Freitag, 6. Oktober 2006

Die Topwohnungen werden immer teurer:
Der Boom am Luxusappartement-Markt

  • Das Angebot ist knapp, vor allem in der Wiener City
  • FORMAT: Experten sagen einen weiteren Hype voraus

Der Interessent war fassungslos. Ein lediglich 37 Quadratmeter großes Appartement am Wiener Graben sollte die Kleinigkeit von 310.000 Euro kosten. Ganz ähnlich ein Angebot im Nobelbezirk Döbling in bester Lage: Schmale 90 Quadratmeter werden vom Bauträger Gewo in der Siolygasse für eine halbe Million Euro angeboten. Käufer für solche raren Objekte gibt es offenbar genug.

Ist ein potenzieller Käufer vom Preis zunächst abgeschreckt, greift der nächste beherzt zu, weil er fürchtet, dass es später noch teurer wird. Eine Annahme, die sich in der Praxis meist bestätigt. "Die Schere klafft immer weiter auseinander", beschreibt der Wiener Immobilienmakler Georg Spiegelfeld die aktuelle Lage am Wohnungsmarkt, "Exklusives geht weg wie die warmen Semmeln, billig geht auch gut, aber das mittlere Segment bricht weg."

Jährliche Preissteigerungen
"Vor vier Jahren", so beobachtet Gerhard Wonnerth, Chef der Gewo Projektbau, "kostete der Quadratmeter im 19. Bezirk für neue Wohnungen um die 3.500 Euro, heute liegen wir bei 5.500 bis 6.000 Euro, das ist eine Steigerung um 50 Prozent oder jährlich um etwa 10 Prozent." Immobilienstatistiken, wie von der Innung der Immobilienhändler jährlich erstellt, würden die Realität vor allem im Topsegment nicht wirklich abbilden, "denn viele private Bauträger, so Wonnerth, "melden ihre Daten gar nicht weiter". Tatsächlich scheint die Preisentwicklung gerade in der Wiener Innenstadt völlig abgehoben. Laut Innungsangabe bezahlte man 2001 für eine Toplage in der City 4.922,50 Euro und 2006 5.848,30 Euro (siehe Grafik). Aber für exklusive Objekte werden derzeit Preise von 10.000 Euro und mehr pro Quadratmeter erzielt, und Preise von 5.000 bis 6.000 Euro pro Quadratmeter für weniger Nobles sind praktisch die Normalität. Das war vor wenigen Jahren einfach unvorstellbar", registriert Spiegelfeld.

Es gibt genug Geld
Die Gründe für diese Entwicklung sind mannigfaltig. Zu den wichtigsten gehört die Liquidität. "Es ist einfach genug Geld am Markt", beobachtet der Wiener Immobilienmakler Ernst Thomas. Die Erbengeneration sucht sichere, lukrative Anlagen und kauft Immobilien. Dazu drängen auch immer mehr Ausländer nach Wien, "denen es völlig egal ist, ob eine Wohnung 100.000 oder 200.000 Euro mehr kostet oder nicht, wenn das Objekt gefällt", so Thomas. "Wien zieht jetzt nach", konstatiert Spiegelfeld, "ist als neuer Standort begehrt aufgrund der Sicherheit, Kultur und schönen Umgebung."

Außerhalb der Stadt
Ein wenig differenzierter stellt sich die Situation außerhalb der City dar. Laut Statistik 2006 der Immobilieninnung verkaufen sich gebrauchte Eigentumswohnungen der Baujahre 1960 bis 1975 nur zäh, vor allem jene in den Bezirken 3, 5 und 6. Auch in den Nobelbezirken Döbling, Währing und Hietzing waren seit 2002 keine spektakulären Wertsteigerungen zu beobachten. Der Makler Eggert Koch registriert aber, dass "selbst in diesem Segment Preissteigerungen von jährlich fünf bis acht Prozent erzielt werden können, einfach weil es keine Baureserven mehr gibt und das Angebot knapp wird".

Der Neubau
Erfolgreicher ist das Geschäft mit dem Neubau. Winfried Kallinger, Chef des Bauträgers Kallco, der im mittelpreisigen Bereich mitmischt: "Geförderte Eigentumswohnungen gibt es praktisch nicht mehr, und frei finanzierte werden schon aufgrund steigender Grundstückspreise teurer." Allerdings jährlich nur zwischen drei und fünf Prozent. Kallinger glaubt, dass "hier der große Preisschub vorbei ist" und künftig keine spektakulären Sprünge zu erwarten sind.

Salzburg und Bregenz teuer
In den Bundesländern zählen die Städte Salzburg und Bregenz zu den teuersten Immobilienstandorten des Landes. "Auch hier", bestätigt Samina Rehmann, Immobilienexpertin aus Bregenz, "ist genug Geld am Markt, Topobjekte am Bodensee sind sehr rar". Für 250 Quadratmeter in Ufernähe zahlen beispielsweise deutsche Zuwanderer locker 1,6 Millionen Euro. In Salzburg verzeichnet der Immobilienprofi Alexander Kurz "nur im Topsegment große Preissteigerungen". Für gute Lagen, etwa in Aigen, zahlt man 5.000 bis 6.000 Euro. Kein Problem für deutsche Ansiedler, die dieses Niveau hoch halten.

6.10.2006 13:12