Donnerstag, 12. Oktober 2006

Nach angeblichem Atomtest in Nordkorea: Südkorea entdeckt keine erhöhte Strahlung

  • Auswertung von Luftproben zeigt "normale Werte"
  • Weiterhin herrscht Unklarheit über zweiten Atomtest

Südkorea hat nach dem von Pjöngjang gemeldeten Atomwaffentest bisher keine erhöhten Strahlenwerte gemessen. Das teilte das staatliche Korea-Institut für Nukleare Sicherheit nach Auswertung von Luftproben mit, die seit dem unterirdischen Test genommen worden seien. "Bis jetzt gibt es keine unnormalen Werte von Radioaktivität", sagte Institutssprecher Han Seung Jae in Seoul.

Die Spekulationen über einen eventuellen zweiten nordkoreanischen Atomtest könnte einem US-Regierungsvertreter zufolge durch ein Erdbeben ausgelöst worden sein. Das Nationale Geologische Institut der USA teilte mit, es habe ein Beben der Stärke 5,8 nahe der Küste Nordjapans verzeichnet. Der Stoß habe sich in einer Tiefe von 30 Kilometern ereignet.

Zugleich hatte ein japanischer Fernsehsender berichtet, Regierungsvertreter hätten Informationen, dass es ein Beben in Nordkorea gegeben habe. Die Behörden prüften die Möglichkeit eines zweiten Tests, hieß es.

Weder Japan noch die USA bestätigten den Bericht. "Mir ist gerade gesagt worden, dass es sich um einen falschen Alarm gehandelt hat, um ein Erdbeben", sagte der führende Mitarbeiter der US-Regierung, als er von Journalisten auf die Spekulationen angesprochen wurde. Er wollte namentlich nicht genannt werden.

Die Regierung in Pjöngjang hatte nach eigenen Angaben am Montag erstmals eine Atombombe getestet. Das Vorgehen war international heftig kritisiert worden. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) berät derzeit über Sanktionen gegen das kommunistische Land.

Einen Tag nach seinem international schärfstens verurteilten Atomwaffentest hat Nordkorea weiter auf Drohgebärden gesetzt und mit dem Abschuss einer atomar bestückten Rakete gedroht. "Wir hoffen, dass die Lage geklärt ist, bevor es zu einem unglücklichen Zwischenfall kommt und wir eine Atomrakete abfeuern", zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap einen nordkoreanischen Regierungsmitarbeiter. "Alles hängt von der Reaktion der Vereinigten Staaten ab." Nordkorea wolle vor allem Sicherheit. Der Atomtest vom Vortag sei in politischer und diplomatischer Hinsicht ein Ausdruck dafür, dass die nordkoreanische Führung direkt mit den USA verhandeln wolle.

Pjöngjang sei bereit, sein Atomprogramm aufzugeben und sich wieder an den Sechs-Länder-Gesprächen zu beteiligen, sagte der Regierungsmitarbeiter - "aber nur, wenn die USA entsprechende Maßnahmen ergreifen". Die kommunistische Führung werde sich dem Druck aus dem Ausland nicht beugen. "Wir haben nichts mehr zu verlieren. Strafen werden keine Lösung sein."

Raketenspezialist zweifelt an Atomtest
Der deutsche Raketenspezialist Robert Schmucker hält es für möglich, dass Nordkorea seinen Atombombentest vom Montag nur vorgetäuscht hat. Alles deute auf eine relativ schwache Explosion hin, sagte der Bundeswehr- und NATO-Berater im Westdeutschen Rundfunk. "Es kann also eine konventionelle Ladung gewesen sein. Oder es war ein Nukleartest, der nicht ganz gelungen ist", sagte Schmucker. "Da hat irgendwas nicht ganz funktioniert."

Der Experte erwartet, dass die Auswertung von Überwachungsdaten in wenigen Tagen Klarheit über die vermeintliche Atombombenexplosion bringen werde. "Wir werden sicher feststellen, ob das was war", sagte Schmucker, der Professor am Lehrstuhl für Raumfahrttechnik an der TU München ist.

Im Gegensatz zu großen Atomexplosionen mit einer Sprengkraft von mehr als 10.000 Tonnen TNT könnten kleine Atomexplosionen möglicherweise simuliert werden. Der südkoreanische Geheimdienst hatte die Stärke des Tests vom Montag auf weniger als tausend Tonnen TNT geschätzt. Russland hatte dagegen mehr als 5.000 Tonnen Sprengkraft für möglich gehalten.

Nordkoreas Grenzsoldaten "provozieren"
Den nordkoreanischen Soldaten hat der angebliche Atombombentest ihres Landes ganz offenbar neues Selbstbewusstsein verliehen. "Sie sind selbstsicherer beim Kontakt mit unseren Soldaten", sagte US-Major José DeVarona an der innerkoreanischen Grenze und berichtete von kleineren Provokationen: Nordkoreaner hätten über die Grenze gespuckt, den Mittelfinger gezeigt und Gesten des Halsdurchschneidens gemacht. Zwei nordkoreanische Offiziere gingen zur Demarkationslinie und stellten sich dort zehn Minuten lang TV-Kameramännern und Fotografen. Die Situation an der Grenze sei insgesamt aber ruhig und normal, sagte DeVarona.

(apa/red)

12.10.2006 10:38