Erschreckende Tatsachen: Jedes 3. bis 4. Mädchen unter 16 Opfer sexueller Gewalt!
- Kurse bringen Kindern Schreien und Nein sagen bei
- Täter in allen gesellschaftlichen Gruppen & Schichten
Jedes dritte bis vierte Mädchen wird bis zum 16. Lebensjahr Opfer sexueller Gewalt. Bei den Buben ist jeder Siebente bis Achte betroffen. Sie selbst habe in ihrer Kindheit diesbezüglich Erfahrungen gemacht - der Klavierlehrer habe ihr in die Strümpfe gegriffen, erzählte Dagmar Koller bei einem Pressegespräch in Wien. Aus diesem Grund unterstütze sie nun als Schirmherrin den Verein "Power4me" für Prävention und Selbstverteidigung.
Sie sei so verschreckt gewesen, dass sie niemandem - weder ihrer Mutter noch ihrem Bruder - davon erzählt haben, berichtete Koller. Bis zu ihrem 28. Lebensjahr habe sie das Geheimnis mit sich getragen. Wichtig sei vor allem, Kinder das Schreien zu lehren, so Koller. Auch Natascha Kampusch habe dies im Moment ihrer Entführung nicht gekonnt. "Wer kann das schon, wenn etwas Schlimmes passiert", meinte Koller
Kurse bringen Kindern Nein sagen bei
Schreien, laut sein und Nein sagen - das sollen Kinder und Jugendliche bei Kursen des Vereins "Power4me" lernen. An Kindergärten und Schulen wird richtiges Verhalten je nach Alter mit Rollenspielen, Geschichten oder Erzählungen thematisiert, erklärte Obfrau Eva Hötschl. Trainerinnen vermitteln, dass Kinder nie schuld seien und jederzeit das Recht haben, zu reden. Durch Unterstützung der Wiener Städtischen sollen die Kurse auch auf die Bundesländer ausgeweitet und Trainerinnen ausgebildet werden.
Wichtig sei, den Kindern Mut zu machen und die Bevölkerung zu Zivilcourage aufzufordern, meinte Kinder- und Jugendpsychiater Max Friedrich. Sie müssen lernen, Nein und Ja zu sagen. Das sei auch dann zu akzeptieren, wenn Sohn oder Tochter den pfeifenrauchende Lieblingsonkel der Mutter nicht küssen wollen.
Täter in allen gesellschaftlichen Gruppen und Schichten
Kinder können sich gegen Gewalt nur schwer wehren, erklärte Friedrich. Geheimnisse für sich zu behalten falle ihnen nicht leicht - das Verschweigen sei also eine "psychische Folter". Gefühlsmäßig müssen Betroffene oft mit ambivalenten Emotionen kämpfen. Denn auf einer Seite mögen sie den Stiefvater nicht, der ihnen Gewalt antue, andererseits lieben sie ihn, weil er mit ihnen Reiten geht. Täter gebe es überall und nicht nur in bestimmten Bevölkerungsschichten, meinte Friedrich. Sie tragen kein "Kennmal" auf der Stirn.
Der Bereich sei außerdem stark mit Scham besetzt, sagte der Psychiater. Problematisch sei dies auch vor Gericht. Denn die Aussage "Er hat mich da unten angefasst" ist für die Justiz nicht ausreichend. Richter und Anwälte müssen genau wissen wann, wo und was passiert sei.
(APA/red)
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