Montag, 9. Oktober 2006

Wahlkarten ausgezählt: Grüne konnten
in einigen Bundesländern noch zulegen

  • Kärnten: BZÖ verfehlt Direktmandat realtiv deutlich
  • Wien: Wahlkarten bescheren VP zusätzliches Mandat

Die Grünen konnten dank der Wahlkarten in einigen Bundesländern noch zulegen: So wurde etwa in Kärnten laut dem Endergebnis der Nationalratswahl die FPÖ überholt und damit hinter SPÖ, BZÖ und ÖVP die vierte Position eingenommen. Zudem gab es für die Grünen in Tirol, in Vorarlberg und auch im Burgenland wichtige Zuwächse im Kampf um Platz drei gegen die FPÖ bei den Nationalratswahlen 2006.

Die Auszählung der Wahlkarten in Kärnten ergab zudem einen geringeren Verlust für die ÖVP und einen höheren für die SPÖ als am Wahlabend, die Zugewinne des BZÖ verringerten sich. Die Orangen verfehlten auch relativ deutlich ihr Direktmandat.

Während dem BZÖ am Wahlabend im Wahlkreis Ost (Bezirke St. Veit/Glan, Völkermarkt und Wolfsberg) nur 128 Stimmen auf das Grundmandat gefehlt hatten, sind es laut dem Ergebnis inkl. Wahlkarten 725. Die Partei von Landeshauptmann Jörg Haider errang in diesem heiß umkämpften Wahlkreis 24.471 Stimmen, für ein Direktmandat wären 25.196 erforderlich gewesen.

In Prozenten sieht die Verschiebung vom Wahlabend zum Endergebnis unter Berücksichtigung der insgesamt 14.614 gültigen Wahlkarten folgendermaßen aus: Die SPÖ büßte von ihren am 1. Oktober erzielten 35,8 Prozent 0,4 Prozentpunkte auf nunmehr 35,4 Prozent ein, das BZÖ kam schlussendlich auf 24,9 anstatt auf 25,4 (minus 0,5). Die Grünen dürfen sich gegenüber dem Wahlsonntag (6,9 Prozent) über einen Zugewinn von 0,6 Prozentpunkten auf 7,5 Prozent freuen, die ÖVP liegt mit den Wahlkarten um 0,3 Punkte höher, also auf 21,2 Prozent. Die FPÖ blieb mit 7,3 Prozent unverändert.

Wien: Zusätzliches Mandat für ÖVP
In Wien hat von der Auszählung der Wahlkarten für die Nationalratswahl vor allem die ÖVP profitiert. Sie hat ein Mandat dazugewonnen und verfügt nun über sieben Mandate. Dieses wurde im Landeswahlkreis - also im zweiten Ermittlungsverfahren - vergeben. Auch in Sachen Stimmanteil konnte die Volkspartei durch die Wahlkarten am meisten zulegen, und zwar von 20,81 auf 21,83 Prozent.

Eine Verschiebung bei den Plätzen gab es in Wien erwartungsgemäß nicht. Die mit Abstand stimmenstärkste Partei ist die SPÖ. Ihr Anteil reduzierte sich durch die Auszählung der Wahlkarten leicht, und zwar von 41,77 auf 41,04 Prozent. Moderat die Steigerung bei den Grünen, die auf dem dritten Platz liegen: 17,38 Prozent statt den 17,05 Prozent vom Wahlabend.

Die FPÖ liegt nach Auszählung der Wahlkarten bei 13,86 Prozent statt wie bisher bei 14,36 Prozent. Das BZÖ kommt im vorläufigen Endergebnis mit Wahlkarten auf 1,82 Prozent, was einen leichten Rückgang im Vergleich zum Wahlsonntags-Ergebnis (1,86 Prozent) darstellt.

Steiermark: ÖVP überholte SPÖ knapp
In der Steiermark ist nun doch die ÖVP die stärkste Partei, wenn auch mit fast dem gleichen hauchdünnen Vorsprung wie noch am Wahlabend die Sozialdemokraten. Die FPÖ konnte dank 2.559 Wahlkartenstimmen ihren Vorsprung auf die Grünen retten, obwohl die steirischen Grünen auf immerhin 6.128 Wahlkartenstimmen kamen. Das BZÖ verlor ganz leicht, ebenso wie die KPÖ, und die Liste Martin.

In Prozenten sieht das steirische Endergebnis wie folgt aus: Die SPÖ büßte ihren Vorsprung von 0,3 Prozentpunkten bzw. 2.004 Stimmen auf die ÖVP ein und liegt nun mit 270.596 Stimmen (37,18 Prozent) auf Platz zwei. Erster ist die ÖVP mit 272.767 Stimmen bzw. 37,48 Prozent und somit einem knappen Vorsprung von 0,29 Prozentpunkten. Die Freiheitlichen erreichten in der Steiermark 75.998 Stimmen oder 10,44 Prozent. Die Grünen kommen auf 57.641 Stimmen bzw. auf 7,92 Prozent. Das BZÖ holte sich 3,19 Prozent der Wählerstimmen bzw. 23.216 Stimmen, die KPÖ 13.744 (1,89 Prozent) und die Liste Martin 13.877 Stimmen bzw. 1,91 Prozent.

Grüne legen in Tirol weiter zu
Die Grünen haben in Tirol mit den Wahlkarten als einzige Partei zugelegt und den Vorsprung gegenüber der FPÖ dadurch weiter ausgebaut. An der Spitze änderte sich kaum noch etwas. Die ÖVP büßte minimal ein, bleibt aber klar stärkste Kraft, die SPÖ verlor ebenfalls ein wenig und ist Zweite.

Die Ergebnisse im Detail. Die Volkspartei holte 43,84 Prozent (ohne Wahlkarten 43,87), die SPÖ 23,17 Prozent (23,41), für die Grünen stimmten 12,97 Prozent (12,38), die FPÖ erhielt 10,83 Prozent (11,04), das BZÖ schaffte 3,27 Prozent (3,33). Von den nicht im Nationalrat vertretenen Parteien schlug sich die Liste Martin mit 4,13 Prozent (4,18) am Besten, die Liste Neutrales Freies Österreich erhielt 1,04 Prozent (1,05) der abgegebenen Stimmen, die KPÖ 0,75 Prozent (0,75).

Auch Vorarlberger Grüne profitieren
Die Auszählung der Wahlkarten hat das Wahlergebnis in Vorarlberg noch ein wenig zu Gunsten der Grünen verändert. Als "Wahlkartensieger" legten sie noch einmal um knapp 0,9 Prozentpunkte zu. Einbußen von jeweils 0,3 Prozentpunkten mussten die Freiheitlichen und die Sozialdemokraten hinnehmen. Praktisch unverändert blieb das Wahlergebnis der ÖVP. An der Reihenfolge der Parteien und der erreichten Mandate änderte sich nichts.

Insgesamt wurden in Vorarlberg 8.984 Wahlkarten abgegeben, davon 3.280 aus dem Ausland. Die prozentuellen Veränderungen der Parteien im Vergleich zum vorläufigen Endergebnis im Detail: ÖVP: -0,07, SPÖ: -0,28, FPÖ: -0,31, Grüne: +0,88, BZÖ: -0,09, Martin: -0,13.

Grüne legten auch im Burgenland noch zu
Im Burgenland blieb die Auszählung der Wahlkarten ohne großen Auswirkungen auf das Ergebnis der Nationalratswahl. Verschiebungen gab es lediglich im Bereich von Zehntel- und Hundertstelprozentpunkten. An der Mandatsverteilung hat sich erwartungsgemäß nichts verändert.

Nach Auszählung der Wahlkarten erreicht die ÖVP im Gesamtergebnis der Nationalratswahl 2006 36,05 Prozent (2002: 42,41 Prozent; -6,36 Prozentpunkte). Die SPÖ kommt auf 44,99 Prozent (2002: 45,82 Prozent; -0,83 Prozentpunkte). Auf die FPÖ entfallen 8,65 Prozent der Stimmen (2002: 6,36 Prozent; +2,29 Prozentpunkte). Die Grünen kommen auf 5,81 Prozent (2002: 4,71; +1,10 Prozentpunkte), für das BZÖ votierten 1,72 Prozent. Die KPÖ erreichte im Burgenland 0,51 Prozent die Stimmen (2002: 0,25 Prozent; +0,26 Prozentpunkte). Für die Initiative 2000 stimmten 0,31 Prozent, für die Liste Martin (MATIN) 1,95 Prozent.

Wahlkarten in NÖ ohne große Auswirkungen
Keine großen Auswirkungen hatte die Auszählung der Wahlkarten auf das Nationalratswahl-Ergebnis in Niederösterreich. Mandate und Reihenfolgen blieben gleich, nur die Stimmenanteile veränderten sich geringfügig - und zwar im bekannten Muster.

Die SPÖ verlor wie üblich leicht im Stimmenanteil: Statt 36,42 Prozent am Wahlsonntag kommt sie im Endergebnis inkl. Wahlkarten auf 36,16 Prozent. Die ÖVP legte hingegen etwas zu, von erst 39,19 auf jetzt 39,22 Prozent. Die Grünen legten durch die Wahlkarten zwar am stärksten zu - von 8,64 auf 8,99 Prozent. Das reichte aber bei weitem nicht, in Niederösterreich wieder - wie 2002 - drittstärkste zu werden. Auf diesem Platz blieb die FPÖ, obwohl sie durch die Wahlkarten etwas an Stimmenanteil verlor, von 9,74 auf 9,64 Prozent. Wie schon früher immer die FPÖ schlugen die Wahlkarten auch beim BZÖ negativ zu Buche: Dieses liegt jetzt bei 2,26 Prozent, nach 2,28 am Wahlsonntag.

OÖ: Nur geringfügige Änderungen durch Wahlkarten
Die Auszählung der Wahlkarten hat nur zu geringfügigen Änderungen beim Ergebnis der Nationalratswahl in Oberösterreich geführt. Sowohl die Reihenfolge der Parteien als auch die Mandatsverteilung blieben gleich, erfuhr die APA auf Anfrage beim Land Oberösterreich.

Die SPÖ blieb auf dem ersten Platz und büßte leicht im Stimmenanteil - von 36,53 auf 36,13 Prozent - ein. Die ÖVP legte leicht von 35,15 auf 35,20 Prozent zu. Der Stimmenanteil der Grünen stieg von 9,63 auf 10,24 Prozent. Sie liegen damit weiter hinter der FPÖ, die von 12,43 auf 12,22 Prozent etwas verlor. Das BZÖ kam auf 2,62 nach 2,65 Prozent, die KPÖ auf 0,82 nach 0,81 Prozent. Auf die Liste Martin entfielen inklusive der Wahlkarten 2,77 nach 2,80 Prozent am Wahlsonntag. (apa/red)

9.10.2006 22:54