Muskelspiele bei Flugzeughersteller EADS:
Streik-Drohungen mitten in Airbus-Krise
- "Werden solidarisch die Folterkammern öffnen"
- Betriebsrat auf Konfrontationskurs mit Unternehmen
Rufe nach zeitweiser Staatsbeteiligung werden lauter
Inmitten der Krise beim Flugzeughersteller Airbus hat der Betriebsrat mit Streiks gedroht. "Sollte es auch nur in einem einzigen Werk zu einseitigen Einschnitten kommen, werden wir an allen deutschen Standorten solidarisch die Folterkammern öffnen, sprich: streiken", sagte Konzern-Betriebsratschef Rüdiger Lütjen dem Magazin "Focus".
Durch punktuelle Streiks in Schlüsselpositionen wären Arbeitsniederlegungen finanziell problemlos länger durchzuhalten. "Notfalls für Jahre", sagte Lütjen. Über Maßnahmen wie Arbeitszeitkonten oder dem Zurückholen von Aufträgen, die an Fremdfirmen vergeben wurden, wollten Betriebsräte und Arbeitgeber versuchen, alle Stellen an den sieben Standorten zu erhalten.
Die Airbus-Muttergesellschaft EADS befindet sich wegen der Lieferschwierigkeiten beim Superjumbo Airbus A380 in der schwersten Krise seit seiner Gründung. Dem Konzern drohen Milliarden-Ausfälle durch die verschobene Auslieferung des Flugzeugs. Diese sollen unter anderem durch Kostenreduzierungen kompensiert werden, etwa durch Personalabbau oder Standortschließungen, Den deutschen Anteil an EADS hält derzeit DaimlerChrysler.
Das Unternehmen hat 22,5 Prozent an dem Luftfahrtkonzern, will ihn aber auf 15 Prozent verringern. Die Bundesregierung will eine Verschiebung der Anteilsgewichte bei dem internationalen Konzern verhindern. Sie hat aber noch nicht entschieden, ob der Staat bislang von DaimlerChrysler gehaltenen EADS-Anteil kaufen würde.
Rufe nach zeitweiser Staatsbeteiligung werden lauter
In der Debatte um einen Einstieg des deutschen Staats beim Airbus-Mutterkonzern EADS werden Rufe nach einer zeitweisen Beteiligung des Bundes lauter. Der Co-Chef des krisengeplagten Luftfahrtkonzerns, Thomas Enders, lehnt einen Staatseinstieg aber ab: "Es gibt keinen Grund für einen Einstieg Deutschlands als Aktionär", sagte er der "Presse".
Die Hysterie um die Entwicklung des Unternehmens sei völlig fehl am Platz, meinte Enders. "Wir haben veritable Probleme, aber es ist weder ein deutsch-französischer Krieg ausgebrochen, noch stehen EADS oder Airbus vor der Pleite." Ungeachtet aller Warnungen auch aus der großen Koalition steht dem laut "Spiegel"-Bericht ein Einstieg der Bundesrepublik Deutschland bei EADS kurz bevor. "Der Deal soll in Kürze abgeschlossen sein", berichtete das Magazin. Offiziell bestätigt wurde das nicht.
"Bei der dominierenden Rolle der EADS in der Wehrtechnik muss deutscher Einfluss in diesem Unternehmen gesichert bleiben, notfalls durch ein vorübergehendes Engagement der öffentlichen Hand", sagte dagegen der deutsche Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt (CSU) der "Bild"-Zeitung. Der "Spiegel" berichtete, die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) solle 7,5 Prozent übernehmen, wovon das Land Hamburg einen Teil kaufen werde. Ein Sprecher von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte aber: "Es gibt noch keine Entscheidung".
Vorbehalte gegen ein Staatsengagement äußerte der deutsche Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Er will sich nach Angaben aus Regierungskreisen mit Vertretern von EADS-Großaktionär DaimlerChrysler treffen, um den Konzern zu bewegen, doch keine EADS-Anteile zu verkaufen. Glos sagte der "Bild am Sonntag", die Restrukturierung und Sanierung von Airbus müsse "unter industrieller Führerschaft" erfolgen. Der Minister mahnte den Konzern DaimlerChrysler, "unternehmerische Verantwortung" zu zeigen. Industrielles Engagement könne nicht nur "zu Zeiten des Sonnenscheins gelten". (apa/red)
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