Montag, 9. Oktober 2006

""Robuste" Reaktion angekündigt: Viele Läner verurteilen jüngsten Atomwaffentest

  • Blair: "Völlig unverantwortlicher Akt" Nordkoreas
  • Deutschland: "Gefährdet Frieden und Sicherheit"

Nach dem nordkoreanischen Atomwaffentest haben zahlreiche Länder auf der ganzen Welt die nuklearen Ambitionen des Landes verurteilt. Der britische Premierminister Tony Blair nannte den Atomwaffentest Nordkoreas einen "völlig unverantwortlichen Akt". Er zeige, wie sehr die Regierung in Pjöngjang die Weltöffentlichkeit missachte, erklärte Blair. "Die internationale Gemeinschaft hat sie (die Nordkoreaner) wiederholt aufgerufen, von Raketen- und Nukleartests Abstand zu nehmen. Diese erneute Herausforderung zeigt Nordkoreas völlige Missachtung der Sorgen seiner Nachbarn und der gesamten internationalen Gemeinschaft."

Das Außenministerium in London nannte den Atomtest einen "höchst provokativen Akt" und kündigte eine "robuste" Reaktion an. In diplomatischen Kreisen hieß es, Großbritannien werde bei den Vereinten Nationen in New York aktiv auf eine rasche und scharfe Verurteilung Nordkoreas durch eine Resolution des UNO-Sicherheitsrates hinarbeiten. Der Nukleartest könne "nur die Spannungen in einer bereits spannungsgeladenen Region nur noch weiter verstärken und wird international Rückwirkungen haben", hieß es der Erklärung des britischen Außenministeriums.

IAEO drückt Bedauern aus
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA/IAEO) hat ihr "Bedauern" über den ersten Atomwaffentest Nordkoreas zum Ausdruck gebracht. Generaldirektor Mohamed El Baradei bedaure den Schritt "zutiefst" und sei "voll tiefer Sorge", hieß es in einer IAEO-Aussendung. Der Atomtest bedrohte die Nicht-Weiterverbreitungsmaßnahmen und bedeute "ernsthafte Herausforderungen im Sicherheitsbereich" für die internationale Gemeinschaft.

Die IAEO sprach von einem "Rückschritt" im Kampf für ein Moratorium auf Atomwaffentests und für die atomare Abrüstung. El Baradei forderte erneut das baldige Inkrafttreten des Verbotsvertrages für Atomwaffentests (CTBT). Der IAEO-Chef glaubt auch weiterhin daran, "eine Verhandlungslösung" für den Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm zu finden. Die Verhandlungsparteien sollen "umgehend" die Gespräche wieder aufnehmen.

EU: Test ist "inakzeptabel"
Die EU hat den Atomwaffentest scharf verurteilt. Die Ausführung des Tests sei "inakzeptabel", und die EU arbeite mit der internationalen Gemeinschaft an einer "entschiedenen internationalen Antwort auf diesen provokativen Akt", hieß es in einer Erklärung der finnischen Ratspräsidentschaft. Der Atomwaffentest stelle eine "ernste Bedrohung des internationalen Friedens und der Sicherheit" dar.

Die EU urgiert, dass Nordkorea alle Atomwaffen und bestehenden Atomprogramme aufgebe. Weiters soll Nordkorea von weiteren Tests Abstand nehmen, Nuklearwaffen öffentlich abschwören und sofort und ohne Bedingungen zu den Sechs-Parteien-Gesprächen zurückkehren. Nordkorea müsse seinen Verpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag und aus den Sicherheitsbestimmungen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) nachkommen. Die EU fordert in der Erklärung Pjöngjang weiters dazu auf, den internationalen Atomteststopp-Vertrag (CTBT) zu unterzeichnen.

Plassnik: "Spiel mit Feuer einstellen"
Außenministerin Ursula Plassnik verurteilt den Test scharf. "So wird nicht mehr Sicherheit, sondern mehr Unsicherheit geschaffen. Nordkorea muss das Spiel mit dem Feuer einstellen und umgehend an den Verhandlungstisch zurückkehren. Die von der nordkoreanischen Führung mit atomaren Mitteln betriebene Strategie der offensiven Selbstisolation ist eine gefährliche Sackgasse", hieß es in einer Aussendung der Ministerin.

Frieden und Sicherheit in Gefahr
Die deutsche Regierung verurteilte ebenfalls den Atomversuch Nordkoreas. Damit setze das Land seinen "Irrweg in die Selbstisolation" weiter fort, sagte Außenminister Frank Walter Steinmeier in Berlin. Die nordkoreanische Regierung müsse ihre Nuklearwaffen- und Raketenprogramme unverzüglich einstellen und weitere Tests unterlassen. "Der heutige Nukleartest gefährdet Frieden und Sicherheit in der Region und darüber hinaus", heißt es in einer Mitteilung des deutschen Auswärtigen Amtes. Der UNO-Sicherheitsrat sei nun gefordert, "dieser nordkoreanischen Provokation eine entschlossene Reaktion entgegenzusetzen".

Der australische Premierminister John Howard sagte zum Waffentest: "Der Test hat die Region destabilisiert und Nordkoreas eigene Sicherheit untergraben." Howard forderte eine "deutliche internationale Reaktion". Er rief die Vereinten Nationen auf, sich umgehend auf Sanktionen gegen Nordkorea zu einigen. Es sei empörend, dass Nordkorea seine hungernde Bevölkerung von der Weltgemeinschaft verpflegen lasse, um mit seinem eigenen Geld gleichzeitig Atomambitionen zu finanzieren.

Putin verurteilt Test
Der russische Präsident Wladimir Putin hat den nordkoreanischen Atomtest verurteilt. Die Nachrichtenagentur Interfax zitierte Putin mit den Worten, der Prozess der Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen habe schweren Schaden genommen. Moskau forderte Pjöngjang auf, sein Atomprogramm beizulegen. Wenige Stunden zuvor hatte Nordkorea erklärt, es habe erstmals eine Atombombe erfolgreich getestet.

Auch die beiden südasiatischen Atommächte Indien und Pakistan haben den Atomwaffentest Nordkoreas einhellig verurteilt. Das pakistanische Außenministerium wies zugleich Vorwürfe zurück, Pakistan habe Nordkorea bei der Entwicklung des Atomwaffenprogramms unterstützt.

Tiefe Besorgnis in Neuseeland
Der neuseeländische Außenminister Winston Peters bezeichnete das Verhalten Pjöngjangs als "unverzeihlich und unvereinbar mit dem  Verhalten, das man von einem Land erwartet, dass sich um Sicherheitsgarantien der Weltgemeinschaft bemüht". "Wir sind tief besorgt über Pjöngjangs schamlose Missachtung regionaler Friedens- und Sicherheitsbedürfnisse." Gleichzeitig rief er alle Regierungen auf, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich nicht zu Reaktionen hinreißen zu lassen, die die Situation noch verschlimmern könnten.

Schwedens Außenminister Carl Bildt nannte den Test eine "bewusste und ernste Provokation der gesamten internationalen Gemeinschaft". Es handele sich um eine "außerordentlich ernste Entwicklung mit Konsequenzen sowohl für die Stabilität im östlichen Asien wie die globalen Anstrengungen gegen die Ausbreitung von Kernwaffen". Der norwegische Außenminister Jonas Gahr forderte den UNO-Sicherheitsrat zum Handeln gegen Nordkorea auf. In Kopenhagen sagte der dänische Außenminister Per Stig Möller, er befürchte ein neues atomares Wettrüsten zwischen den asiatischen Staaten.

Iran gibt sich zurückhaltend
Der Iran hat mit diplomatischer Zurückhaltung auf den Atomwaffentest reagiert. Der Sprecher des Außenministeriums in Teheran, Mohammed-Ali Hosseini sagte, der allgemeine Standpunkt des Iran sei klar. Teheran sei im Prinzip für eine atomwaffenfreie Welt. Er hoffe, dass die Verhandlungen über die nordkoreanischen Atomaktivitäten in einer Weise vorankommen, die sowohl den Interessen Nordkoreas als auch denen der internationalen Gemeinschaft gerecht wird.

Der Iran selbst steht im Verdacht, mit seinem Nuklearprogramm nach Atomwaffen zu streben. Teheran hat dies jedoch stets bestritten und seine friedlichen Absichten beteuert.

(apa/red)

9.10.2006 14:28