Wettskandal in Deutschland: Staatsanwalt erhebt Klage gegen acht Verdächtige
- Manipulationsversuche auch in österreichischer Liga
Im Wettskandal um die Manipulation von Fußballspielen hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft nun Anklage gegen acht Männer im Alter zwischen 21 und 45 Jahren erhoben. Die Beschuldigten, von denen zwei des versuchten und vollendeten Betrugs bezichtigt werden, sollen Spiele der 2. deutschen Bundesliga, der beiden deutschen Regionalligen Nord und Süd sowie der ersten österreichischen Bundesliga manipuliert haben.
Den Angeklagten wird die "Verabredung zu gewerbsmäßigem und bandenmäßigem Betrug" im Zeitraum von Sommer 2005 bis zum 6. März 2006 vorgeworfen. Als Kopf der Bande gilt ein 45-jähriger Asiate, dessen Nationalität nicht geklärt ist. Im Zuge der Ermittlungen waren im vergangenen April auch Verdächtigungen gegen den damaligen Trainer des österreichischen Bundesliga-Klubs Michael Petrovic sowie gegen Sturm-Angreifer Bojan Filipovic erhoben worden. Die Beschuldigten hatten die Vorwürfe stets bestritten.
Dreistellige Millionen-Beträge im Spiel
Der seit Anfang März in Untersuchungshaft sitzende, asiatische Chef der insgesamt vierköpfigen Bande, soll im Sommer 2005 zusammen mit einem 24-jährigen Libanesen, der unter dem Namen "Ali" auftrat, vereinbart haben, Profifußballern aus den genannten Ligen Geld dafür zu bieten, dass sie das Spielergebnis manipulieren sollen. Dadurch wollten sie bei meist im Ausland platzierten Wetten große Gewinne erzielen. Die Staatsanwaltschaft geht von Wettumsätzen in Höhe von zwei- bis dreistelligen Euro-Millionenbeträgen aus.
Zu den Angeklagten in zehn ermittelten Fällen zählen des weiteren ein 43-jähriger Serbe, der ehemals Profi und Trainer war, ein 28-jähriger Lizenzspieler des deutschen Regionalligisten SV 07 Elversberg, zwei afrikanische Spieler von Rot-Weiß Erfurt, ein Portugiese von der SpVgg Bayreuth sowie ein 26-Jähriger mit deutscher und polnischer Staatsangehörigkeit. Dieser wird als "rechte Hand" des 45-jährigen Asiaten der Beihilfe zu den Taten der anderen Angeklagten bezichtigt.
Spieler bestochen
Es soll versucht worden sein, Fußballer mit Beträgen von 5.000 und 15.000 Euro zu bestechen. Sie sollten im Gegenzug durch schlechte Leistungen zu bestimmten Spielergebnissen beitragen, auf die die Betrüger in Asien hohe Geldbeträge wetteten. Für einen Elfmeter gegen die eigene Mannschaft oder einen Ausschluss sollte es extra Geld geben. Die Kontakte zu den Kickern verschafften den Betrügern der 43-jährige, frühere serbische Profifußballer und der Elversberg-Spieler. Mehrere weitere Fußballer, die nur selbst Geld angenommen hatten, sind nicht angeklagt.
Manipulationen gingen selten auf
Die meisten der von der Staatsanwaltschaft aufgedeckten Manipulationsversuche schlugen allerdings fehl - entweder weil die Spiele anders ausgingen als geplant oder weil sie Anfang März dem schlechten Wetter zum Opfer fielen. Nur bei der Zweitliga-Partie zwischen den Sportfreunden Siegen und Hansa Rostock am 26. Februar, vor dem ein Siegener Spieler Geld dafür bekommen haben soll, dass weniger als drei Tore fallen und Rostock mindestens einen Treffer erzielt, ging die Rechnung der Zocker auf. Rostock gewann mit 2:0.
Die zehn aufgedeckten Fälle seien aber wohl nur die Spitze des Eisbergs, sagte Staatsanwältin Silke Hüttig. Schon zwei Wochen nach Aufnahme der Ermittlungen seien die Verdächtigen festgenommen worden, um weitere Spielmanipulationen zu verhindern. Es sei davon auszugehen, dass der Asiate und der Libanese mit Wetten insgesamt mehr gewonnen als verloren hätten. Allein bei einem asiatischen Wettanbieter hätten sie mehrstellige Millionensummen gesetzt.
(apa/red)
