Montag, 9. Oktober 2006

Ungelöste Ortstafelfrage: Schulterschluss
von Heimatdienst, Slowenen und Kirche

  • Auch SPÖ, ÖVP & Grünen unterzeichnen Erklärung
  • BZÖ und FPÖ sowie Slowenenrat fehlten bei Feier

Einen breiten Schulterschluss vor dem Hintergrund der noch offenen Ortstafelfrage gibt es jetzt in Kärnten zwischen Slowenenvertretern, dem Kärntner Heimatdienst, der katholischen und evangelischen Kirche sowie den Spitzen von SPÖ, ÖVP und Grünen. Anlässlich der 86. Wiederkehr des Tages der Kärntner Volksabstimmung vom 10. Oktober 1920 wurde im Landhaushof in Klagenfurt eine feierliche Erklärung unterzeichnet, welche auf die Verpflichtung eines friedlichen Miteinanders der beiden Volksgruppen hinweist.

In der Erklärung wird die gemeinsame Vergangenheit und Zukunft der deutsch- und slowenischsprachigen Bevölkerung betont und die Überzeugung zum Ausdruck gebracht, dass "durch den Wunsch von Mehrheit und Minderheit in Kärnten nach Verständigung und Versöhnung ein wichtiger Beitrag für die Erhaltung des Friedens in Kärnten und Österreich, aber auch in Europa geleistet werden kann und soll".

Weiter heißt es, die Unterzeichneten seien sich "ihrer Verpflichtung und Verantwortung bewusst, die Beziehungen zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen in Kärnten im Geiste eines friedlichen Miteinanders und der guten Partnerschaft aktiv weiter zu entwickeln und damit zur gemeinsamen Gestaltung des Heimatlandes Kärnten beizutragen".

"Tag der gemeinsamen Heimat Kärnten"
Ausgearbeitet wurde die Erklärung mit dem Titel "Tag der gemeinsamen Heimat Kärnten" von der im Jahre 2005 ins Leben gerufenen "Konsensgruppe", welcher KHD-Obmann Josef Feldner, die Chefs des Zentralverbandes slowenischer Organisationen und der Gemeinschaft der Kärntner Slowenen, Marjan Sturm und Bernard Sadovnik, sowie der Sprecher der "Plattform Kärnten" und frühere Kleine-Zeitung-Chefredakteur Heinz Stritzl angehören.

Der als "Moderator" der Konsensgruppe fungierende Historiker Stefan Karner erinnerte in seiner Ansprache vor der "Stätte der Kärntner Einheit" gegenüber dem Landhaus an die jahrzehntelangen Bemühungen um einen fruchtbaren Dialog zwischen den beiden Volksgruppen. Die jetzt zu Stande gekommene Erklärung sei "der breiteste Konsens, den es bisher gegeben hat" und darauf müsse man aufbauen, welche Bundesregierung auch immer komme.

Die Feierstunde, einen Tag vor der offiziellen Landesfeier zum 10. Oktober, wurde von Musikern des Bundesheeres sowie von zwei Chören - einem deutschsprachigen und einem slowenischsprachigen - umrahmt. Nach den Proponenten der Konsensgruppe unterzeichneten Bischof Alois Schwarz, Superintendent Manfred Sauer, das SPÖ-Regierungsteam mit LHStv. Gaby Schaunig, und den Landesräten Reinhart Rohr und Wolfgang Schantl sowie ÖVP-Chef LR Josef Martinz und weitere Vertreter des öffentlichen Lebens die Erklärung.

BZÖ und FPÖ sowie Slowenenrat fehlten
Vertreter des BZÖ und der FPÖ sowie auch des Kärntner Abwehrkämpferbundes blieben dem Festakt fern. Dessen Obmann Fritz Schretter ist ein ebenso scharfer Gegner zusätzlicher zweisprachiger Ortstafeln wie die FPÖ unter ihrem geschäftsführenden Obmann Karlheinz Klement.

Die Versöhnungsfeier zeigte aber auch den deutlichen Riss unter den Slowenenvertretungen. Ebenfalls nicht anwesend war nämlich die neben der Gemeinschaft und dem Zentralverband dritte dieser Organisationen, der Rat der Kärntner Slowenen mit Obmann Matthäus Grilc und seinem Stellvertreter Rudi Vouk.

Der Obmann der Gemeinschaft der Kärntner Slowenen, Bernard Sadovnik, wies im Gespräch mit der APA darauf hin, dass er den Rat ebenso eingeladen habe wie die auch nicht anwesende Einheitsliste als politische Vertretung der Kärntner Slowenen sowie das BZÖ und die FPÖ. Sadovnik bedauerte, dass diese Einladung zum Konsens nicht angenommen wurde.

(apa/red)

9.10.2006 13:27