Mittwoch, 4. Oktober 2006

Türkisches Passagier-Flugzeug entführt: Kidnapping ging in Italien glimpflich zu Ende

  • Brindisi: Türkischer Täter stellte sich den Behörden
  • 113 Insassen kamen mit dem Schrecken davon

Ohne Blutvergießen ist eine Flugzeugentführung im süditalienischen Brindisi zu Ende gegangen. Der unbewaffnete Luftpirat, Hakan Ekinci, der das türkische Verkehrsflugzeug in seine Gewalt gebracht hatte, ergab sich und ließ alle 107 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder frei. Die italienischen Behörden teilten mit, der Türke habe eine Botschaft an Papst Benedikt XVI. richten wollen. Staatsanwalt Giuseppe Giannuzzi sagte, der Mann habe sich als Christ bezeichnet.

Der Wehrdienstverweigerer sollte mit der Maschine der Turkish Airlines von der albanischen Hauptstadt Tirana aus nach Istanbul abgeschoben werden. Über griechischem Luftraum brachte er die Maschine unter seine Kontrolle und zwang sie zur Landung im süditalienischen Brindisi.

Zunächst war von zwei Luftpiraten die Rede gewesen. Der Mann sei ins Cockpit vorgedrungen und habe gerufen "Wir sind zu zweit", teilten die italienischen Behörden mit. Deshalb sei man zunächst davon ausgegangen, dass es sich um zwei Entführer handle. Der Pilot der Boeing 737-400 setzte über dem griechischen Luftraum einen Notruf ab. Er berichtete, er habe zwei Personen an Bord, "die nach Italien wollen, um den Papst zu sehen und ihm eine Botschaft zu überbringen".

Entführer bat um politisches Asyl
Jets der italienischen Luftwaffe eskortierten die Maschine nach Brindisi, wo der Luftpirat aufgab. Er bat um politisches Asyl. Verletzt wurde bei der Entführung niemand. Bei einer Durchsuchung des Flugzeugs wurden keine Waffen gefunden, wie die italienischen Behörden mitteilten.

Italienische Sicherheitsbeamte beschrieben den Entführer nach Medienberichten als "nicht aggressiv". Provinzpräsident Michele Errico sagte, der Mann habe einen "verängstigten" Eindruck gemacht. Beim Verlassen der Maschine soll er sich bei den Passagieren entschuldigt haben.

Luftpirat hatte keinen Brief für den Papst
Hakan Ekinci hatte keinen Brief für den Heiligen Vater bei sich. "Er hatte keinerlei Schreiben bei sich, man kann aber nicht ausschließen, dass er mündlich dem Papst seine Botschaft übergeben wollte", berichtete der italienische Innenminister Giuliano Amato in einer Ansprache vor dem Parlament. Amato bestätigte Medienberichte, nach denen Ekinci am 30. August in einem Blog im Internet einen Brief an den Heiligen Vater veröffentlicht hatte, in dem er sich als diskriminiert bezeichnete, weil er zum Christentum übergetreten war. Er befürchtete, dass ihn Albanien, das Land, in dem er Zuflucht gefunden hatte, wieder in die Türkei abschieben würde, wo ihm ein Prozess wegen Desertion drohte.

Nach der Landung in Italien hatte der Mann unter anderem verlangt, eine Botschaft an Benedikt XVI. überbringen zu dürfen. Deshalb war zunächst spekuliert worden, dass der Entführer gegen die jüngsten Islam-Äußerungen des Papstes und einen im November geplanten Türkei-Besuch Benedikts XVI. protestieren wolle. (apa/red)

4.10.2006 11:47