SPÖ, FPÖ und Grüne nicht traurig: Keine Tränen nach Gehrer-Rückzug aus der Politik
- SPÖ, Grüne hoffen auf Neubeginn, Ende des Sparens
- FP kritisiert Vertrags-Verlängerung von Zuna-Kratky
SPÖ, FPÖ und Grüne bedauerten den Rückzug von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer nicht. Die SPÖ bekräftigte noch einmal ihre Kritik am Sparkurs in der Bildungs- und Wissenschaftspolitik. Die FPÖ kritisierte die ebenfalls bekannt gewordene Verlängerung des Vertrages für die Direktorin des Technischen Museums. Und die Grünen nannten Gehrers Schritt "längst überfällig".
SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal zeigte sich nicht gerade traurig über Gehrers Abgang: "Ich habe sie als eine sehr harte Person erlebt, jemand, der mit Härte gegen seine Schützlinge vorgeht, gegen Schule, Schüler, LehrerInnen und Universitäten." Broukal hätte sich gewünscht, dass Gehrer mit der gleichen Härte gegenüber dem Finanzminister auftritt, "dessen Sparkurs sie exekutiert hat". Und er hätte sich von jemandem, der "Pisa an der Wand nicht einmal richtig lesen konnte", gewünscht, die Realität zur Kenntnis zu nehmen. Der persönliche Umgang mit Gehrer sei zwar angenehm gewesen, so Broukal. Allerdings sei man leider nie tief ins Gesprch gekommen.
SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser deponierte in einer Aussendung die Hoffnung, "dass sich die ÖVP aus den alten Schablonen der Bildungspolitik lösen kann" - und jetzt für eine Modernisierung des Schulsystems eintritt. "Persönlich" wünschte er Gehrer "alles Gute".
Für FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky kommt Gehrers Rückzug nicht überraschend - sei ihre Politik doch "in den letzten Jahren nicht von großer Fortüne geprägt" gewesen. Bezeichnend für die Politik der ÖVP sei jedoch, dass Gehrer noch schnell den Vertrag der Direktorin des Technischen Museums Gabriele Zuna-Kratky verlängert habe. Offenbar wolle die ÖVP "jetzt noch die letzten Schäfchen ins Trocken bringen", so Vilimsky in einer Aussendung.
Ein "längst überfälliger Schritt, der bedeutet, dass sie nach elf Jahren gescheiterter Bildungspolitik endlich die Verantwortung übernimmt" ist Gehrers Rückzug für den Grünen Bundessprecher Alexander Van der Bellen. Auch er sieht jetzt die Chance für einen Neubeginn in der Bildungspolitik gekommen. Vor allem hofft Van der Bellen, dass "das Kaputtsparen von Schulen und Unis, für das Gehrer gestanden ist" ein Ende hat.
ÖH: Ära der Bildungsfeindlichkeit hoffentlich beendet
Auch die ÖH-Vorsitzenden Barbara Blaha (Verband Sozialistischer StudentInnen) und Lina Anna Spielbauer (Grüne und Alternative StudentInnen) haben den Rückzug von Gehrer begrüßt. Gehrer sei für eine "bildungsfeindliche Politik" gestanden - und die sei mit dem Abgang der Ministerin "hoffentlich" beendet.
Gehrer habe "mehrere Generationen an SchülerInnen und Studierenden negativ geprägt". In ihre Ära würden "ausschließlich nachteilige Entwicklungen vor allem im Universitätsbereich" fallen. "Hoffentlich ist heute nicht nur sie, sondern auch neoliberale Bildungspolitik von der Bildfläche verschwunden." Trotz aller inhaltlichen Differenzen und Kritik wünschten Blaha und Spielbauer der scheidenden Ministerin "ruhige Jahre in der Pension".
(apa/red)
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