Montag, 9. Oktober 2006

Nach Mord an Politkowskaja: Putin verspricht Aufklärung des Mordes an der Journalistin

  • Wurde Politkowskaja bereits vor Mord beschattet?
  • Zeitung setzt Kopfgeld von 740.000 € auf Täter aus

Der russische Präsident Wladimir Putin hat alle Anstrengungen zur Aufklärung des Mordes an der regierungskritischen Journalistin Anna Politkowskaja zugesagt. Nach zweitägigem Schweigen äußerte sich Putin erstmals in einem Telefonat mit US-Präsident George W. Bush zu dem Anschlag, der die russische Öffentlichkeit tief schockiert hatte.

Die Sicherheitsbehörden täten alles Notwendige "zur objektiven Aufklärung des tragischen Todes der Journalistin", sicherte Putin nach Angaben des Kremls zu.

Die Fahndung nach dem Mörder Politkowskajas blieb bisher ohne Erfolg. Die oppositionelle Zeitung "Nowaja Gazeta", für die Politkowskaja gearbeitet hatte, kündigte eine eigene Suche nach dem Täter und seinen Hintermännern an. Politkowskaja sei bereits beim Einkaufen vor dem Mord von einer Frau beschattet worden, berichtete die Zeitung "Kommersant" unter Berufung auf Ermittler. Der Mörder lauerte dann im Flur ihres Hauses auf die Reporterin, die sich mit Berichten über den Tschetschenien-Krieg einen Namen gemacht hatte.

Als möglichen Auftraggeber des Mordes nannte die "Nowaja Gaseta" den moskautreuen tschetschenischen Regierungschef Ramsan Kadyrow: "Sie hat sehr viel über ihn geschrieben und gesagt." Allerdings sei es auch möglich, dass der Verdacht speziell auf Kadyrow gelenkt werden solle, um ihn daran zu hindern, Präsident der Teilrepublik im Nordkaukasus zu werden. Kadyrow hatte in der Vergangenheit angeblich Morddrohungen gegen Politkowskaja geäußert.

Die Zeitung erinnerte auf sechs Sonderseiten an die tote Kollegin. "Sie empfand jede Ungerechtigkeit, gegen wen sie sich auch richtete, als persönliche Herausforderung", hieß es in einem Nachruf. Der Unternehmer und Politiker Alexander Lebedjew, Miteigentümer der "Nowaja Gazeta", setzte eine Belohnung von 25 Millionen Rubel (740.000 Euro) zur Aufklärung des Anschlags aus. Einschließlich Politkowskaja sind schon drei Mitarbeiter des Oppositionsblattes ermordet worden.

Der andere Miteigentümer des Blattes, der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow, sprach von einem schweren Schlag für die Pressefreiheit in Russland. "Dies ist ein echter politischer Mord. Ein Racheakt", sagte Gorbatschow der italienischen Zeitung "La Repubblica". (apa/red)

9.10.2006 17:57