FORMAT: Einstieg von Rewe bei Adeg könnte
durch kartellrechtliche Klagen teuer werden
- Wettbewerbshüter beäugen Geschäft misstrauisch
- Auch Konkurrent Spar will den Deal bekämpfen

Laut FORMAT vorliegenden Informationen steigt die Rewe um 16,3 Mio. Euro bei Adeg ein. Der gemeinsame Einkauf soll beide Supermarktketten stärken, doch gerade das macht die Kartellbehörde misstrauisch. Auch Spar will den Deal bekämpfen.
Der Deal ist ein gefundenes Fressen für die Kartellrechtler unter Österreichs Anwälten: Die Rewe Group Austria schickt Hanno Wollmann (Kanzlei Schönherr) ins Rennen, die Adeg AG Martin Eckel (enwc). Ihr Auftrag: die Fusion des österreichischen Lebensmittelmarktführers Rewe Group Austria (Billa, Merkur, Penny) und der Nummer vier der Branche, der Adeg AG, kartellrechtlich wasserdicht zu machen. Rewe will 24,9 Prozent an Adeg kaufen. Das bringt Rewe-Boss Martin Lenz zwar keine gestalterischen Möglichkeiten bei Adeg, doch nach dem Zusammenschluss soll der Einkauf der beiden Ketten gebündelt werden. Was dann, dank größerer Einkaufsmacht, günstigere Konditionen bringt.
Die neue Zusammenarbeit ist rechtlich freilich umstritten, denn Walter Barfuß, Chef der Bundeswettbewerbsbehörde, hat die Billa-Gruppe (und ihren Hauptkonkurrenten Spar) schon einmal wegen mutmaßlichen Marktmachtmissbrauchs ins Visier genommen, als von Adeg noch gar keine Rede war. Entsprechend grantig reagiert der Wettbewerbshüter jetzt. "Das ist so, wie einen Schnupfen zu bekommen."
Das Ansinnen der beiden bisherigen Konkurrenten Rewe und Adeg im Detail: Nachdem Edeka Südbayern 37,5 Prozent ihrer Adeg-Anteile an die österreichische Adeg-Genossenschaft zurückverkauft hatte, war klar, dass die angeschlagene Kette einen neuen starken Partner brauchen würde. Interessiert gezeigt hatten sich die ZEV, Spar und Rewe Austria. Auch ausländische Investoren fragten an, wollten aber mehr als nur einen Minderheitsanteil erwerben. Die Rewe, für die Aufsichtsrat und Rechtsanwalt Christian Kuhn verhandelte, machte schließlich das Rennen. Der Preis für den Viertelanteil an Adeg Österreich liegt laut FORMAT vorliegenden Informationen bei 16,3 Millionen Euro.
Bei Lieferanten von Nestlé über NÖM bis Manner bekommt das neue Konglomerat dank größerer Bestellmengen nun günstigere Preise. Die kann die Gruppe an die Kunden weitergeben, um Marktanteile zu gewinnen, oder zur Aufbesserung der eigenen Rendite nutzen. Für die Lieferanten wird die Abwicklung einfacher.
Spar wäre an der Übernahme ebenfalls interessiert gewesen
Eine der Bedingungen der Adeg-Leute für die Einsichtnahme in interne Zahlenwerke der Adeg wäre allerdings gewesen, dass Spar auch bei einem Nichtzustandekommen des Deals zwei Jahre lang auf die laufenden Abwerbungsversuche von Adeg-Kaufleuten verzichtet. Dem wollten die Spar-Anwälte, die angesichts der angeschlagenen wirtschaftlichen Lage der Adeg viele Überläufer finden, nicht zustimmen.
Martin Lenz, dem neuen Vorstands-Sprecher der Rewe Austria, brächte der Deal über die neue Einkaufskraft hinaus Vorteile: Weil er künftig ein Viertel des Adeg-Umsatzes als Rewe-Gruppenumsatz ausweisen kann, hätte er den ambitionierten Herausforderer Spar im Match um die Nummer eins am heimischen Lebensmittelmarkt auf lange Zeit deutlich abgehängt.
Zudem hat Rewe, deren deutsche Mutter wie Adeg genossenschaftlich strukturiert ist, den Grundsatzbeschluss gefasst, künftig nicht nur mit dem eigenem Filialsystem, sondern auch mit selbständigen Kaufleuten aufzutreten. Dieses Netz fast von null weg aufzubauen - einziger selbständiger Rewe-Partner ist der Vorarlberger Großkaufmann Jürgen Sutterlüty - ist schwierig. Mit dem Einstieg bei Adeg hingegen ist die Rewe bei den rund 500 selbständigen Adeg-Kaufleuten mit an Bord. Angesichts des gesättigten Marktes stellen die Greißler eine der raren Chancen auf weiteres Wachstum dar. Rewe kann jetzt als Adeg-Gesellschafter Erfahrungen in dem Segment sammeln und auf dieser Schiene weiter expandieren - etwa durch neue Abwerbungen von Spar-Kaufleuten, wie im Fall Sutterlüty geschehen.
"Die Beteiligung an Adeg ist eine strategische. Wir werden bei den 24,9 Prozent bleiben und haben nicht vor, unseren Anteil weiter aufzustocken", meint Rewe Austria-Sprecherin Corinna Tinkler zwar. Doch Analysten wie der Kartellrechtler Raoul Hoffer (Binder Grösswang) meinen: "Ich sehe das als Vorphase. So ein Deal wird wohl gemacht, um später aufzustocken."
Davon ist bei Adeg und Rewe freilich keine Rede, geht es doch jetzt darum, Wettbewerbshüter Barfuß von seinem Schnupfen zu befreien. Rewe-Boss Lenz hat ausgerechnet Schönherr-Anwalt Wollmann, einen einstigen Konzipienten und Kanzleikollegen von Walter Barfuß, als Rechtsvertreter angeheuert.
Doch obwohl im österreichischen Kartellrecht bereits 30 Prozent Marktanteil als "marktbeherrschend" betrachtet werden, Rewe schon jetzt auf 29,5 Prozent kommt und das Konglomerat Rewe-Adeg bei satten 36,1 Prozent läge, sind die Karten der künftigen Partner nicht schlecht. "Ein Zusammenschluss mit weniger als 25 Prozent ist nicht bewilligungspflichtig", weiß Anwalt Stephan Polster (Dorda Brugger Jordis).
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