rücktritt von Wolfgang Schüssel.

Zwanzig Jahre ist es her, dass Michael Graff, legendärerer ÖVP-Generalsekretär an der Seite von Parteichef Alois Mock, 1986 die da-
mals ab 1970 andauernde 16-jährige politische Diaspora der Volkspartei beendete. Er führte die Partei bis auf drei Mandate an die SPÖ heran. Alois Mock wurde Vizekanzler in der großen Koalition des Kabinetts Vranitzky II, die Schwarzen regierten endlich wieder mit.

Nach der desaströsen Wahlniederlage des 1. Oktober ist Graff – „ich will nix mehr werden, darum traue ich mich auch zu reden“ – der erste ÖVP-Altgrande, der den sofortigen Politik-Rückzug Schüssels fordert. Mit star-
ken Worten: Es müsse ein Ende haben mit dessen Tricksereien, mit dessen Koalitions-Spielchen, schlicht: Man müsse Wolfgang Schüssel „jetzt in den Arm fallen“.

NEWS: Was sagen Sie zur aktuellen ÖVP-Strategie in den Koalitionsverhandlungen mit der SPÖ? Schüssel & Co scheint eine künftige Regierungs-Juniorrolle überhaupt nicht zu schmecken.
Graff: Die SPÖ wird nicht ernsthaft als Partner behandelt, vielmehr wird derzeit ein ganz komisches Spiel aufgeführt. Wolfgang Schüssel ist nicht gegangen, obwohl er der größte Wahlverlierer seit Menschengedenken ist.
NEWS: Sie kennen Kanzler Schüssel gut. Warum, meinen Sie, dass er nicht die Rücktritts-Konsequenz zog?
Graff: Er glaubt, weil ihm einmal 2000 dieser tolle Coup gelungen ist, aus der dritten Position heraus mit den Blauen eine Regierung zu bilden, dass das jetzt auch gehen wird, irgendwie. Etwa durch eine Drei-Parteien-Koalition oder durch eine herbeigeführte Neuwahl, weil er jetzt im Parlament viele Gruppen hat, mit denen man sich einmal ad hoc für ein Misstrauensvotum gegen die Regierung treffen kann.
NEWS: Nur deshalb?
Graff: Dr. Schüssel hätte schon vom Ehrenstandpunkt aus sofort zurücktreten müssen. Außerdem sollte er schauen, dass eine ordentliche Hofübergabe in der ÖVP stattfindet.

Das komplette Interview lesen Sie im neuen NEWS

18.10.2006 17:35