Freitag, 6. Oktober 2006

Berliner Agentur hilft beim Schluss machen
- Zweigstelle in Österreich schon in Planung

  • Kärendes Gespräch mit Partner gibt's ab 19,59 Euro
  • Zwei Drittel der Trennungsagentur-Kunden weiblich

Wenn die Schmetterlinge im Bauch ausgeflogen sind und die Liebe dem Herzschmerz weicht, stehen Paare oft vor dem Unausweichlichen: der Trennung. Wer diesen Schritt nicht wagt oder glaubt, nicht die richtigen Worte zu finden, kann sich in Deutschland nun von Profis helfen lassen: Der Berliner Geschäftsmann Bernd Dressler macht für seine Kunden Schluss: Ab 19,95 Euro führt er mit dem zukünftigen Ex ein klärendes Gespräch. Wegen der starken Nachfrage will er seinen Service auch in Österreich anbieten.

Aus vier Angeboten kann der unglückliche Partner auf der Website www.trennungsagentur.com wählen: Mit "Lass uns Freunde bleiben" und "Lass mich in Ruhe" beauftragt er Dressler zu einem freundlichen bzw. bestimmten Telefonat mit dem künftig Verflossenen. Die beiden Services wurden "aus Kostengründen" bisher am häufigsten nachgefragt, berichtete der Unternehmer. Einer von fünf Aufträgen sei ein persönliches Gespräch um 49,95 Euro. Zusätzlich bietet Dressler an, Gegenstände des Kunden aus der Wohnung des Partners mitzunehmen. "Aber nur bis Koffergröße - mit einem Möbelwagen rücke ich nicht aus", schmunzelt er. "Schriftliches Schlussmachen", bei dem der Profi um 29,95 Euro einen letzten Brief schreibt, wurde bisher erst einmal verlangt, erzählte der Unternehmer.

Schneller Schlussstrich
Vor einem Einsatz informiert sich Dressler beim Auftraggeber über das unglückliche Paar: Drei Trennungsgründe und eine positive Erinnerung an die Beziehung, "als Zuckerl" für den Verlassenen, muss der Kunde dem Internet-Unternehmer im Vorfeld nennen. Der "Akt" des Schluss-Machens sei in drei bis fünf Minuten geschehen, sagte er. Auf Diskussionen lasse er sich nicht ein.

Verlassene glauben meist an Gag
Steht der Schlussmacher vor der Türe, sind die Menschen "total überrascht", berichtete der Berliner. "Ich werde fast immer gefragt ob das ein Gag ist", erzählte er. Ab und zu falle auch einmal ein "kräftiges Wort" - zu körperlichen Übergriffen sei es jedoch noch nicht gekommen. "Wenn Gewaltpotenzial vorhanden ist, führe ich ein Telefongespräch", erklärte der Unternehmer.

Zwei Drittel der Kunden weiblich
Hauptsächlich betreue er unglückliche Frauen und Männer zwischen 16 und 40 Jahren. Zwei Drittel seiner Klientel sind weiblich. Viele haben bis dorthin eine relativ kurze Beziehung geführt - aber auch Partner, die beispielsweise eine vierjährige Beziehung beenden wollen, wendeten sich schon an den Online-Unternehmer.

Österreich-Filiale geplant
Seit Anfang August haben Dressler und seine beiden Mitarbeiter in Berlin, Düsseldorf und Stuttgart 56 Paare getrennt. Auch in die Alpenrepublik wolle er das Konzept exportieren - etliche Österreicher hätten schon Interesse an der Geschäftsidee bekundet. "Seit 30 Jahren gibt es Partnerschaftsagenturen. Niemand wollte glauben, dass das ein Markt wird", so der Unternehmer. "In vier bis fünf Jahren wird auch die Dienstleistung 'Trennung' ganz normal sein", meinte er.

"Sprechender Briefträger"
"Die Menschen werden bequemer. Sie sind immer weniger dazu bereit, Unangenehmes zu tun", sagte Dressler zu dem Boom seines Geschäfts. Der Berliner sieht sich als "sprechenden Briefträger. Ich bin kein fieser Schlussmacher", meinte der Betreiber einer Firma für Geschäftsideen, "Ich bringe nur die Botschaft von A nach B."

Sexualtherapeuten: "Brutal"
Als "eine der brutalsten Formen, jemanden abzustellen", bezeichnete die Sexualtherapeutin im Berufsverband der österreichischen Psychologen (BÖP), Sonja Kinigadner eine Trennung über einen Dritten oder gar über E-Mail oder SMS. Der Verlassene stehe vor einer nicht mehr ausdiskutierbaren Realität ohne Möglichkeit, sich zu rechtfertigen oder den Schritt noch einmal zu besprechen.

Angst und falsches Mitleid
Als Gründe, warum immer mehr Menschen Trennungs-Spezialisten engagieren, nannte die Psychologin Sprachlosigkeit zwischen den Partnern oder Angst vor den Reaktionen des zukünftigen Ex. Viele Menschen seien nicht konfliktfähig oder können und wollen sich nicht um die traurigen Gefühle des anderen kümmern. Auch "falsches Mitleid" könne ein Grund für die Beauftragung von "Profis" wie Bernd Dressler sein: Weil man dem Partner nicht selbst wehtun will, soll es ein anderer machen. Schuldgefühle könnten ebenso eine Rolle spielen. Wer bereits einen anderen Partner hat, will dem Betrogenen womöglich nicht mehr in die Augen schauen, analysierte Kinigadner. Für den Verlassenen könne eine solche Art der Trennung ein jahrelanges Trauma bedeuten. (APA/red)

6.10.2006 12:17