In einer "heilen" Welt! Der NEWS-Neonazi-Report: Rechtsextreme formieren sich neu!
- Generationenwechsel findet laut Experten jetzt statt
- PLUS: Ex-Kreisky-Sekretär Rehak im Interview!

·'Ich find halt bei den
Rechten Resonanz ...'
Kreisky-Sekretär Rehak im NEWS-Interview
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der blauen Radikalen
FPÖ für Rechtsextreme eine attraktive "Heimat"
Der Neonazi-Report. Österreichs Rechtsextreme sind dabei, sich völlig neu zu formieren. Alle zehn Jahre, so gilt die Faustregel, gibt es in der rechten Szene einen Generationenwechsel. Und der findet laut Experten jetzt statt.
"Extremisten aller Länder, vereinigt euch!" Und alle applaudieren. Die älteren Herren, die nahe dem Rednerpult sitzen, genauso wie der Mitte-zwanzig-Jährige, auf dessen schwarzem T-Shirt in altdeutscher Schrift "Odin statt Jesus" zu lesen ist.
Der "Vortragende": Ministerialrat Günter Rehak. Der Ort: das "Dr.-Fritz-Stüber-Heim" in Wien-Ottakring, Treffpunkt der rechten Szene - von Skinheads bis hin zum ideologietreuen Intellektuellen haben hier alle Platz. Nur Fremde werden nicht gerne gesehen. Wer nicht in das Schema passt, findet sich sehr schnell am Gehsteig vor dem Kellerlokal wieder.
"Wir sind ja unter uns", ist sich deshalb auch Günter Rehak sicher, erzählt ein paar Judenwitze und gibt seine politischen Thesen zum Besten.
In dem lang gezogenen Raum hängt an der Wand ein Aquarell mit dem Gesicht eines deutschen Wehrmachtssoldaten, darunter steht - in altdeutscher Schrift - "Ewig lebt". Gegenüber eine Fahne mit gekreuztem Hammer und Schwert: das Symbol für die "Schwarze Front", eine Gruppierung, die sich 1930 von der NSDAP abspaltete.
Licht spenden Deckenleuchter aus Holz, in die altgermanische Runen geschnitzt sind. Symbole, die von der Waffen-SS gerne verwendet wurden. Symbole, die einige der Zuhörer sogar auf ihre Arme tätowiert haben.
Auf den Tischen stehen Bierdosen, daneben liegen Ausgaben des "Wiener Beobachters", des Verkündungsorgans der AFP (Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik) und ihrer Jugendorganisation BFJ (Bund Freier Jugend).
"Schwert weitergeben"
Das "Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes" (DÖW) hat die rechte Szene unter Beobachtung und zeigt sich besorgt über deren Entwicklung. "Wir haben Hinweise auf eine zunehmende rassistische Militanz und Gewaltbereitschaft", fasst Heribert Schiedel, langjähriger Mitarbeiter des DÖW, zusammen. Es gehe nun nämlich wieder darum, "das Schwert oder, wie manche auch sagen, die Flamme weiterzugeben".
Mit dieser schwülstigen Metapher ist nichts anderes als ein Generationenwechsel gemeint. Und die jungen Rechtsradikalen sehen sich den alten gegenüber in einer Bringschuld. Sie wollen mit Taten überzeugen, die sie als würdig genug ausweisen, um im Kreis der etablierten Rechten aufgenommen zu werden. Und das DÖW berichtet auch von einer Abkapselung eines Teils der Szene, was auf eine bereits in Gründung begriffene Untergrundstruktur schließen lässt.
Tatsache ist jedenfalls, dass sich in Österreich seit 1998 eine "Blood and Honour"-Gruppierung, sozusagen die Elitegruppe der Skins, etabliert hat. Verbreitet ist diese vor allem im Westen Österreichs.
Tatsache ist auch, dass 2002 die "SS-Kampfgemeinschaft-Prinz-Eugen", eine Neonazi-Zelle, aufgeflogen ist. Just in demselben Jahr, als erstmals seit zehn Jahren Rechtsextreme in Wien wieder offen bei einer Demonstration skandierten. Alles Begebenheiten, welche die Theorie des DÖW hinsichtlich einer Etablierung von Untergrundstrukturen stützen würden.
"DÖW unglaublich naiv"
Günter Rehak, früher Sekretär bei Bruno Kreisky und linkes Enfant terrible der SPÖ, ist in den vergangenen Jahren zu einer intellektuellen Ikone der österreichischen Rechten mutiert. Und dann holt Rehak gleich zum Schlag gegen seinen Lieblingsgegner DÖW aus. "Wie sich der kleine Moritz oder Wolfgang Neugebauer (Ex-Leiter des DÖW, Anmerkung der Redaktion) einen Rechtsextremisten vorstellen, ist unglaublich naiv", erklärt Rehak, um sofort "aufzuklären": "Ein 'echter' Rechtsextremist geht weniger von symbolträchtigen Einzelheiten aus, sondern von konkreten Situationen. Zum Beispiel: Ausländerproblematik."
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