Roter Wendekanzler: Wohin geht die Reise? Ins Kanzleramt oder Richtung Neuwahl?
- Wie Gusenbauer nach dem Sensationstriumph regieren will. Wer seine Ministerkandidaten sind.

Roter Sieg. Rotes Risiko. Welche Szenarien Gusenbauer als Kanzler verhindern könnten. Wie sich der SP-Chef dagegen wehren will.
Er wirft einen fast verschwörerischen Blick auf das riesige Porträt Bruno Kreiskys auf sein großes Vorbild, den roten Übervater schlechthin. Fast so, als wolle er dem legendären Bundeskanzler und SPÖ-Vorsitzenden zuflüstern: Schau her, wie hab ich das gemacht?
Verständlich für einen, der schon halbtotgesagt wurde. Jetzt aber ist Alfred Gusenbauer der entspannte, der lockere und gut gelaunte SP-Chef, wie man ihn sich noch vor einiger Zeit nicht hätte vorstellen können. Der überraschende Wahlsieger, den alle schon fast als sichere Nummer zwei wähnten, weiß dennoch, dass jetzt erst das wahre Match seines Lebens beginnt.
Zwar hat er die Schlacht gegen Kanzler Wolfgang Schüssel der zum fast Unbesiegbaren stilisiert worden war gewonnen; zwar hat er all die Zweifler in den eigenen Reihen blitzartig zum Verstummen gebracht; zwar wird er nächste Woche den Auftrag zur Regierungsbildung erhalten und doch: Leicht wird der Weg ins Bundeskanzleramt für den 46-Jährigen sicher nicht. Denn sein Triumph gegen den schwarzen Amtsinhaber hat die ÖVP in eine explosive Mischung aus Schmerz, Wut und Rachegelüsten gestürzt.
Gusenbauers größtes Match. Der abgewählte Bundeskanzler, der sich schon 1999 als Nummer drei zur Nummer eins gepokert hatte, will das erzählen zumindest Kenner Schüssels die Macht nicht so einfach abgeben. Er werde alles versuchen, um auf seinem Sessel sitzen zu bleiben, vermutet denn auch SPÖ-Klubchef Josef Cap. Einfach, das sagt auch Gusenbauer im NEWS-Interview, werde es sicher nicht.
Und doch will sich Gusenbauer die gute Laune vorerst nicht vermiesen lassen. Er verstehe ja den Groll der Verlierer, gibt er sich konziliant, und doch müsse man bald das Wahlergebnis akzeptieren. Einbunkern ist sicher keine gute Strategie. Er jedenfalls setze auf eine Politik der ausgestreckten Hand und werde der ÖVP ein Angebot machen.
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