Die Basis für Schweizer Erfolge: Reform der Nachwuchsarbeit als perfekte Voraussetzung
- Technischer Leiter entwickelte Konzept vor 10 Jahren
- Vier Elemente für Erfolgsrezept der Schweizer Kicker
Im Gegensatz zu Österreich wurden im Schweizer Fußball die Weichen auf Erfolg gestellt, bevor noch überhaupt von einer Krise die Rede war. Mit Jahresbeginn 1995, als die Eidgenossen in der FIFA-Weltrangliste auf Rang sieben geführt wurden, übernahm Hansruedi Hasler das Amt des Technischen Direktors des Schweizer Verbandes (SFV) und machte sich sofort daran, die Nachwuchsarbeit im westlichen Nachbarland von Grund auf zu reformieren.
Zwei Jahre später hatte die "Nati" in der Rangliste bereits 40 Plätze eingebüßt, mit Jahresende 1998 fiel Österreichs EURO-Partner sogar an die 83. Stelle zurück - dennoch zog Hasler seine Pläne konsequent durch. "Unser Konzept beinhaltet vier Elemente: Qualitätskriterien für die Strukturen der Vereine in der Nachwuchsarbeit, die dafür vorgesehene finanzielle Förderung, gemeinsame Spiel- und Ausbildungs-Philosophie mit den Trainern der Vereine und Verbände und professioneller Trainerstab im Verband", erklärte der Technische Direktor.
Bei Punkt 1 wurden für die Vereine vier Qualitätskriterien im Nachwuchsbereich festgesetzt, nach denen sich finanzielle Zuwendungen richten. Um in die erste Kategorie zu gelangen, muss ein Klub neben anderen Auflagen vor allem einen hauptamtlichen Nachwuchschef im Besitz der UEFA-Pro-Lizenz sowie zwei fix angestellte Jugend-Trainer mit A-Lizenz vorweisen können - in diesem Fall schüttet der Verband pro Saison 180.000 Franken aus.
System führte zu "starker Professionalisierung"
Je nach Ausmaß der Verstöße gegen die SFV-Vorgaben werden die Klubs in die zweite, dritte oder vierte Kategorie gereiht und kassieren dafür entweder 120.000 Franken, 60.000 Franken oder gar nichts. An diesem Modell beteiligen sich alle Vereine der beiden höchsten Spielklassen sowie drei Drittligisten. Laut Hasler scheinen derzeit zwölf Klubs in der ersten Kategorie auf, nur vier Zweitligisten verzichten auf professionelle Jugend-Betreuung und damit auch auf Geld. "Dieses System hat zu einer sehr starken Professionalisierung geführt. Mitte der 90er-Jahre waren bei den Vereinen insgesamt sechs oder sieben Profi-Trainer angestellt, jetzt sind es über 50", erzählte Hasler.
Jährlich schüttet der Verband für vorbildliche Nachwuchsarbeit rund 3 Millionen Franken aus. Der Topf wird nicht nur von Einnahmen aus Länderspielen und Toto-Mitteln, sondern auch über die Spielervermittlung gespeist: So haben sich die Vereine dazu verpflichtet, für eine Spielerverpflichtung innerhalb der Profi-Ligen eine gewisse Summe an den Nachwuchs-Pool zu "spenden", selbst wenn es sich um einen ablösefreien Transfer handelt. "Bei einem Wechsel innerhalb der Super League sind das 10.000 Franken, für andere Konstellationen gelten Abstufungen", sagte Hasler.
Einheitliche Fußball-Philosophie ausgearbeitet
Das dritte Element des Nachwuchs-Konzeptes liegt Hasler besonders am Herzen. "In Zusammenarbeit mit Vereins- und Verbands-Trainern wurde festgelegt, wie man sich von den Sechs- bis Sieben-Jährigen bis hinauf zu den Kampfmannschaften den Fußball vorstellt. Das ist dann Grundlage für die gesamte Betreuer-Ausbildung geworden."
Im Gegensatz zu den Niederländern, die ihren Junioren das 4-3-3-System von klein auf einimpfen, lässt die Schweizer Taktik-Philosophie einigen Spielraum. "Ob eine Dreier- oder Viererkette eingesetzt wird, ob die Außen als Flügel- oder Mittelfeldspieler agieren, ist nicht vorgegeben, aber es gibt Prinzipien: Wir spielen konstruktiv aus der Abwehr heraus und verzichten auf lange Bälle, und die Abwehr spielt auf einer Linie."
"Als kleines Land kann man sich nicht verzetteln"
Mit diesen Eingrenzungen sei man gut gefahren. "Auf der internationalen Bühne gibt es verschiedene Spielweisen, um erfolgreich zu sein, aber man muss sich auf eine konzentrieren, um Erfolg zu haben. Wenn man immer etwas anderes ausprobiert, dreht man sich im Kreis. Als kleines Land wie die Schweiz kann man sich nicht verzetteln", so Hasler.
Das vierte Element beinhaltet die Ausbildung der Nachwuchs-Elite in drei Verbands-Zentren (jeweils eines in der deutsch-, französisch-, und italienisch-sprachigen Schweiz). Rund 30 14- bis 16-Jährige kommen pro Jahr in den Genuss dieses Programms, das unter der Woche die Unterbringung der Jugendlichen in Gast-Familien, den Besuch von mit dem SFV kooperierenden öffentlichen Schulen sowie sechs Trainingseinheiten in fünf Tagen vorsieht - am Wochenende treten die Teenager ihren Heimatbesuch an. (apa/red)










