Freitag, 6. Oktober 2006

Streit unter Bergarbeitern: 21 Todesopfer bei blutigen Zusammenstößen in Bolivien!

  • Minenarbeiter setzten Schusswaffen und Dynamit ein
  • Regierung ordnet Entsendung von 700 Polizisten an

Bei schweren Auseinandersetzungen unter Minenarbeitern in Bolivien sind nach offiziellen Angaben mindestens 21 Menschen getötet und mehr als 60 weitere verletzt worden. Die Kämpfe hätten trotz einer Friedensvereinbarung angedauert, teilte der Friedensbeauftragte der Regierung, Waldo Albarracín, mit.

Zunächst war von elf Toten bei den Zusammenstößen zwischen Beschäftigten aus Kooperativen und staatlichen Unternehmen um Zinnlagerstätten berichtet worden. Die Regierung ordnete die Entsendung von 700 Polizisten zu der umkämpften Zinnmine Huanuni knapp 300 Kilometer südwestlich von La Paz an.

Hintergrund der Unruhen in der Provinz Oruro, bei denen Schusswaffen und Dynamit eingesetzt wurden, sei ein Streit um Schürfrechte in der Zinnmine, sagte der Minister für das Präsidialamt, Juan Ramón Quintana. Die Kooperativen, die sich in den 80er Jahren nach der Pleite privatisierter Minen gebildet hatten, fordern einen größeren Teil der bisher gemeinsam mit staatlichen Unternehmen ausgebeuteten Zinnvorkommen.

Die internationalen Zinnpreise haben sich seit 2002 fast verdoppelt, und die wieder besseren Verdienstmöglichkeiten locken in einem der ärmsten Länder Lateinamerikas immer mehr Arbeiter an. Für die Regierung des linken Präsidenten Evo Morales kommt der Konflikt inmitten einer ohnehin gespannten Lage äußerst ungelegen. Er will die in Armut lebende Bevölkerung durch Verstaatlichungen stärker an den Bodenschätzen beteiligen, wird zugleich aber von den so genannten Cooperativistas unterstützt. Die Regierungspartei MAS brachte nun einen Gesetzentwurf im Parlament von La Paz ein, der die Gründung einer gemeinsamen Minengesellschaft aus Cooperativistas und Staatsbediensteten vorsieht.

(apa)

6.10.2006 21:14