Kampf gegen Hunger und Krankheiten verloren: Täglich sterben 80 Kinder in Darfur
- UNICEF: Keine medizinische Versorgung in Krisenzone
- Spendengelder reichen nur mehr bis Jahresende!

Nur vier Monate wurde Fausia alt. Als Kleinste von Drillingen kam sie im Mai auf die Welt - im Norden der sudanesischen Krisenprovinz Darfur, wo es für das Mädchen weder genug Milch noch die nötige medizinische Versorgung gab. Im September verlor Fausia den Kampf gegen Hunger und Krankheiten. Nach einer Schätzung des Kinderhilfswerks UNICEF kosten die katastrophalen Lebensbedingungen in Darfur jeden Tag etwa 80 Babys und Kleinkinder wie Fausia das Leben.
"Sie hatte Fieber, dann Durchfall, und dann ist sie gestorben", sagt Fausias Mutter Myriam Ibrahim. Die 28-Jährige hatte nicht genug Milch für ihre Drillinge, und Fausia wurde nach der Geburt zunächst in einem Krankenhaus in El Fascher über eine Sonde ernährt. Nach der notdürftigsten Versorgung wurde Myriam Ibrahim mit ihren drei Babys nach Hause nach Mellit geschickt, knapp 50 Kilometer nördlich von El Fascher.
Wegen der anhaltenden Gewalt, der im Sommer auch 13 Mitarbeiter zum Opfer fielen, hatten Hilfsorganisationen allerdings inzwischen ihr Personal aus der Region abgezogen. 350.000 Menschen waren zuvor medizinisch versorgt und mit Lebensmitteln beliefert worden, jetzt gab es für sie keinerlei Unterstützung mehr. Die Kindersterblichkeit werde nach dem Abzug der Hilfsorganisationen rasch steigen, warnte der für den Sudan zuständige UNICEF-Leiter Jonathan Vietch. Die Organisation geht davon aus, dass in Darfur jeden Tag rund 80 Kinder, die noch nicht einmal fünf Jahre alt sind, an den Folgen von Mangelernährung und Krankheiten sterben.
Fausia hätte vermutlich überleben können, wenn ihr rechtzeitig geholfen worden wäre, erklären Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. Erst Ende September sind sie in die Region zurückgekehrt.
In den vergangenen Wochen und Monaten habe sie das Milchpulver für Fausias Geschwister strikt einteilen müssen, sagt Myriam Ibrahim. Glücklicherweise sind die beiden Mädchen gesund. Reichen wird die Milch für sie aber nur noch eine Woche. Und das Krankenhaus in Mellit hat nicht genügend Geld, um Milchpulver zu kaufen, wie Auatif Chalil, eine Ernährungsberaterin der Regierung, betont. "Es ist Sache der Eltern, das in Apotheken in El Fascher zu kaufen", sagt Chalil schulterzuckend.
Myriam Ibrahims Mann Ahmed Adem kann sich einen solchen Einkauf nicht leisten: Den Unterhalt für seine sechsköpfige Familie verdient er lediglich mit dem Verkauf von Obst auf dem Markt. Außerdem sei eine Fahrt nach El Fascher viel zu gefährlich, erklärt er. Aus Angst vor Übergriffen von Milizionären verzichtet seine Frau zurzeit auch auf die Arbeit auf dem Feld. Sobald sie die Stadt verlasse, bestehe die Gefahr, dass sie vergewaltigt und ausgeraubt werde, sagt Myriam Ibrahim.
Mit einem Budget von mehr als 520 Millionen Dollar (410 Millionen Euro) kann das Welternährungsprogramm (WFP) nach eigenen Angaben die Ärmsten in Darfur bis zum Jahresende unterstützen - vorausgesetzt, die Mitarbeiter erreichen die Betroffenen auch. Ohne weitere Spenden dürften die Lebensmittelvorräte im Januar jedoch knapp werden. "Wenn wir nicht bald Lebensmittel bekommen, weiß ich nicht, was meine Kinder essen sollen", sagt Myriam Ibrahim.
Spenden unter http://www.unicef.at
(apa/red)
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