Verheerender Selbstmordanschlag auf Sri Lanka: 17 Tote in Touristenhochburg Galle
- Hauptsächlich Rebellen und Soldat unter Opfern
- Außenministerium warnt: "Hohes Sicherheitsrisiko!"
Erstmals seit fast zehn Jahren haben die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) wieder ein Ziel in einer srilankesischen Touristenhochburg angegriffen. Bei dem Selbstmordanschlag auf eine Marinebasis in Galle im touristischen Süden der Insel wurden ein Soldat und ein Zivilist getötet. Ein Marinesprecher sprach von insgesamt 17 Toten. Auch 15 LTTE-Kämpfer befänden sich unter ihnen, berichtete die Nachrichtenagentur dpa. 26 Menschen seien verletzt worden. Touristen kamen nicht zu Schaden. Nach dem Anschlag kam es zu Ausschreitungen in Galle. Die Gefahr ethnischer Gewalt unter den beiden Bevölkerungsgruppen der Singalesen und Tamilen wächst.
Der Marinesprecher sagte, fünf als Fischtrawler getarnte Boote der LTTE hätten am Mittwoch versucht, in den Hafen von Galle einzudringen. Drei Boote seien von der Marine versenkt worden, zwei seien im Hafen von Rebellen zur Explosion gebracht worden. Der LTTE-nahe Internetdienst Tamilnet meldete, es habe sich um 15 Angreifer auf den Booten gehandelt, 22 Soldaten seien verletzt worden. Aus zwei Booten heraus seien Angreifer an Land gegangen und hätten die Marinebasis mit Panzerfäusten beschossen. Es sei zu einem zweistündigen Feuergefecht gekommen. Bei Galle war zuletzt 1997 ein LTTE-Selbstmordanschlag auf den Marinekommandanten verübt worden. Es starb lediglich der Attentäter.
Nach dem Anschlag kam es zu Panik und Ausschreitungen in Galle. Tamilnet berichtete, singhalesische Aufrührer hätten Geschäfte tamilischer Händler angegriffen. Aus Sorge vor möglichen Übergriffen der singhalesischen Bevölkerungsmehrheit auf die tamilische Minderheit wurde in Galle ein Ausgangsverbot verhängt. Eltern nahmen ihre Kinder aus der Schule. Die Schnellstraße von der Hauptstadt Colombo in den Süden der Insel wurde gesperrt. Die Polizei versicherte, die Lage sei unter Kontrolle. Unmittelbar nach dem Anschlag flog die Luftwaffe Bombenangriffe auf LTTE-kontrolliertes Gebiet. Die LTTE teilte mit, bei dem Bombardement im Nordosten seien eine Frau getötet und zwei Menschen verletzt worden, darunter ein zehn Jahre altes Kind.
Die Marinebasis liegt am Stadtrand und nicht in der Nähe von Hotels. Galle ist ein beliebtes Reiseziel bei westlichen Ausländern. Der Hafen wird von einer Festung aus Kolonialzeiten geprägt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Die Stadt hat ihren Namen von den Portugiesen, die dort 1505 landeten. Bisher war der mehrheitlich singhalesische Süden des Landes von der im Norden seit Monaten eskalierenden Gewalt verschont geblieben.
Warnung vor Sicherheitsrisiko
Das Außenministerium in Wien warnte vor einem erhöhten Sicherheitsrisiko in Sri Lanka. Vor Reisen in den Norden und Osten des südasiatischen Inselstaats wird abgeraten. Eine Ausdehnung dieser Warnung auf den Süden erfolgt zunächst nicht, weil es sich bei dem Anschlag um ein militärisches Ziel gehandelt habe, wie ein Sprecher gegenüber der APA erklärte. Die Situation werde aber genau beobachtet. Reisenden wird dringend empfohlen, sich über die Sicherheitslage vor Ort genauestens zu informieren. Sie sollten sich von Menschenansammlungen und Militärinstallationen fern halten.
Österreicher, die sich im Süden Sri Lankas befinden, vernahmen die Explosion des Anschlags. Nicht nur Rauchschwaden seien am Himmel zu sehen, sondern auch Schüsse zu hören gewesen, teilte Andrea Winter vom Roten Kreuz (ÖRK) der APA mit. Die 34-Jährige berichtete von zahlreichen Check-Points, was "für den Süden ungewöhnlich" sei. Die gebürtige Grazerin hat eingehende Sri Lanka-Erfahrung, war sie doch nach dem Tsunami vom Dezember 2004 eineinhalb Jahre als ÖRK-Delegierte auf der Insel stationiert.
Eine Reise von Kurier Aid Austria (KAA) auf die Insel, die für diese Woche geplant war, wurde unterdessen abgesagt. Im Beisein von Großsponsoren hätten von KAA nach dem Tsunami errichtete Dörfer besucht bzw. ein vom Versicherungskonzern UNIQA finanziertes Dorf eröffnet werden. KAA-Präsident Peter Rabl erklärte, die Reise wäre "sinnlos" und auch "unverantwortlich".
Seit 1983 herrscht in Sri Lanka Bürgerkrieg. Die Rebellen kämpfen für die Autonomie des Nordostens von Sri Lanka. Etwa 65.000 Menschen wurden in dem Konflikt getötet. Für den 28. Oktober sind Friedensgespräche in Genf zwischen den Konfliktparteien geplant. Regierungssprecher Keheliya Rambukwella sagte am Mittwoch, die Regierung halte trotz des Anschlags an den Gesprächen fest. Beide Seiten hatten bereits Anfang 2002 einen Waffenstillstand vereinbart. Erst am Montag waren bei einem Selbstmordanschlag auf einen Buskonvoi der Marine mehr als 100 Menschen getötet worden.
(apa/red)
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