Freitag, 6. Oktober 2006

"Totales, vollkommenes Chaos": Saddam- Anwalt rechnet mit Gewalt nach Todesurteil

  • Clark: Sunniten würden darin einen Racheakt sehen
  • Kein Termin für Urteilsverkündung gegen Hussein

Einer der Anwälte von Saddam Hussein rechnet nach einem möglichen Todesurteil gegen den ehemaligen irakischen Präsidenten mit einer neuen Welle der Gewalt. Die sunnitische Minderheit würde eine Hinrichtung als Racheakt der schiitisch dominierten und von den USA unterstützten Regierung sehen, erklärte Ramsey Clark.

Die Folge wäre "katastrophale Gewalt", sagte der frühere US-Justizminister. Sie würde zu einem "Ende der Zivilisation, wie wir sie kennen, am Geburtsort der Zivilisation in Mesopotamien" führen: "Totales, vollkommenes Chaos".

Das Gericht in Bagdad hat die Urteilsverkündung gegen Saddam Hussein und seine Mitangeklagten im ersten Prozess verschoben. Ursprünglich sollte es am 16. Oktober bekannt gegeben werden, ein neuer Termin wurde bislang nicht genannt. Die Angeklagten mussten sich wegen eines Massakers in der Stadt Dujail nördlich von Bagdad verantworteten, wo 1982 mehr als 140 Schiiten getötet wurden.

Zudem steht der Ex-Machthaber wegen Völkermords derzeit erneut vor Gericht. Dabei geht es um die Ermordung zehntausender Kurden in den 80er Jahren. (apa)

6.10.2006 08:19