Samstag, 21. Oktober 2006

NEWS über BAWAG-Poker mit Gelb-Joker: Sorgt die Post bei Verkauf für Überraschung?

  • Fahrplan: Bank soll in acht Wochen verkauft sein
  • KLICKEN: Alle Favoriten im Kampf um die BAWAG

Finale für BAWAG - Der geheime Fahrplan: Die Bank soll in acht Wochen verkauft sein. Wer die Favoriten sind, was die Bieter im Datenraum fanden und der mögliche Post-Überraschungscoup.

Der Countdown zum größten Deal am heimischen Bankensektor ist unwiderruflich eingeleitet. Die knapp 6.300 Mitarbeiter der viertgrößten Bankengruppe des Landes müssen sich damit auf eine Filetierung ihres Konzerns einstellen. "Dass jeder Anbieter die Bank filetiert, steht nach dem ersten Blick in die Datenräume fest", so ein am Bieterverfahren teilnehmender Interessent zu NEWS. Nachsatz: "Die Frage ist nur, wie stark die BAWAG zerlegt wird."

Post will kaufen
Als Jolly Joker im Poker um die BAWAG hat sich Post-Chef Anton Wais positioniert. Er will sich an der BAWAG P.S.K., die der Post durch den Kooperationsvertrag immerhin rund 100 Millionen Euro im Jahr einbringt, beteiligen und führt hinter den Kulissen bereits Investoren-Gespräche, wie NEWS aus Bieterkreisen erfahren hat. Offiziell signalisiert die Post Interesse an der BAWAG, dementiert aber konkrete Bietergespräche.

Überraschungscoup von Raiffeisen
Diese strategische Beteiligung der Post an der BAWAG könnte weit höher ausfallen als die zu erwartenden zehn bis 15 Prozent. Und zwar dann, wenn Raiffeisen den Zuschlag bekommt. Bislang wurden RZB-Boss Walter Rothensteiner nur Außenseiterchancen im Rennen um die BAWAG eingeräumt, weil die kartellrechtliche Hürde für die filialstarken Raiffeisenbanken hoch ist. Mit dem Partner Post, der dann die starke Zweitmarke P.S.K. besetzt, könnte Rothensteiner jedoch den Überraschungscoup schaffen.

Kooperation mit Credit Agricole?
Experten halten als zweite Option für Rothensteiner auch eine Kooperation mit der Credit Agricole für möglich. Die weltweit viertgrößte Geschäftsbank gilt als französische Raiffeisen. Im Bieterverfahren wird die Credit Agricole, die derzeit europaweit auf Akquisitionstour ist, von der Investmentbank JPMorgan beraten und hat gute Chancen.

Favoriten im Bawag-Poker:

* Das Konsortium aus dem finanzstarken US-Fonds Cerberus, der Generali Versicherung und der Wüstenrot-Bausparkasse hat sich als "freundlicher österreichischer Bieter" positioniert. Wüstenrot-Chefin Susanne Riess-Passer mit ihrer politischen Erfahrung gilt dabei als kluge Taktikerin. Beraten wird das Konsortium von Experten der Lehman Brothers.

* Die deutsche Allianz-Versicherung, in Österreich mit ihrer wohl erfolgreichsten Auslandstochter Nummer vier am Versicherungsmarkt, war bisher Versicherungspartner der Bawag. Mit Banken hat die Allianz reichlich Erfahrung. Die Sanierung der Allianz-Tochter Dresdner Bank gilt in Deutschland allerdings als "blutiges Kapitel". Im BAWAG-Poker soll die Allianz Rückendeckung auch höchster ÖVP-Kreise haben.

* Für die kapitalstarke US-Beteiligungsgesellschaft Lone Star ist das BAWAG-Szenario kein Neuland: Der Fonds kaufte im vergangenen Dezember die schwer defizitäre Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden vom deutschen Gewerkschaftsbund und bringt diese nun mit Filetierung auf Kurs. Im BAWAG-Verkaufsprozess berät die Citibank Lone Star.

* Als "Heuschrecke" gilt der US-Fonds JC Flowers, der auch die ungarische Großbank OTP als möglichen Partner im Gepäck haben soll. Die Investmentbank Bear Sterns berät JC Flowers beim BAWAG-Kauf.

Bis zur ersten Novemberwoche müssen nun verbindliche Angebote für die BAWAGerfolgen. Bis zu sechs Interessenten dürfen dann den "Red Data-Room", das Herz der Bank, betreten. Bis Dezember treten dann die Höchstbieter gegeneinander an.

Mehr zum bevorstehenden BAWAG-Verkauf lesen Sie im NEWS 42/2006!

21.10.2006 10:45