Übernimmt erstmals Führung: Valentino Rossi nach Platz 2 in Estoril in WM-Führung
- Nicky Hayden vergab Chance durch Sturz in 5. Runde
- Amerikaner sauer nach Pedrosa-Wahnsinnsaktion
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Überraschung: Auch kein Platz für Teenager Bradl
In der Motorrad-Königsklasse MotoGP spricht plötzlich doch wieder alles für den 8. WM-Titel für Valentino Rossi. Der Italiener wurde in Estoril im vorletzten Saisonlauf Zweiter hinter Überraschungs-Sieger Toni Elias, profitierte aber von einer Wahnsinns-Aktion des spanischen Honda-Rookies Dani Pedrosa, der mit einem Sturz seinen in der WM führenden Teamkollegen Nicky Hayden (USA) von der Strecke riss. Damit kommt Rossi mit einem Vorsprung von 8 Punkten zum letzten WM-Lauf in zwei Wochen in Valencia.
Die möglicherweise entscheidende Wende in der MotoGP-WM kam bereits in der 5. Runde. Der übermotivierte Pedrosa wollte den auf Platz 3 liegenden Hayden mit einem Brachialmanöver innen überholen, rutschte dabei aber aus und riss den unglücklichen US-Amerikaner mit ins Verderben. Hayden trommelte danach wutentbrannt mit den Fäusten auf den Boden und stieß wilde Flüche aus.
Nachdem sich die beiden Honda-Piloten selbst eliminiert hatten, machten mit Elias und Kenny Roberts Jr. zwei andere Honda-Fahrer Jagd auf den führenden Yamaha-Piloten Rossi. Nach einem beinharten Dreikampf kämpfte Elias Rossi hauchdünn nieder und feierte mit zwei Tausendstel Sekunden Vorsprung seinen ersten GP-Sieg überhaupt.
Bei einem Sieg wäre Rossi sogar mit 13 Punkten Vorsprung zum Finale am 29. Oktober in Valencia gekommen. Doch der siebenfache Champion, der Ende Juli in der WM bereits 51 Punkte zurückgelegen und mit einem Rückstand von 12 Punkten nach Portugal gekommen war, war hocherfreut, heuer erstmals Führender der Gesamtwertung zu sein. "Ein großartiges Rennen. Ein Sieg wäre natürlich noch besser gewesen, aber Toni fuhr wie der Teufel", sagte Rossi lachend. "Nach dem Ausfall von Nicky liegen wir nun in der WM vorne und sind bereit für Valencia!"
Stinksauer war hingegen Hayden. Dass ausgerechnet ein Teamkollege dem US-Amerikaner, der noch keinen Saisonausfall verzeichnet hatte, vielleicht um den ersten Titel gebracht hat, bedauerte auch Pedrosas österreichischer Chefmechaniker Mike Leitner. "Eine total unnötige Aktion. Dani war vielleicht sauer, dass ihn Nicky vorher hart überholt hat. Aber so ein Manöver in dieser Phase des Rennens ist unakzeptabel, da hätte er besser überlegen müssen."
Pedrosa, der sich beim Sturz den kleinen Finger brach, gab sich nach dem Rennen zerknirscht. Er entschuldigte sich bei Hayden und merkte an, dass er noch nie eine Situation derart falsch eingeschätzt habe. Haydens schwacher Trost ist, dass er nach dem knapp verpassten Sieg Rossis durchaus noch Chancen hat, in Spanien seinen ersten WM-Titel doch noch zu erobern.
Die Motorrad-WM erlebt in zwei Woche jedenfalls eine der spannendsten Entscheidungen seit Jahren. Denn auch die Entscheidung in der 250er-Klasse wurde auf den letzten Lauf verschoben. Andrea Dovizioso setzte sich 15 Tausendstel vor dem japanischen KTM-Piloten Hiroshi Aoyama durch und verringerte dadurch seinen Rückstand auf den am Sonntag nur fünftplatzierten WM-Leader Jorge Lorenzo auf 13 Punkte.
Einen Podiumsplatz gab es für KTM auch in der 125er-Klasse, in der Weltmeister Alvaro Bautista seinen 8. Saisonsieg feierte. Der Finne Mika Kallio wurde hinter Bautista und Hector Faubel Dritter, Teamkollege Julian Simon (ESP) belegte Platz 5. Der Österreicher Michael Ranseder schied aus.
Bemerkenswert an Estoril war auch, dass der dank einer Wild Card im MotoGP mitfahrende Australier Garry McCoy auf der mit einem ab 2007 verwendeten 800-ccm-Motor ausgerüsteten Ilmor X3 als 15. in die WM-Punkteränge fuhr. Motorenbauer ist der Schweizer Tuner Mario Ilien, der mit Mercedes 44 Siege in der Formel-1-WM gefeiert und auch das Indy-500-Rennen gewonnen hat.
(apa/red)
