Montag, 9. Oktober 2006

Airbus steckt in der Krise: Nach 3 Monaten wirdt Konzern-Chef Streiff das Handtuch

  • Umsetzung des Sparprogramms nicht gelungen
  • EADS-Co-Chef Gallois wird vermutlich Nachfolger

Führungswechsel in der Krise: Airbus-Chef Christian Streiff ist zurückgetreten und durch EADS-Co-Präsident Louis Gallois ersetzt worden, wie die Airbus-Mutter am Abend mitteilte. Gallois werde seinen Posten an der Doppelspitze des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns behalten. Am von Streiff entwickelten Spar- und Umstrukturierungsprogramm werde festgehalten, hieß es in einer Mitteilung von EADS.

Streiff hatte erst vor kurzem sein "Power-8-Programm" vorgestellt, das Einsparungen in Milliardenhöhe vorsieht und von dem auch die sieben deutschen Standorte betroffen sein könnten. Sowohl das Sparprogramm sowie Maßnahmen zur Optimierung des A380-Programms würden einstimmig unterstützt, erklärte das Airbus Board of Directors.

Gallois gilt als Mann es Ausgleichs. Er sitzt seit 2000 im Verwaltungsrat von EADS und wurde erst Anfang Juli zu dessen Co-Chef berufen. Seitdem führt er die Airbus-Mutter zusammen mit Tom Enders, der nun die direkten Management-Verantwortlichkeiten für Airbus abgeben muss. Enders werde künftig für alle Bereiche außer der Airbus-Sparte verantwortlich sein, hieß es in der EADS-Mitteilung.

Streiff war erst im Juli zum Nachfolger von Gustav Humbert berufen worden, den die Lieferverzögerungen beim A380 den Job kosteten. Die Krise führte auch zur Entlassung von EADS-Co-Chef, Noel Forgeard, der im selben Monat von Gallois ersetzt wurde.

Eine Lösung der Führungskrise war umso dringender geworden, weil bedeutende Entscheidungen bei Airbus getroffen werden müssen: Neben einem Sparprogramm, mit dem wegen der zweijährigen Lieferverzögerungen beim A380 Verluste von 4,8 Milliarden Euro bis 2010 aufgefangen werden müssen, steht ein Beschluss über den Langstreckenjet A350 aus, mit dem sich Airbus gegen Boeing in Stellung bringen will. (apa)

9.10.2006 20:45