Wirtschafts-Nobelpreis bleibt in den USA: Edmund Phelps mit begehrtem Preis geehrt
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Auszeichnung mit 1,1 Millionen Euro dotiert
Der Wirtschaftsnobelpreis ist das siebente Jahr in Folge an einen Amerikaner gegangen. Edmund S. Phelps bekommt die mit zehn Millionen Kronen (rund 1,1 Millionen Euro) dotierte Auszeichnung für seine "Analyse vom Verhältnis kurz- und langfristiger Effekte in der Wirtschaftspolitik". Die Königliche Akademie der Wissenschaften in Stockholm erklärte zur Begründung, der 73-jährige Professor der Columbia-Universität habe mit seiner Arbeit das Verständnis für den Zusammenhang von Inflation und Arbeitslosigkeit vertieft.
Der neueste Wirtschaftsnobelpreisträger sei "einer der ganz großen Ökonomen, der verdientermaßen gelobt wird", sagte der Leiter des Instituts für Höhere Studien (IHS), Bernhard Felderer, zur APA. Seine Leistung sei "aktuell und bemerkenswert". Verhaltene Kritik an der Wahl der Akademie in Stockholm kommt hingegen von Herbert Walther, einem Arbeitsmarkttheoretiker an der Wirtschaftsuniversität Wien: Phelps sei "alt und ehrwürdig" - Jüngere wie etwa Edward Lazear, Mitbegründer der Personalökonomik, hätten seiner Ansicht nach die Auszeichnung eher verdient.
Der seit vielen Jahren als aussichtsreicher Anwärter geltende Phelps zeigte sich überrascht von der Entscheidung des Stockholmer Gremiums, das zum ersten Mal seit 1999 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften wieder einem einzelnen Forscher zugesprochen hatte. Er habe zwar nicht ausgeschlossen, dass er den Preis erhalten könnte, sei sich aber nie sicher gewesen, wann und ob.
Phelps stellte in den späten 60er Jahren die herrschende Theorie über Arbeitslosigkeit und Inflation in Frage. Der damaligen Lehre zufolge war der Preis für sinkende Arbeitslosigkeit ein einmaliger Anstieg der Inflation. Phelps habe dagegen erkannt, dass nicht nur ein Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit bestehe, sondern die Inflation auch von den Erwartungen der Unternehmen und Beschäftigten bezüglich der weiteren Entwicklung von Löhnen und Verbraucherpreisen abhänge, erklärte die Königliche Akademie. Die Arbeit des an der Columbia University lehrenden Phelps habe entscheidende Impulse sowohl für andere Forscher wie für die Wirtschaftspolitik gegeben, hieß es zur Begründung der Stockholmer Wissenschaftsakademie.
Komiteechef Jörgen Weibull sagte nach der Bekanntgabe, die Theorien von Phelps seien auch nach 40 Jahren hochaktuell: "Man frage nur die Finanzminister in der EU nach ihren Erwartungen an Inflation und den Arbeitsmarkt." Phelps habe die Theorien von John Maynard Keynes (1883-1946) gleichzeitig weiterentwickelt und zu ihrem Kern zurückgeführt. Der Forscher habe mit seinen Arbeiten das Verständnis für den Zusammenhang von stabilen Preisen, Wirtschaftswachstum und Vollbeschäftigung - den wichtigen Zielen von Volkswirtschaften - vertieft. Seinen Analysen hätten nicht nur die ökonomische Theorie maßgeblich beeinflusst, sondern auch die Wirtschaftspolitik und die Zinspolitik von Notenbanken. "Phelps Arbeit hat entscheidend unsere Erkenntnisse über die Funktionsweise von Volkswirtschaften verändert," erklärte das Gremium.
Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften gehört allerdings nicht zu den fünf ursprünglichen Nobelpreisen. Er wurde erst 1968 von der Schwedischen Reichsbank aus Anlass ihres 300-jährigen Bestehens gestiftet und 1969 zum ersten Mal verliehen. Die Preisträger werden daher auch nicht in der offiziellen Liste des Nobelinstituts aufgeführt, sondern nur in einem Anhang. Bei dem generell stark umstrittenen Wirtschaftspreis konnten die USA ihre beispiellose Vormachtstellung heuer weiter ausbauen. Von den 58 durchweg männlichen Preisträgern seit der ersten Vergabe 1969 haben 44 in den Vereinigten Staaten wissenschaftlich gearbeitet. "Wir als Juroren sind völlig farbenblind, was die Herkunft angeht. Aber die USA haben einfach knallhart auf wissenschaftliche Ausbildung und Talentförderung gesetzt", meinte Komiteechef Weibull zur US-Dominanz. (apa/red)
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