Sonntag, 29. Oktober 2006

Zweite Amtszeit! Sozialist Parwanow wird Bulgarien als Präsident in die EU führen!

  • 49-jähriger Familienvater wurde erneut gewählt

Georgi Parwanow wurde von den Bulgaren im zweiten Wahlgang mit großer Mehrheit für eine zweite fünfjährige Amtszeit wiedergewählt. Der am Anfang seiner politischen Karriere in der Öffentlichkeit oftmals verhöhnte Ex-Kommunist bestach vor allem durch sein soziales Engagement und gewann so das Vertrauen der Menschen. Der Historiker und Sozialist Parwanow gilt als glaubwürdig und bescheiden, steht für Stabilität und europäische Kontinuität in Bulgarien und genießt - trotz seiner kommunistischen Vergangenheit - viel Sympathie bei den Bürgern.

War der Sieg von Parwanow gegen den damaligen Amtsinhaber Petar Stojanow bei der Präsidenten-Wahl im November 2001 noch überraschend, wäre seine Nicht-Wiederwahl diesmal eine Sensation gewesen.

Der 1957 in einem Dorf nahe Sofia geborene Parwanow versteht sich selbst als proeuropäischer Politiker und "Präsident aller Staatsbürger". Damit unterscheidet er sich von seinem Konkurrenten, dem Nationalisten Wolen Siderow, und hat auch die Unterstützung der türkischen Minderheit in Bulgarien gewonnen. Zu Beginn seiner Amtszeit vor fünf Jahren versprach er eine sozial orientierte Politik, Reformen, Bekämpfung der Korruption und der Organisierten Kriminalität, wirtschaftlichen Aufschwung sowie den EU- und NATO-Beitritt. Das meiste wurde realisiert. Bulgarien wurde 2004 in die NATO aufgenommen. Sein größtes Ziel, das Land 2007 in die EU zu führen, ist so gut wie erfüllt.

Im Vordergrund stand für den aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Parwanow Soziales - vor allem Bildung, Gesundheit, Bekämpfung der Armut und der sozialen und wirtschaftlichen Misere. Aus seinen "linken Überzeugungen" machte er nie ein Geheimnis. Mit nationalistischen oder Minderheiten diskriminierenden Parolen - wie dies auf der Tagesordnung vieler rechtsgerichteter und chauvinistisch orientierter Parteien in Bulgarien steht - fiel er nie auf.

Sehr wohl wurde aber diesen Sommer bekannt, dass Parwanow vor der "Wende" 1989 mit dem damaligen berüchtigten Geheimdienst kooperiert hat. Doch die Affäre um "Goze", wie Parwanow im Geheimdossier genannt wird, wurde zu keinem Skandal, obwohl das rechte Lager sofort den Rücktritt des Präsidenten forderte. Parwanow meisterte die Situation. Er gab zu, als Historiker ein vom Geheimdienst bestelltes Buch redigiert zu haben. Zwar habe er nicht gewusst, dass der Geheimdienst der eigentliche Auftraggeber des Buches war, aber er hätte den Auftrag auch dann erfüllt, wenn er dies gewusst hätte.

Sympathie erntet Parwanow nicht zuletzt wegen seiner Bescheidenheit. Das Staatsoberhaupt lebt in einer 61-Quadratmeter-Wohnung in Sofia. Seine Frau Sorka fährt einen VW Baujahr 1988. Und auch aus seinen Ersparnissen macht der Präsident kein Geheimnis: 17.000 Euro. (apa/red)

29.10.2006 19:17
pixel