Sonntag, 22. Oktober 2006

Überraschende Ansage: Villepin strebt nach
eigenen Angaben Chirac-Nachfolge nicht an

  • Premier: "Habe nie Appetit auf höheres Amt gehabt"
  • Neuerliche Kandidatur Chiracs nicht ausgeschlossen

Der französische Premierminister De Villepin strebt nach eigenen Angaben nicht danach, Nachfolger von Präsident Chirac zu werden. "Ich habe nie Appetit auf das höhere Amt gehabt", sagte Villepin. "Das ist nicht mein Ehrgeiz." Er schloss eine neuerliche Kandidatur seines Mentors Chirac bei der Wahl im kommenden Frühjahr nicht aus.

Villepin galt lange Zeit als Chiracs Favorit für seine Nachfolge bei der Wahl 2007. Nach einer Serie von Rückschlägen für seine Regierung liegt jedoch sein Rivale, der Innenminister Sarkozy, in der Gunst der Konservativen vorn. Chirac hat sich noch nicht zu seinen Plänen für die Wahl geäußert. Die erste Wahlrunde findet im April statt.

Die französischen Linksradikalen haben indessen auf einem Sonderparteitag in Paris beschlossen, bei der Präsidentenwahl auf einen eigenen Bewerber zu verzichten und den sozialistischen Kandidaten (PS) zu unterstützen. Die Delegierten der "Parti Radical de Gauche" (PRG) lehnten bei der Parteiversammlung die Kandidatur von Christiane Taubira ab, die bei der letzten Wahl im Jahr 2002 nur 2,3 Prozent der Stimmen erhalten hatte.

Für eine Wahlallianz mit den Sozialisten hatte sich PRG-Präsident Jean-Michel Baylet bereits am ersten Tag des Kongresses ausgesprochen. Baylet erinnerte insbesondere daran, dass die Spaltung der Linken im ersten Wahlgang von 2002 zum Ausscheiden des sozialistischen Kandidaten Jospin geführt hatte, was Amtsinhaber Chirac in der Stichwahl zu einem haushohen Sieg gegen den Rechtsextremisten Le Pen verhalf.

(apa)

22.10.2006 22:21