Freitag, 13. Oktober 2006

Kamps expandiert: Deutscher Ex-Groß- bäcker will Ankerbrot noch '06 übernehmen!

  • Nordsee-Eigentümer hat jetzt wieder Lust auf Brot

Der Wiener Traditionsbäcker Ankerbrot bekommt bis Jahresende aller Wahrscheinlichkeit einen neuen Eigentümer. Der ehemalige deutsche Großbäcker Heiner Kamps habe eine Option zur vollständigen Übernahme des Unternehmens erworben, bestätigte eine Sprecherin in Deutschland auf APA-Anfrage.

Jetzt würden noch die Zahlen geprüft. Das sei aber nur noch eine Formsache. "Es sieht so aus, als ob der Kaufvertrag vollzogen wird und die Übernahme bis Jahresende erfolgt", so die Sprecherin.

Die Mehrheit an Ankerbrot besitzt derzeit Unternehmenschef Peter Ostendorf. 40 Prozent der Wiener Traditions-Bäckerei hatte erst im Frühjahr Michael Phillips, Deutschland-Chef der amerikanischen Investmentgesellschaft Apax, erworben. Kamps hatte bereits vor einem Jahr die Fischrestaurantkette Nordsee erworben.

Im November will er nun seine in London ansässigen Beteiligungsgesellschaft IFR Capital plc an die Börse bringen. IFR Capital wird danach eine neue Gesellschaft namens Nordsee Kamps Food Retail Investments (KFRI) gründen, über die Kamps dann neben Ankerbrot auch noch die deutschen Bäckereien Müller Brot und Löwenbrot übernehmen will.

Vierter Anker-Eigentümer in zehn Jahren
Für die Bäckerei Ankerbrot wäre Heiner Kamps bereits der vierte Eigentümer binnen zehn Jahren. Sein neues Geschäft will Kamps den Angaben zufolge gemeinsam mit der auf der Insel Jersey ansässigen Kapitalgesellschaft APC Capital realisieren. In einer Pressemitteilung erklärte er: "Ich freue mich, die Möglichkeit zu haben, nach vier Jahren wieder ins Bäckerei-Geschäft zurückzukehren." Demnach will der Unternehmer Ankerbrot mit den beiden anderen Bäckereien Müller und Löwenbrot und der Fisch-Kette Nordsee zu einem "neuen führenden Nahrungsmittelkonzern in Europa" zusammenspannen.

Ankerbrot, Müller und Löwenbrot würden zusammen der drittgrößte Bäckerei-Betrieb sein. Der gemeinsame Umsatz der drei Bäckereien wird in der Aussendung mit rund 330 Mio. Euro beziffert. Weitere 345 Mio. Euro erwirtschaftet die Nordsee. Für die Zukäufe will sich die Kamps-Beteiligungsgesellschaft IFR Capital von der Börse 250 Mio. Euro holen. Zum exakten Kaufpreis wurde vorerst aber nichts bekannt gegeben. Laut Kamps sind bereits weitere Übernahmen von Bäckereien und anderen Nahrungsmitell-Läden in Kontinentaleuropa in Planung. Schon in drei Jahren, so der Plan, soll die neue Gruppe einen Umsatz von 1,5 bis 2 Mrd. Euro haben.

Über die Rückkehr von Kamps ins Bäckereigeschäft war in der Lebensmittelbranche schon bei dessen Einstieg in den Fischhandel spekuliert worden. Der gelernte Bäcker Kamps hatte in den 80er und 90er Jahren eine beispiellose Karriere im Filialgeschäft durchlaufen. Bis zum Börsengang seiner Kette im Jahr 1998 baute er rund 2.000 Niederlassungen auf. Zwei Jahre später verkaufte Kamps seine Großbäckerei an den italienischen Lebensmittelkonzern Barilla, der ihm bis Ende 2005 den Wiedereinstieg ins Brotgeschäft untersagte. Während der Aufbauphase will er sich jetzt wieder selbst um die unternehmerische Führung seines neuen Konzerns kümmern.

Der bisherige Ankerbrot-Eigentümer, der deutsche Millionär und Pferdeliebhaber Klaus Ostendorf, hatte Ankerbrot 2003 von der Pleite gegangenen deutschen Müllerbrot übernommen. Mit Kamps ist Ostendorf, bereits bestens vertraut. 30 Jahre lang hatte er die norddeutsche Großbäckerei Wendeln gemanagt, an der er auch mit 17 Prozent beteiligt war. 1999/2000 hat er Wendeln um mehr als 1 Mrd. Euro an Kamps verkauft. (apa)

13.10.2006 20:55