Mittwoch, 18. Oktober 2006

Von den Großen fiel nur Arsenal um: Überraschende Niederlage bei ZSKA Moskau

  • Coach Wenger übt heftige Kritik an Schiri Gonzalez
  • HSV weiter in Unform. Befreiungsschlag von Real

Mit Arsenal London hat sich in der Champions League nur ein "Großer" des europäischen Klub-Fußballs einen Umfaller erlaubt. Beim Finalisten der Vorsaison war der Schuldige für die 0:1-Niederlage bei ZSKA Moskau jedoch schnell gefunden. "Heute Abend wurde ein Tor aberkannt, nachdem sie (das Schiedsrichterteam, Anm.) Dinge gesehen haben, die nicht existierten", sparte Trainer Arsene Wenger nicht mit Kritik am Unparteiischen Manuel Mejuto Gonzalez.

Der spanische Referee hatte in der 86. Minute einen regulären Treffer von Thierry Henry zum 1:1 wegen angeblichen Handspiels nicht anerkannt. "Der Schiedsrichter war eine Schande. Das war niemals ein Handspiel", wetterte auch Henry. Auch die Bespielbarkeit des Rasens im Lokomotiv-Stadion stufte Wenger als unbespielbar ein. "Es ist nicht akzeptabel, in einem Champions-League-Spiel unter solchen Verhältnissen zu spielen", meinte der Franzose nach der ersten Arsenal-Niederlage nach sechs Pflichtspielsiegen.

Freude in Moskau
Eitel Wonne herrscht hingegen beim russischen Meister, der bisher mit "Minimalistenfußball" überzeugte. In drei Spielen erzielten die Moskauer zwar nur zwei Treffer, stehen mit sieben Zählern jedoch an der Spitze der Gruppe G. "Wir haben das Spiel kontrolliert", meinte der bisher unbezwungene Tormann Igor Akinfejew. "Nur am Ende haben sie etwas versucht, aber es war einfach, ihre Taktik mit weiten Bällen in den Strafraum zu erkennen."

HSV weiter in Unform
Im zweiten Gruppenspiel konservierte der HSV mit einem 1:4 beim FC Porto weiter seine Unform. Präsident Bernd Hoffmann kündigte jedoch auch nach der 14. sieglosen Partie und der höchsten internationalen Niederlage des HSV seit 26 Jahren an, weiter an Trainer Thomas Doll festzuhalten. "Doll ist ein Riesen-Trainertalent, das jetzt auch mit Rückschlägen fertig werden muss", stärkte Hoffmann seinem Coach den Rücken. "Es geht hier gar nicht um mich. Wenn ich das Gefühl habe, es läuft nicht mehr, sage ich 'Danke, das war's, ich hatte zwei schöne Jahre'. Aber der Punkt ist noch nicht gekommen", betonte Doll, der den Kopf nicht hängen lassen will.

Befreiungsschlag von Real
Wieder mit dem Achtelfinale spekulieren darf nach dem 4:1-Befreiungsschlag in Bukarest hingegen der neunfache Champion Real Madrid. "Das war das wahre Gesicht von Real", jubelte der oft gescholtene Präsident Ramon Calderon nach dem Schlusspfiff. "Das ist das Real, das wir sehen wollen. Jetzt zittert der FC Barcelona vor Real", schrieb am Mittwoch auch das Sportblatt "As". David Beckham - zu Beginn wieder nur auf der Bank - absolvierte mit seiner Einwechslung in der zweiten Spielhälfte seinen 100. CL-Einsatz. Die "Königlichen" behaupteten gegen einen unmittelbaren Konkurrenten um den Aufstieg in Gruppe F damit den zweiten Rang hinter dem weiter ungefährdeten Geheimfavoriten Olympique Lyon, der beim 3:0 in Kiew den dritten Sieg im dritten Spiel feierte.

Großes Lob für Neo-ManU-Kapitän Rooney
In Gruppe G wartet Manchester-United-Superstar Wayne Rooney zwar auch nach dem 3:0 gegen Kopenhagen auf seinen ersten CL-Saisontreffer, war aber nicht nur für Alex Ferguson der überragende Mann auf dem Platz. "Er ist wahrscheinlich der jüngste Spieler, der United als Kapitän aufs Feld geführt hat. Seine Form ist zurückgekehrt, er war einfach fantastisch", sparte der Manager nicht mit Lob für den 20-Jährigen, dem er nach dem Ausfall von Ryan Giggs erst kurz vor Spielbeginn die Kapitänsschleife übertragen hatte. Erster Verfolger von ManU, das nur noch einen Punkt zum Aufstieg benötigt, ist Celtic Glasgow, das Benfica Lissabon dank eines Doppelschlages von Kenny Miller 3:0 besiegte.

Milan auf Achtelfinal-Kurs
Der Brasilianer Kaka stieß für den AC Milan mit seinem 25-m-Kunstschuss zum 1:0-Endstand in Anderlecht die Tür ins Achtelfinale weit auf. "Wir waren sehr geduldig und diszipliniert. Wir haben unsere Arbeit erledigt, sind an der Tabellenspitze. Das ist, was zählt", war Trainer Carlo Ancelotti nach einer bescheidenen Leistung zufrieden. Erst nach dem Ausschluss von Bonera war Milan besser ins Spiel gekommen. "Als Milan nur noch zu Zehnt war, war Kaka ein Mann mehr", titelte die "Gazzetta dello Sport". Bei einem Kopfball von Anderlecht-Verteidiger Juhasz rettete die Mailänder die Latte vor dem ersten CL-Gegentreffer dieser Saison. Neuer Zweiter der Gruppe H ist Lille, das AEK Athen dank später Tore von Gygax und Makoun 3:1 bezwang.

(apa/red)

18.10.2006 14:42