Montag, 23. Oktober 2006

Real gegen Barca wie Phönix aus der Asche:
Capello lässt Stars auf der Bank und gewinnt

  • Blamage gegen Getafe löste scheinbar Wandel aus
  • Neo-Coach sorgt für frischen Wind in der Star-Elf

Energisch, kämpferisch und vor allem teambewusst. So hatte sich Real Madrid schon lange nicht mehr gezeigt. Doch nun boten die "Königlichen" im ausverkauften Bernabeu-Stadion gegen ihren Erzrivalen aus Barcelona nach langer Zeit mal wieder Spitzenfußball und meldeten sich sowohl in der spanischen Meisterschaft als auch in der Champions-League im Titelkampf zurück. Der 2:0 Sieg über Barca soll nun endgültig das Ende der Durststrecke bedeuten.

Trotz zahlreicher Stareinkäufe und Trainerwechsel konnten die "Königlichen" in den vergangenen drei Jahren keinen einzigen Titel gewinnen. Das Team um Raul, Ronaldo und David Beckham wirkte in den letzten beiden Jahren lustlos und ideenlos. Madrids neuer Coach Fabio Capello scheint nun Schwung in die Mannschaft zu bringen. Den brasilianischen Dribbelkönig Robinho setzte er auf Grund seiner "Teamunfähigkeit" erst einmal auf die Bank. Auch der lauffaule Ronaldo und der etwas formschwache Beckham müssen derzeit trotz ihres "Star-Status" auf der Bank Platz nehmen.

Blamage gegen Getafe löste scheinbar Wandel aus
Den Ausschlag zum Wechsel gab allerdings die blamable 0:1-Niederlage gegen Madrids Vorortklub FC Getafe. Capellos Standpauke zum Umdenken hatte Effekt. Bereits beim 4:1 Sieg in der Champions League gegen Steaua Bukarest zeigten die "Königlichen" ein neues Gesicht. Doch erst der Sieg gegen den Erzrivalen Barcelona habe für das Team einen "enorm wichtigen psychologischen Effekt", erklärte Capello nach dem Match. "Jetzt ist unsere Mannschaft ein richtiges Team", so Capello.

Schließlich habe man nicht gegen irgendjemanden gewonnen, sondern gegen den aktuellen Champions-League-Gewinner und spanischen Meister. Gegen Barcelona habe er den "Gewinnergeist" Madrids wieder gesehen. Auch Madrids Kapitän Raul erklärte, dass der Sieg über Barcelona nicht nur drei Punkte bedeuten, sondern notwendig für die "Moral, Mentalität und das Selbstvertrauen der gesamten Mannschaft" waren. Seit der Niederlage gegen Getafe seien sie sich bewusst, konzentrierter an die Sache herangehen zu müssen, meinte Raul, der bereits nach zwei Minuten den Führungstreffer gegen Barca erzielte.

"Wie Phönix aus der Asche"
Auch Spaniens Sportpresse lobt das "aus der Asche auferstandene Madrid" (El País) für seine neue Gangart. Neben dem "neuen Geist" (Marca) hoben die Medien vor allem die gute Leistungen der Madrider Abwehr hervor, dem ewigen Schwachpunkt der "Königlichen". Die neue Abwehrreihe mit Fabio Cannavaro, Helguera und Roberto Carlos gehört mittlerweile zu den besten in der spanischen Liga und war maßgeblich für den Sieg über Barcelona verantwortlich.

Doch habe vor allem das frühe Tor in der zweiten Minute durch Raul seinem Team "schwer zu schaffen gemacht", erklärte Barca-Star Ronaldinho nach dem Match. "Nachher konnten wir uns zwar wieder fassen, doch wir bekamen den Ball nicht rein und dann kam das 2:0 von van Nistelrooy. Wir haben jetzt zwei Spiele hintereinander verloren und wir müssen uns zusammenreißen, damit das nicht so weiter geht", erklärte der Brasilianer. Dennoch sollte man die beiden letzten Niederlagen nicht als "völlige Katastrophe" aufbauschen, meint hingegen Barcelonas Kapitän Carles Puyol: Immerhin führe man immer noch die spanische Liga an und habe mit Real Madrid und im vorherigen Champions-League-Spiel gegen Chelsea gegen "zwei der besten Teams in Europa" verloren. Und auch Madrids neuer Mittelfeldregisseur Emerson warnt vor zu viel Euphorie: "Wir haben weder die Champions League noch die spanische Liga gewonnen, sondern lediglich ein Spiel."
(apa/red)

23.10.2006 15:33
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