Donnerstag, 5. Oktober 2006

Schon über 80 Mio. Stück aufgegriffen: Geschäft mit illegalen Zigaretten blüht

  • Besonders Fälschungen bekannter Marken im Umlauf

Das Geschäft mit illegalen Zigaretten blüht: Nach Angaben von Herwig Heller, Leiter der Betrugsbekämpfung im Finanzministerium, wurden heuer bis inklusive August mehr als 80 Millionen Glimmstängel in Österreich aufgegriffen, im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es rund 57 Millionen. Eine immer größere Rolle dabei spielen Fälschungen bekannter Marken, wie es bei einem Workshop des Tabakkonzerns Philip Morris in Wien hieß.

Bereits 45 Prozent in Österreich betreffen laut Heller Falsifikate. "Vor fünf Jahren waren es höchstens fünf bis zehn Prozent", sagte der Betrugsbekämpfer. "Der Trend geht eindeutig hinauf." Nicht zuletzt sei mit Originalmarken aus Billigländern nicht mehr so viel Profit zu machen. Beispiel Polen: Dort kostet die Packung zwei Euro. Rechnet man die Transportkosten dazu, ist der Preis für diese Zigaretten kaum mehr attraktiv. Fälschungen in China würden hingegen einen Euro an Produktionskosten verursachen und damit zuzüglich der Transportkosten dennoch weit billiger angeboten werden können. "Die Produkte konkurrenzieren sich gegenseitig", erklärte Heller.

Dabei gibt es Fabriken nicht nur in fernöstlichen Ländern. So wurden im Vorjahr laut Johannes Graf Esterhazy von Philip Morris International Produktionsstätten in Koblenz und Köln ausgehoben, diesen Sommer entdeckten die Fahnder eine Fabrik in Salzburg. Auch die Niederlande und die baltischen Staaten wurden bereits fündig. In Deutschland wurden im Vorjahr etwa 524 Tonnen Tabak und mehr als 100 Millionen gefälschter Zigaretten sichergestellt. "89 Prozent der Aufgriffe in Deutschland betrafen gefälschte Produkte", sagte Esterhazy. Zudem bemerke man, dass die Falsifikate zunehmend Länder spezifische Produkte. Früher seien es vor allem Duty Free-Zigaretten gewesen.

Die Tabakkonzerne haben selbst klarerweise fundamentales Interesse daran, den Markt für illegale Zigaretten einzudämmen. Das betreffe nicht nur Umsatzeinbußen, sagte Dettmar Delbos von Philip Morris. Vor allem gefälschte Glimmstängel können einen erheblichen Imageschaden für das Unternehmen bedeuten. "Unsere Produkte sind überwiegend im höherpreisigen Segment angesiedelt. Die Kunden glauben meist, geschmuggelte, aber echte Zigaretten zu kaufen. Wenn der Konsument dann eine gefälschte Marlboro raucht und die abscheulich schmeckt, dann wird er sagen: 'Die Marlboro ist auch nicht mehr das, was sie einmal war'", erläuterte Esterhazy. (APA/red)

5.10.2006 12:03