Freitag, 13. Oktober 2006

Nächster Rückschlag für bwin: Rückzug aus US-Glücksspielmarkt wegen neuem Gesetz!

  • 20 Mio. € Brutto-Gaming-Ertrag im Quartal fallen weg

Der börsenotierte österreichische Internet-Sportwetten- und -Glücksspiel-Anbieter bwin zieht sich aus dem US-amerikanischen Glücksspielmarkt zurück. Grund dafür ist eine von US-Präsident Georg Bush unterschriebene Gesetzesänderung, die den Kreditkartenfirmen das Einsammeln von Zahlungen für Betreiber von Internet-Wettseiten verbietet.

bwin habe "nach umfassender Analyse und eingehender Rechtsberatung in Anerkennung des neuen Gesetzes entschieden, ab sofort keine neuen US-Kunden für das bestehende Echtgeld-Glücksspielangebot (mehr) anzunehmen", hieß es in einer Unternehmensmitteilung. Erst im Frühjahr dieses Jahres war bwin mit der Übernahme der Internet-Poker-Firma Ongame in den Markt eingestiegen. Die Firma hat im zweiten Quartal einen Brutto-Gaming-Ertrag von 29,0 Mio. Euro erzielt, rund 20 Mio. Euro davon stammten aus den USA und fallen jetzt weg.

Sportwetten hat bwin in den USA aus rechtlichen Gründen von vornherein nicht angeboten.

Unternehmen verliert rund ein Fünftel vom Glücksspielumsatz
Der börsenotierten österreichische Internet-Sportwetten- und -Glücksspiel-Anbieter bwin verliert durch die Aufgabe des US-Geschäfts rund ein Fünftel seines Glücksspielumsatzes. Im zweiten Quartal habe das Unternehmen Gesamt-Brutto-Gaming-Erträge von 94,3 Mio. Euro verbucht, 79 Prozent seiner Brutto-Gaming-Erträge seien von nicht in den USA ansässigen Kunden in Kontinentaleuropa gekommen, hieß es in einer Aussendung.

"Das stark gestiegene Risiko einer Strafverfolgung durch die US-Behörden, erheblicher Druck auf Banken und Payment Provider sowie Vorschriften in Zusammenhang mit der Börsennotierung der Gesellschaft lassen keine anderen Optionen offen", betonte das Unternehmen. De facto werde durch das neue US-Gesetz jeglicher Zahlungsverkehr im Zusammenhang mit "rechtswidrigem" Online-Glücksspiel verboten, wobei entsprechend der US-amerikanischen Gesetzestechnik sämtliche Zahlungsmöglichkeiten aufgeführt werden. bwin bedaure diesen Schritt der US-Politik, "der es börsennotierten, streng regulierten und transparenten Anbietern de facto unmöglich macht, US-Kunden zukünftig Echtgeld-Glücksspielangebote bereitzustellen".

Das Unternehmen bezweifelte, dass es den US-Behörden durch Einführung dieser gesetzlichen Regelungen gelingen werde, die eigentlich verfolgten Ziele - Jugendschutz sowie Spielsuchtprävention - zu verwirklichen. Auch Erfahrungen mit restriktiven Maßnahmen zur Vermeidung von Alkoholmissbrauch hätten in der Vergangenheit gezeigt, "dass derartige Verbote nicht greifen, sondern lediglich Verbraucher in die Illegalität treiben und ein rasches Wachstum eines gänzlich unregulierten grauen Marktes maßgeblich unterstützen", so bwin.

Künftig wird das österreichische Unternehmen in den USA nur noch mit einem "Spielgeld"-Angebot präsent sein - konkret mit Poker, wo es nicht um echtes Geld geht. Alle Kunden, die nicht in den USA ansässig sind, seien von den regulatorischen Veränderungen in den Vereinigten Staaten nicht betroffen, betonte das Unternehmen.

bwin war in den vergangenen Wochen nicht nur in den USA, sondern auch in einer Reihe europäischer Länder auf rechtlichen Widerstand gestoßen. Frankreich hatte die Unternehmenschefs wegen illegalen Glücksspiels sogar vorübergehend verhaftet. Die bwin-Aktie hat seit Mai mehr als vier Fünftel ihres Werts eingebüßt. Am Freitag ging die Aktie mit 18,05 Euro aus dem Handel, ein Plus von 0,11 Prozent gegenüber dem Vortag. (apa/red)

13.10.2006 20:24